MyMz
Anzeige

Volksbegehren

Rodinger Quartett kämpft für Bienen

Ein großes Ziel haben die Vier angepeilt: Sie wollen mindestens zehn Prozent der Rodinger zur Unterschrift bewegen.
Von Christoph Klöckner

Das Rodinger Aktionsbündnis für mehr Schutz der Schöpfung mit Christian Oberthür, Ursula Groth, Andrea Leitermann und Herbert Bindl (v.li.) Foto: Klöckner
Das Rodinger Aktionsbündnis für mehr Schutz der Schöpfung mit Christian Oberthür, Ursula Groth, Andrea Leitermann und Herbert Bindl (v.li.) Foto: Klöckner

Roding. Eine Vielfalt findet sich im Quartett, die überrascht. Jüngere und Ältere, eine Grüne, ein Linker, einmal Landesbund für Vogelschutz und einmal der Verein zum Schutz von Schöpfung und Leben sitzen hier am Tisch in der Eichendorffstraße in Roding und suchen die Vielfalt. Die vermissen sie bei uns schon einige Jahre.

Etwa Ursula Groth, die sich – wie viele andere wohl auch – gern daran erinnert, wie bunt der Blumenstrauß war, den sie als Kind für die Mama zu Muttertag gesammelt hat. Von Wiesenschaumkraut über Kamille, Margerite bis zum Klee und Sauerampfer – es war ein bunter Strauß. Heute muss man weit gehen, um Vielfalt einzusammeln.

Ein Problem fürs Herbarium

Das hat auch die Andrea Leitermann, die als Altenpflegerin im Caritas-Haus in Roding arbeitet und Vorsitzende der Kreis-Grünen ist, mit Schrecken bemerkt. Sie habe mit ihrer Tochter als Schulaufgabe verschiedene Wiesenblumen für ein Herbarium gesucht. Anders als erwartet – man wohnt ja in der Natur – sei die Suche ähnlich der Nadel im Heuhaufen verlaufen. „Auf den Wiesen gibt es nichts mehr zu finden, außer drei oder vier Grassorten“, pflichtet ihr Herbert Bindl bei, der Gründer des Vereins zum Schutz von Schöpfung und Leben. Es ist längst kein Geheimnis mehr: Stetes Mähen und Düngen hat die Vielfalt der bunten Wiese zum monotonen Grün werden lassen. Selbst der Überlebenskünstler unter unseren Pflanzen, der Löwenzahn, der im Vorspann der gleichnamigen Kinderlernserie mit Peter Lustig noch den grauen Straßenteer durchbricht, ist seltener geworden.

Eine Blumenwiese für Muttertag, wie man sie sich wünscht. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Eine Blumenwiese für Muttertag, wie man sie sich wünscht. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das wollen sie ändern – die vier Optimisten vom Aktionsbündnis für das am 31. Januar startende Volksbegehren unter dem Titel „Rettet die Bienen!“ Obwohl die Zeit den Pfad zu einer Veränderung – gar Rettung von Natur und Umwelt – den Studien zufolge sehr schmal gemacht hat: Viele Arten sind bereits ausgestorben, andere kurz davor. Es gehe natürlich nicht nur um Bienen, das sei nur das Motto – da sage doch mancher, den Bienen gehe es doch gut, erklärt Herbert Bindl. Es geht für ihn und die anderen am Tisch um nicht weniger als ums Ganze, um die Schöpfung. Denn das Gesetz der Natur kennt nur das Ganze – fällt ein Lebewesen weg, kommt das System ins Wanken.

Naturschutz

Kötztinger sind für Bienen-Volksbegehren

Eine Reihe von Naturfreunden stehen der Initiative aufgeschlossen gegenüber – allen voran Bürgermeister Markus Hofmann.

Deshalb kämpft das Volksbegehren für die gesamte Fauna und Flora, für Spinnen oder Mücken ebenso wie für Vögel und für weitreichende Veränderungen, die damit in Gang gesetzt werden sollen. Gerade diese konkreten Handlungsanweisungen etwa für die Landwirtschaft, die hierin gefordert werden, haben auch den Walderbacher Christian Oberthür, Ortssprecher der Linken im Landkreis, ins Quartett gebracht. Die Zahlen seien so dramatisch, dass die freiwilligen Vorgaben der Politik nicht mehr ausreichend seien, findet Oberthür: „Es ist Zeit zu Handeln!“ Er sieht dabei die Landwirte auch als Opfer des Kreislaufs zu immer mehr Produktion, in den sie von Konzernen getrieben würden. Das der Bauernverband gegen das Volksbegehren wettert, findet er abwegig. Hier gelte es, etwa durch Fördermaßnahmen etwas zu verändern. Wer Nützlinge statt Pestizide einsetze, müsse stärker bedacht werden.

Parteiübergreifendes Projekt

Ursula Groth betont die parteiübergreifende Aktion für das Volksbegehren, das von der ÖDP angestoßen wurde, aber schnell Anhänger aller Couleur fand. Sie freut sich, dass in Roding etwa auch Regionaldekan Kruschina und somit die Kirche dabei sein will.

Es gehe um die Erhaltung der Schöpfung – und letztlich um die Veränderung der Konsumgesellschaft. Leben auf Kosten nachfolgender Generationen sei unverantwortlich, sagt sie. Ebenso wie das Schreddern von Tausenden Hähnchenküken pro Tag oder eine Massentierhaltung, die den Wert des Fleisches immer weiter zurückfahre. Sie zeigt auf die am Tisch liegende ein Werbung, auf den Kilopreis für hochwertiges Schweinefleisch für 4,44 Euro. Die Forderungen des Volksbegehrens seien nicht überzogen, sagt Ursula Groth.

Was muss ich tun?

  • Volksbegehren:

    Die Eintragungslisten für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ liegen vom 31. Januar bis 13. Februar in den Rathäusern bereit. Man braucht einen Ausweis und kann sich nur in der Kommune eintragen, wo man gemeldet ist. Das Volksbegehren hat bisher 170 Unterstützerorganisationen in Bayern.

  • Veränderungen:

    Mit dem Volksbegehren soll ein neues Naturschutzgesetz in Bayern auf den Weg gebracht werden. Damit es Erfolg hat, müssten sich eine Million Wahlberechtigte eintragen. Das wichtigste Ziel des Volksbegehrens ist, die Artenvielfalt zu retten und den ökologischen Landbau auszubauen. (ck)

„Es braucht ein Umdenken, um unseren Kindern noch etwas übrig zu lassen!“, das ist der Tenor im Quartett. „Das Tempo der Zerstörung ist beängstigend!“, sagt Herbert Bindl.

Für diese Ziele wollen sie mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten in Roding und den umliegenden Gemeinden ins Rathaus bringen. Die vier sind optimistisch, dass das klappt – und auch für Zukunft, trotz aller Schwarzmalerei: „Sonst würden wir uns nicht engagieren!“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht