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Tradition

Reiter ziehen durch die Stadt

218 Pferde waren beim Leonhardiritt am Ostermontag in Furth im Wald dabei. Viele Zuschauer säumten die Straßen.
von Josef Fischer

Auch Bürgermeister Sandro Bauer, Vorjahresritter Matthias Schweitzer und Rittertrainer Willi Späth (von links) befanden sich in den Reihen der Reiter. Foto: Fischer
Auch Bürgermeister Sandro Bauer, Vorjahresritter Matthias Schweitzer und Rittertrainer Willi Späth (von links) befanden sich in den Reihen der Reiter. Foto: Fischer

Furth im Wald.Statt Schnee wie im Vorjahr begleitete herrliches Frühlingswetter den traditionellen Leonhardiritt am Ostermontag in der Festspielstadt Furth im Wald. 218 Pferde nahmen daran teil, und dies bedeutete eine Steigerung gegenüber 2018. Zahlreiche Zuschauer säumten den Prozessionsweg durch die Stadt.

Ab 9 Uhr herrschte reges Leben auf der Festwiese, denn aus allen Richtungen kamen die Rosserer mit ihren prächtig herausgeputzten Vierbeinern. Ihr Ziel war die Teilnahme am 268. Leonhardiritt, der auf ein altes Gelöbnis zurückgeführt wird. Dieses erfolgte, als in der Zeit des österreichischen Erbfolgekrieges der ganze Further Winkel von einer „ungemein grassierenden Viechfahl (Viehseuche)“ heimgesucht worden war.

Zur Leonhardikapelle

Der Leonhardiritt 2019 war für den neuen Stadtpfarrer Karlheinz Seidl etwas Besonderes, denn für ihn war es eine Premiere, und als gebürtiger Bad Kötztinger ritt er natürlich hoch zu Ross mit. Kaplan Daniel Schmid durfte in einer Kutsche Platz nehmen. Die Kutschen und Truhenwagen waren ebenso wie die Pferde wieder wunderschön geschmückt und echte Hingucker.

Furth: Leonhardiritt

Erstes Ziel der Reiterprozession war die Leonhardikapelle, die unter dem Patronat der Familie Hastreiter steht. Schon vor der Prozession stattete Stadtpfarrer Seidl zusammen mit seinem Kaplan Lutz Hastreiter dort einen Besuch ab und ließ sich in die Geschichte dieses sakralen Bauwerks einführen.

Nach dem Umritt der Leonhardikapelle ging es an vielen Zuschauern vorbei durch die Stadt Furth im Wald. Die musikalischen Akzente setzten der Spielmannszug „Grenzfähnlein“, das Blasorchester Furth im Wald und die Kapelle Lecker. Ein besonderes Augenmerk der Further Zuschauer galt den beiden Ritterpaaren Tina Pohmer und Andreas Scheuer sowie Barbara Mühlbauer und Georg Macharowsky.

Sie wurden für ihre langjährige Teilnahme am Ritt geehrt. Foto: Josef Fischer
Sie wurden für ihre langjährige Teilnahme am Ritt geehrt. Foto: Josef Fischer

Wie gewohnt ritt auch Bürgermeister Sandro Bauer hoch zu Ross mit. Mit dabei war auch Kurdirektor Sepp Barth aus Bad Kötzting. In Truhenwägen hatten Vertreter der Pferdezüchtervereinigung und der Further Trachtenvereine Platz genommen. In Kutschen durften Mitglieder des Stadtrates, die Vorbeter, Angehörige der Pfarr- und Kirchenverwaltung, Mitglieder des Landvolks und des Seniorenbeirates und des Frauenbundes sowie die Kindergartenleitung des Kinderhauses Sankt Elisabeth mitfahren.

Bürgermeister Sandro Bauer hieß am Stadtplatz alle Reiter, Musiker und Zuschauer willkommen. Sein Gruß galt auch der katholischen und evangelischen Geistlichkeit. Erfreut zeigte er sich, dass insgesamt 218 Pferde gezählt werden konnten. Er verwies darauf, dass zeitgleich in Regen eine große Reiterprozession stattfindet, und auch dort Reiter aus unserer Region teilnehmen. Er wünschte Haus, Hof und Stall, den Menschen und Tieren alles Gute. Schon Tradition ist, dass vor dem Gottesdienst langjährige Leonhardireiter geehrt werden. Für 25-malige Teilnahme wurden Josef Greil aus Blaibach und Wolfgang Heitzer aus Arnschwang geehrt. Sogar schon seit 40 Jahren nimmt Franz Würz aus Furth im Wald am Leonhardiritt teil.

Nach der Ehrung wurde Gottesdienst gefeiert. Am Schluss wurden die Leonhardibrote, Pferde und Reiter gesegnet. Fazit: Es war wieder einmal ein unfallfreier Leonhardiritt bei herrlichstem Frühllingswetter.

Viehseuche im Further Winkel

Der Leonhardiritt findet jedes Jahr am Vormittag des Ostermontags in Furth im Wald statt. Es handelt sich um eine mehr als 265 Jahre alte Pferde- und Reiterprozession zu Ehren des heiligen Leonhard, an dem Jahr für Jahr Hunderte prächtig geschmückte Pferde mit Reiter und Kutschen teilnehmen.

Die Pferdebesitzer des Oberen Bayerischen Waldes reiten zur Leonhardi-Kapelle, um ein Gelöbnis aus der Zeit des österreichischen Erbfolgekriegs zu erfüllen, als 1742 der ganze Further Winkel von einer Viehseuche heimgesucht wurde und nahezu den ganzen Viehbestand der Bauern dahinraffte.

Zur Geschichte des Leonhardiritts

  • Viehseuche:

    Man nimmt an, dass die damaligen Viehseuchen von Reitertruppen des Pandurenoberst von Trenck eingeschleppt wurden, die während des österreichischen Erbfolgekrieges die Gegend heimsuchten.

  • Kapelle:

    Das Kircherl zu Ehren des heiligen Leonhard wurde 1751 auf dem Bayplatz erbaut, die Erlaubnis zur Messlesung wurde 1786 erteilt.

  • Ritt:

    Bis zur Verlegung des Leonhardi-Kircherls 1930 – sie musste dem wachsenden Straßenverkehr weichen – gab es in der Grenzstadt keinen organisierten Leonhardi-Ritt. Üblich war bis dahin, dass Bauern und Pferdebesitzer vor dem Taganläuten mit ihren Tieren das Kircherl umritten. Seit Fertigstellung des neuen Leonhardi-Kircherls im Jahre 1931 findet alle Jahre ein organisierter Umritt statt.

Laut geschichtlicher Übermittlung wird in einem Brief an den Bischof von Regensburg vom 3. Mai 1750 erwähnt, dass die gesamte Bürgerschaft sich wegen diesem „ungemein grassierenden Viechfahl (Viechseuche) aus eigenen Mitteln eine Capellen aufmauern und darinnen einen Hochaltar mit der Bildtnuß des Heyl. Leonardi setzen zu lassen, damit durch dessen Vorbitt der allguettige gott uns vor fehrner dergleichen schädlichen übel gnädiglich bewahren wolle.“ Die Bürger baten also den Bischof um die Erlaubnis, eine Leonhardikapelle (ein Kircherl) an der Hauptstraße bauen zu dürfen.

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