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Reise

Rodinger lernen armenische Küche kennen

Nach der Winterpause in Georgien zogen Charly Hollinger und Heike Hornig weiter nach Armenien und Iran – in eine andere Welt.
Von Heike Hornig

Abendessen in Teheran: Die Rodinger Weltbummler lernten in der iranischen Hauptstadt auch neue Freunde kennen. Foto: chn
Abendessen in Teheran: Die Rodinger Weltbummler lernten in der iranischen Hauptstadt auch neue Freunde kennen. Foto: chn

Roding. Vor zweieinhalb Monaten haben wir an dieser Stelle das letzte Mal von unserer „kleinen Weltreise“ – von Roding bis in die Mongolei und zurück – berichtet. Da waren wir gerade nach sechswöchiger Winterpause in Georgien auf der Weiterreise nach Armenien. Uns erscheint es wie eine kleine Ewigkeit, wenn wir zurückblicken auf die vergangenen zehn Wochen und rund 5000 Kilometer Weiterreise. So viele unterschiedliche Erlebnisse, Erfahrungen und vor allem neue Bekanntschaften mit vielen Menschen müssen wir erst mal wieder verarbeiten und sacken lassen.

Armenien haben wir relativ schnell von Nord nach Süd durchquert, mit einem Stopp am größten Süßwassersee des gesamten Kaukasus, dem Sewansee, der auf knapp 2000 Meter Höhe liegt. Geblieben sind wir dann für drei Wochen im südlichsten Zipfel Armeniens, in Kapan, der Hauptstadt der südarmenischen Provinz Sjunik. Dort haben wir uns wieder als Freiwillige engagiert und die Arbeit einer noch im Aufbau befindlichen Organisation ARK Armenia tatkräftig unterstützt.

Sanfter Ökotourismus

Charly Hollinger mit Hündin Pepsi am Sewansee, dem größten Süßwassersee Armeniens sowie des gesamten Kaukasus. Foto: chn
Charly Hollinger mit Hündin Pepsi am Sewansee, dem größten Süßwassersee Armeniens sowie des gesamten Kaukasus. Foto: chn

Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt einen sanften Ökotourismus in der Region aufzubauen. Dazu wurden in den vergangenen drei Jahren mit Hilfe von Freiwilligen zwei Ökocamps aufgebaut, ein Netzwerk aus Wanderwegen erschlossen sowie zwei große Permakulturgärten angelegt, die als Anschauungsobjekte und Trainingsfläche für nachhaltige Landwirtschaft dienen. Unsere Aufgaben gestalteten sich äußerst kreativ. Wir planten die Gestaltung neuer Flächen und erstellten Pläne für ein Hobbitdorf, das auf dem Areal entstehen soll. Ganz praktisch konnten wir außerdem schon damit starten, erste Pfade und ein Hochbeet anzulegen, sowie Erdterassen für zukünftige Zeltplätze zu ebnen. Denn nach einem kurzen, heftigen Wintereinbruch begann in Armenien bereits Mitte Februar der Frühling, so dass auch Außenarbeiten schon erledigt werden konnten. Das Wichtigste: Neben der Arbeit haben wir durch unsere Gastgeber, Kollegen und deren Bekannte viel über das Land, dessen unruhige Geschichte und die aktuelle Lage erfahren. Wir lernten die traditionelle armenische Küche kennen und wurden sogar in die Teppichwebkunst eingeführt.

Beim Abschied nach drei Wochen gaben uns die Gastgeber Armen & Siranush die These mit auf den Weg, dass wir nun mit der Reise nach Iran endgültig in eine andere Welt eintauchen würden. Armenien stünde noch deutlich unter europäischem Einfluss, auch geografisch sei es zum Teil noch Europa anzurechnen. Der Iran hingegen – eine andere Welt!

 Die Rodinger Weltenbummler sind mit Landrover und Wohnwagen unterwegs – hier beim Chomeini-Mausoleum in Teheran. Foto: chn
Die Rodinger Weltenbummler sind mit Landrover und Wohnwagen unterwegs – hier beim Chomeini-Mausoleum in Teheran. Foto: chn

Das können wir nach fünf intensiven Wochen in Iran zu 100 Prozent bestätigen. Vieles ist fremd und neu. Das fängt schon mit der ungewöhnlichen Zeitrechnung an. Laut dem gültigen Sonnenkalender reisten wir am 8. Esfand (Dezember) 1396 ein und konnten drei Wochen später, nach unserer Rechnung am 21. März 2018, das Neujahrsfest mitfeiern. Auch die Uhr wird an der Grenze nicht um ein, zwei oder drei Stunden vorgestellt, sondern um zweieinhalb. Das Wochenende liegt nicht auf den Tagen Samstag und Sonntag, sondern beginnt am Donnerstag und endet am Freitag. Dies führt in der Kommunikation mit Europa zu umständlichen Rechnereien bzw. zu Fehlversuchen beim Erreichen von Behörden.

Bemerkbar und spürbar ist die staatliche Kontrolle. Wir hatten im Vorfeld gelesen, das die Handy- und Internetkommunikation überwacht wird. Wir wussten auch, dass die Polizei unter anderem darauf achtet, das die Kleiderordnung eingehalten wird. Dass auch Personen bezahlt werden, die Reisende systematisch befragen und die gesammelten Infos an die Regierung zurückspielen, war uns neu. Zum Glück waren diese „Spitzel“ leicht zu entlarven an ihren gleichtönenden Fragen. Und sie waren auch schnell wieder weg, wenn sie die Infos hatten, die sie benötigten, so dass das positive Grundgefühl, das alle anderen Iraner Fremden gegenüber vermitteln nicht, getrübt werden konnte.

Staatliche Kontrolle spürbar

Heike Hornig ist froh, wenn sie das Kopftuch bald wieder ablegen darf. Das Foto zeigt sie mit Charly Hollinger in der Salzwüste im Iran. Foto: chn
Heike Hornig ist froh, wenn sie das Kopftuch bald wieder ablegen darf. Das Foto zeigt sie mit Charly Hollinger in der Salzwüste im Iran. Foto: chn

Selten vorher wurde mir so deutlich, wie glücklich ich mich schätzen kann, dass ich in einem freien Land aufgewachsen leben darf. Ich darf meine Meinung äußern, ohne mich umschauen zu müssen ob mich jemand belauscht, ich darf anziehen, was ich möchte, muss mich nicht verhüllen und ich kann relativ einfach reisen und mir die Welt ansehen – nicht für jeden eine Selbstverständlichkeit.

Ich bin froh, wenn ich das Kopftuch und die langärmeligen Hemden und Jacken nach fünf Wochen wieder ablegen kann und trotzdem komme ich sehr gerne wieder in den Iran zurück. Warum? In erster Linie wegen den liebenswerten Menschen, die wir kennenlernen durften. Wie so oft gibt es zwei Seiten, die Regierung eines Landes und die Bevölkerung. Nicht immer stimmt das Gedankengut eines Großteils der Bevölkerung mit dem der Regierung überein.

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