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Justiz

Retter-Angriff: Bewährung für Mann (23)

Der Angeklagte bedauert sein Verhalten: „Ich war gut betrunken, es war eine blöde Aktion.“ Nun muss er 1700 Euro zahlen.

Das BRK beklagt immer mehr Aggression und Gewalt gegen Rettungskräfte. Foto: Lukas Barth/dpa
Das BRK beklagt immer mehr Aggression und Gewalt gegen Rettungskräfte. Foto: Lukas Barth/dpa

Cham.Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte stand ein 23-Jähriger vor dem Chamer Amtsgericht. Ihm wurde vorgeworfen, im September 2019 den Rettungsdienst im Einsatz angegriffen zu haben. Der Vorfall hatte sich vor einer Diskothek ereignet. Der Angeklagte soll den Rettungsdienstassistenten von einer bewusstlosen Person weggeschubst beziehungsweise weggestoßen und den Bewusstlosen dann einige Meter über den Boden gezogen haben.

Der Angeklagte bedauerte sein Verhalten „ehrlich“: „Ich war gut betrunken, es war eine blöde Aktion“, sagte er. Er hatte sich kurz nach der Tat persönlich bei dem Rettungsassistenten entschuldigt. Aus seiner Sicht erzählte der 23-Jährige, dass sein Freund auf der Treppe vor dem Eingang geschlafen habe. Die Ersthelfer, die den Rettungsdienst gerufen hatten, hatten gemeint, dieser sei bewusstlos. Er habe durch die Aktion verhindern wollen, dass sein Kumpel ins Krankenhaus mitgenommen wird, weil dieser dann zuhause Ärger bekommen hätte, so der Angeklagte. Der Verteidiger betonte, dass sein Mandant die Tat aufarbeite. Er nehme unter anderem an einem Gewaltpräventionskurs teil. „Er hat sein Fehlverhalten eingesehen“ , so der Anwalt.

Rund zwei Promille im Blut

Als erster Zeuge sagte der Polizeibeamte aus, der vom Rettungsdienst als Unterstützung gefordert worden war. Er beschrieb den Angeklagten als leicht aggressiv. Dieser habe auch die Fragen nicht beantwortet, die er ihm gestellte habe. Bei einem Alkoholtest wurden rund zwei Promille festgestellt.

Der 23-Jährige musste sich vor dem Chamer Amtsgericht verantworten. Foto: Armin Weigel/dpa
Der 23-Jährige musste sich vor dem Chamer Amtsgericht verantworten. Foto: Armin Weigel/dpa

Der geschädigte Rettungsassistent erzählte, als er mit seinem Kollegen vor der Diskothek eingetroffen war, hätten sie die bewusstlose Person an der Treppe mit den beiden Ersthelfern gesehen. Er sei in die Hocke gegangen, so der Zeuge. Da sei er von hinten gestoßen worden und seitlich hingefallen. Der Angeklagte habe den Bewusstlosen genommen und diesen einige Meter weitergezerrt. Eine andere Person habe die Retter bedroht mit den Worten: „Ich stech‘ Euch ab.“ Der Patient sei später selber wieder aufgestanden, er habe einfach nur sehr tief geschlafen.

Die Staatsanwaltschaft fragte den Sanitäter, ob ihn die Tat in seiner Arbeit beeinträchtige. Dieser meinte: „Natürlich denkt man drüber nach, und so eine Bedrohung bleibt im Hinterkopf.“ Sein Kollege bestätigte die Vorkommnisse. Der 22-Jährige auf, wegen dem der Rettungsdienst gerufen worden war, bekannte, dass er an dem betreffenden Abend „ziemlich betrunken“ gewesen sei, wisse aber noch, dass er zum Angeklagten gesagt habe, dass er keine Sanitäter wolle. Der Verteidiger fragte den Zeugen, ob er öfter beim Weggehen ein „Schlafbedürfnis“ habe. Dies bejahte dieser.

„Wird nie wieder passieren“

Die Staatsanwaltschaft sah in ihrem Plädoyer den Vorwurf bestätigt, dass es sich um einen Angriff auf Personen handelte, die Vollstreckungsbeamten gleichstehen. „Wenn die Sanitäter ihren Job nicht mehr machen wollen, schadet das uns allen“, betonte die Anklagevertreterin und forderte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten zur Bewährung auf drei Jahre sowie eine Geldauflage von 2000 Euro an die BRK-Rettungswache, an der die Betroffenen tätig sind. Der Verteidiger bat um Milde. Der Angeklagte versicherte in seinem letzten Wort: „Sowas wird nie wieder passieren.“

Richterin Birgit Fischer verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten zur Bewährung sowie einer Auflage von 1700 Euro an das BRK Bad Kötzting. „Die persönliche Entschuldigung spricht für ihren Charakter“, so Fischer. (cta)

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