MyMz
Anzeige

Medizin

Roding: Scharfe Kritik an Sana-Strategie

Keine Zukunft für Rodings Klinik? Bürgermeister und Pro Gesundheit nehmen Konzern in die Pflicht und fordern neues Konzept.
Von Bastian Schreiner

Die Pläne der Sana Kliniken sorgen für massive Kritik in Roding. Foto: Klöckner
Die Pläne der Sana Kliniken sorgen für massive Kritik in Roding. Foto: Klöckner

Roding.Die Sana Klinken haben erstmals den Standort Roding offen infrage gestellt. Auf Anfrage unseres Medienhauses erklärte die Geschäftsleitung, dass man aufgrund der Entwicklungen der vergangenen Jahre für die stationäre Grundversorgung in Roding keine Zukunftsperspektive mehr sehe. „Der Konzern wird seine Probleme im Landkreis Cham nicht lösen, wenn das Haus in Roding geschlossen wird“, ist Bürgermeister Franz Reichold überzeugt. Und weiter: „Ich traue mich sogar behaupten, dass es auch künftig Defizite geben wird.“

„Defizite nicht nur aus Roding“

Reichold stört es, dass Sana die Schuld immer nur auf den Standort Roding schiebt. Das hat er sowohl im Interview mit unserem Medienhaus als auch bei der Stadtratsitzung am Donnerstagabend betont. „Die Defizite werden nicht allein in Roding gemacht“, so Reichold. Der Konzern habe bei der Übernahme gewusst, dass er sich auf drei Häuser im Landkreis einlässt. Sana habe einige Versprechen aber nicht gehalten.

„Es stört mich gewaltig, dass Sana die Schuld immer nur auf den Standort Roding schiebt!“

Franz Reichold, Bürgermeister

In das Rodinger Haus ist laut Reichold seitdem nicht investiert worden. Auch vom angekündigten Ärzte-Pool, auf den Sana zurückgreifen kann und so stets über ausreichend Mediziner verfügt, habe man in der Region nichts gespürt. Zudem seien seit der Übernahme zahlreiche Arbeitsplätze abgebaut oder ausgelagert worden. „Man muss sich fragen, ob nicht grundlegend etwas schiefläuft im Management“, wird er deutlich. Wie bei der geplanten Schließung des Conti-Werkes müsse die Politik den Konzern in die Pflicht nehmen. Schließlich treffe das mögliche Aus die Bürger. „Gut, dass es die Sperrminorität gibt, sonst hätte Sana in Roding längst zugesperrt“, sagt der Rathaus-Chef und verweist auf das Krankenhaus in Riedlingen (Baden-Württemberg), das Sana im Sommer 2020 schließen will.

Gesundheit

Sana spricht erstmals Klartext zu Roding

Der Klinik-Konzern macht im Kreis Cham ein dickes Minus. Jetzt bringt er die Schließung des Rodinger Krankenhauses in Spiel.

Fragen zur Bettenauslastung

Zur Bettenauslastung – in Roding liegt diese nur noch bei 60 Prozent – hat der Bürgermeister eine klare Meinung: „Das wird gesteuert – zunächst wird das Haupthaus in Cham vollgemacht und dann erst die Kliniken in Bad Kötzting und Roding.“ Und wenn Patienten häufiger das Angebot von Krankenhäusern außerhalb des Landkreises wahrnehmen, müsse sich Sana nach den Gründen fragen.

Bei der Suche nach einer Alternative für Roding – Ziel ist weiterhin ein Ärztehaus – nimmt Reichold Sana in die Verantwortung. Ferner sieht er Handlungsbedarf in der Bundespolitik: „Es braucht eine grundlegende Reform unseres Gesundheitssystems.“ Solange der betriebswirtschaftliche Aspekt dominiert, werde sich nichts ändern.

Stadtentwicklung

Kommt Ärztehaus für die Rodinger Klinik?

Die Stadt Roding will Krankenhaus und neues Ärztezentrum– doch beides geht nicht, so ein Konzept. Die Stadt ist im Zwiespalt.

Auch Dr. Michael Jobst, Vorsitzender des Vereins Pro Gesundheit, nimmt Stellung zu den Entwicklungen. „Dass Sana schon seit längerem kein Interesse am Krankenhausstandort Roding zeigt, war nicht zu übersehen – auch wenn es von Sana immer wieder heftig bestritten wurde. Insofern war damit zu rechnen, dass der Standort irgendwann von Sana auch offiziell in Frage gestellt wird“, schreibt Dr. Jobst. Mit den aktuellen Äußerungen der Geschäftsleitung sei der Deckmantel der Versprechungen für den Standort Roding endgültig gefallen. Weiter heißt es: „Sana ist nicht am Standort Roding gescheitert, sondern an den eigenen großen Versprechungen.“ Der Konzern wusste bei der Übernahme genau, auf was er sich einlässt. Dennoch wurden vollmundig der dauerhafte Erhalt der drei Standorte sowie Lösungen für den Ärztemangel durch einen eigenen Ärzte-Pool zugesichert. Für Roding wurde sogar der Ausbau zu einem stationären orthopädisch-chirurgischen Schwerpunkt vertraglich verankert. Nichts davon habe sich bewahrheitet.

„Der Standort wird nach und nach ausgeblutet.“

Dr. Michael Jobst, Pro Gesundheit

„Wieder einmal muss nun das Krankenhaus Roding als Sündenbock für ein verfehltes Krankenhausmanagement herhalten“, so Jobst. Ärgerlich sei, dass das Personal, das in einem schwierigen Arbeitsumfeld hervorragende Arbeit leistet, so vor den Kopf gestoßen wird. Und weiter: „Ich verschließe mich nicht der Tatsache, dass die stationäre Krankenhausversorgung einem gewaltigen Wandel unterworfen ist. Bis heute hat jedoch Sana – obwohl vom Verein Pro Gesundheit immer wieder gefordert – kein Zukunftskonzept vorgelegt. Stattdessen wird der Standort nach und nach ausgeblutet.“ Ein Glück, dass das damalige Bürgerbegehren auf eine Sperrklausel pochen konnte, ansonsten wäre Roding schon längst dichtgemacht worden.

Sana bleibt Antworten schuldig

Wenn Sana im Landkreis wieder Glaubwürdigkeit erlangen möchte, so Jobst, müsse endlich ein Zukunfts-Konzept vorgelegt werden. Das neu gegründete MVZ sei hierbei nur ein Baustein. Offen bleibe bisher, in welcher Form eine Notfallversorgung für den westlichen Landkreis weiter bestehen wird und in welcher Form stationäre Betten weiter bestehen werden. Hier sei Sana den Bürgern konkrete Antworten schuldig. Die Finanzierung dürfte wohl nicht das Problem sein, wenn Sana für die Häuser in Cham und Bad Kötzting kurzfristig zwölf Millionen mobilisieren kann. Dr. Jobst appelliert, dass auf Kreisebene alle an einem Strang ziehen und Sana nicht so einfach aus der vertraglich vereinbarten Verantwortung für die Versorgung des gesamten Landkreises entlassen.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über den Facebook Messenger, Telegram und Notify direkt auf das Smartphone

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht