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Rettung für Schloss Ronsperg

Mehr als 200 Teilnehmer waren sich in Pobžovice – an der Wiege des Europa-Gedankens – einig über die Schloss-Renovierung.

  • Die zahlreichen Besucher hatten bei glühender Hitze auf dem Platz vor dem Infozentrum Platz genommen. Rechts Bernd Posselt, Vorsitzender der Paneuropa-Union Deutschland. Foto: fkr
  • Bürgermeister Hynek Ríha hieß die Vertreter der Paneuropa-Union Deutschlands und Tschechiens willkommen. Foto: fkr

Pobžovice.Die 41. Paneuropa-Tage der Paneuropa-Union Deutschland gemeinsam mit der Paneuropa-Union in der Tschechischen Republik führten die mehr als 200 Teilnehmer am Samstag auch zur Wiege des Europa-Gedankens, nach Pobžovice, dem einstigen Ronsperg. Dort ist in dem Schloss bekanntlich der Gründer der Paneuropa-Union, Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, aufgewachsen. Das Schloss trotz einiger bereits durchgeführter Maßnahmen weiter in einem sehr schlechten Zustand und wartet dringend auf eine grundlegende Sanierung.

Dem Ideengeber Denkmal setzen

Viele der Tagungsteilnehmer waren sich einig, dass so ein denkwürdiger Platz endlich wieder ein würdiges Aussehen bekommen sollte. Wem sollte man sonst ein würdiges Denkmal setzten, wenn nicht dem Ideengeber eines vereinten Europas? Die ersten Anfänge einer Sanierung des Schlosses waren ja damals von Bürgermeister Reinhold Macho und der Japanerin Masumi Böttcher-Muraki ausgegangen, die inzwischen zur Ehrenbürgerin von Pobžovice ernannt worden ist.

Mit der Europafahne im Hintergrund: Jana Podskalská verabschiedet Bernd Posselt nach dem Besuch in Pobžovice.
Mit der Europafahne im Hintergrund: Jana Podskalská verabschiedet Bernd Posselt nach dem Besuch in Pobžovice. Foto: fkr

Bürgermeister Hynek Ríha hieß die Mitglieder oder Unterstützer der Paneuropa-Union, unter ihnen auch der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, Bernd Posselt und der bayerische Landesvorsitzende Dr. Dirk Voß, willkommen und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass sie den größten Denker des 20. Jahrhunderts, nämlich Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, nicht vergessen haben. Dessen Gedanken seien von klein auf bis zum Jugendalter vom Vater und der japanischen Mutter beeinflusst worden.

Die Leiterin des Infozentrums, Jana Podskalská, eine engagierte Kämpferin für die Sanierung von Schloss Ronsperg, sprach ein Grußwort.
Die Leiterin des Infozentrums, Jana Podskalská, eine engagierte Kämpferin für die Sanierung von Schloss Ronsperg, sprach ein Grußwort. Foto: fkr

Die Leiterin des Infozentrums in Pobžovice und Stadträtin, Jana Podskalská, hieß die Teilnehmer in der Stadt willkommen, „wo die ersten Gedanken für ein vereintes Europa entstanden sind“. Ronsperg habe schon im Mittelalter eine feste Rolle gespielt. Der Ort sei schon damals ein Zentrum des Wissens, der tiefen Gedanken und von seltenen Geschäftstreffen gewesen. „Heute sind es wir alle, die das Recht haben, die Möglichkeiten und die Pflichten der Vergangenheit so zu berücksichtigen, dass wir in der Zukunft erfolgreich sind“, so Podskalská. Sie rief dazu auf, diesen Platz in Pobžovice nicht verfallen zu lassen, denn hier seien die Ideen des Friedens und der kosmopolitischen Theorie geboren worden. Dies sei hier auch ein Ort, an dem für einige Zeit ohne rassistische und kulturelle Vorurteile gut zusammengearbeitet wurde. Sie zeigte sich erfreut, dass die Mitglieder der Paneuropa-Union mit ihrem Besuch die Wuzeln dieser Ideen in Ronsperg suchen. Sie sprach die Hoffnung aus, dass dieses Treffen nicht das erste und auch nicht das letzte sein wird.

In Pobžovice standen auch zwei Vorträge von dem Historiker und Fernsehredakteur Dr. Martin Posselt sowie von Professor Dr. Gerhard Sabathil (Direktor im Europäischen Auswärtigen Dienst) auf dem Programm. Beide hielten ihre Vorträge bezeichnender Wiese auf dem Treppenaufgang mit dem Schloss Ronsperg im Hintergrund. Die Besucher saßen auf dem Platz vor dem Eingangsbereichs des Infozentrums und hörten interessiert die Ausführungen. Für Dr. Gerhard Sabathil war es quasi ein Heimspiel, denn sein Großvater, der eine Apotheke hatte (heute ist es eine Vinothek), war der letzte deutsche Bürgermeister in Ronsperg.

Rettung für Schloss Ronsperg

  • Zuversicht

    Bürgermeister Hydek Ríha zeigte sich zuversichtlich, dass in näherer Zukunft das Schloss wieder belebt werden kann. Die Rettung des Schlosses habe eigentlich schon 1989 begonnen, als das Objekt der Stadt Pobžovice übergeben wurde.

  • Bemühungen

    Aus vielen Gründen seien während der letzten 25 Jahre die Bemühungen um eine Sanierung nicht immer erfolgreich verlaufen. Der Bürgermeister ist der Ansicht, dass jetzt die Zeit gekommen sei, eine neue Phase der Rettung zu beginnen.

  • Zusammenarbeit

    Eine gute Zusammenarbeit sei dabei sehr wichtig. „Es ist wichtig, die Kräfte zu bündeln und das Seil gemeinsam zu ziehen“, so Riha. Leider sei dies in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen.

  • Ortsverein

    Das Stadtoberhaupt zeigte sich überzeugt, dass die Gründung des Ortsvereins „Pobžovice-Ronsperg“ und die Aktivitäten deren Mitglieder genauso wie der Besuch der Paneuropa-Union zur Zusammenarbeit beitragen werden. (fkr)

Der Historiker Dr. Martin Posselt, im Hauptberuf Fernsehjournalist beim Bayerischen Rundfunk, beschrieb in einem kulturhistorisch fundierten Referat, vor welchem Hintergrund sich Richard Graf Coudenhove-Kalergi und die von ihm 1922 geschaffene Paneuropa-Konzeption entfalten konnten. Schloss Ronsperg sei nur zwölf Kilometer von der bayerisch-böhmischen Staatsgrenze, die heute eine EU-Binnengrenze sei, sowie fünf Kilometer von der deutsch-tschechischen Sprachgrenze im Landesinneren gelegen gewesen.

Wegweisende Reformvorschläge

Richards Vater Heinrich Coudenhove, frommer Katholik und Vorkämpfer des interreligiösen Dialoges, habe nicht nur den Antisemitismus bekämpft, sondern zahlreiche wegweisende Reformvorschläge für das Vielvölkerreich der Habsburger entwickelt, die leider nicht aufgegriffen wurden. Nationalismus und Rassismus seien für ihn vor allem Ausdruck mangelnder Bildung gewesen.

Sein Sohn Richard, mit einer jüdischen Schauspielerin verheiratet und im Künstlermilieu des alten Wien bis zu dessen Ende im 1. Weltkrieg lebend, habe dieses altösterreichische Erbe zur modernen demokratischen Europa-Idee weiterentwickelt. Nach zahllosen nationalistischen Wirrungen, die auch Coudenhove – der mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, gegen Hitler und Stalin kämpfte – nicht habe verhindern können, sei heute die Stunde Paneuropas gekommen: „Die Büchse der Pandora wurde geschlossen. Seien wir wachsam, dass sie keiner mehr öffnet!“

Gerhard Sabathil, Abteilungsleiter beim Europäischen Auswärtigen Dienst mit sudetendeutschen Wurzeln, zeigte sich mit Ronsperg auf eine fast schicksalhafte Weise verbunden. Sein Großvater, der letzte deutsche Bürgermeister Ronspergs vor der Vertreibung, habe intensive Kontakte zur Familie Coudenhove-Kalergi unterhalten, er selbst habe als überzeugter Europäer mit Wohnsitz in Brüssel eine Tschechin geheiratet und sei dadurch mit seiner ganzen Familie wieder in der Heimat seiner Vorfahren ansässig geworden. Das Kuratoriumsmitglied der Wiener Coudenhove-Kalergi-Gesellschaft umriss fünf Themenbereiche, die heute für die EU-Politik Priorität genießen müssten: die Eindämmung des russischen Krieges gegen die Ukraine, den anwachsenden weltweiten Terrorismus durch Gruppen wie IS, die Krise von Euro und EU-Integration im Zeichen von Zerfallserscheinungen wie „Grexit“ und „Brexit“, der demografische Rückgang Europas bei gleichzeitig anwachsender Migration aus anderen Weltteilen sowie die vielfach unterschätzte chinesische Herausforderung. (fkr)

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