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Erlebnis

Rodinger Weltenbummler sind zurück

Die Heimat hat sie wieder: Heike Hornig und Charlie Hollinger schwärmen von ihrer Reise und schmieden schon Zukunftspläne.
Von Bastian Schreiner

Willkommen in der Heimat: Charlie, Heike und Hündin Pepsi sind zurück von ihrer Weltreise. Foto: Schreiner
Willkommen in der Heimat: Charlie, Heike und Hündin Pepsi sind zurück von ihrer Weltreise. Foto: Schreiner

Roding.Das Fahrgestell des Klappwohnwagens ist gebrochen. Mitten in den Bergen von Kirgisistan. Für Heike Hornig und Charlie Hollinger ist eine Weiterreise ohne Schlafplatz unvorstellbar. „Jetzt haben wir es nicht mal bis in die Mongolei geschafft“, hat sich die Sozialpädagogin gedacht. Doch ein kleines Wunder rettet das Paar. Ein Freund, den sie auf ihrer Tour kennengelernt haben, transportiert den Wohnwagen auf einem Viehanhänger in eine Werkstatt. Dort repariert ihn ein Mechaniker – und die Rodinger können nach Kasachstan aufbrechen.

46 000 Kilometer liegen hinter den Weltenbummlern, die im September 2017 zur ihrer Weltreise „Einmal in die Mongolei und zurück“ aufgebrochen waren (wir berichteten). Am ersten März-Wochenende sind Heike Hornig und Charlie Hollinger wieder in der Heimat in Wiesing angekommen. „Am meisten haben wir uns auf Brezen und eine Leberkäs-Semmel gefreut“, sagt Charlie. Das Abenteuer durch Europa und Zentralasien sei für die beiden auch eine kulinarische Reise gewesen. Angetan sind sie vor allem von der persischen Küche mit der Vielfalt an Gewürzen sowie den hochwertigen Produkten auf einem türkischen Biohof. „Bis auf das fleischlastige und fette Essen in der Mongolei war es sehr abwechslungsreich“, betont Heike.

18 Monate ohne Druck

Heike und Charlie engagierte sich freiwillig auf einer ökologischen Farm in der Türkei. Das gemeinschaftliche Essen wird dort groß geschrieben. Foto: chn
Heike und Charlie engagierte sich freiwillig auf einer ökologischen Farm in der Türkei. Das gemeinschaftliche Essen wird dort groß geschrieben. Foto: chn

„Wir haben uns für den Ausstieg entschieden, weil wir Zeit noch einmal anderes erleben möchten“, hat Heike kurz vor dem Start gesagt. Und die Zeit hat das Paar in den 18 Monaten oft vergessen: „Wir wussten manchmal nicht welcher Tag ist, und haben das Leben einfach genossen.“ Ohne Druck und Anforderungen von außen. „Das ist großer Luxus“, sagt Heike, für die die Weltreise so verlaufen ist wie zuvor durchdacht. „Ich hätte aber noch mit viel mehr Überraschungen gerechnet.“

Nach dem Malheur in Kirgisistan hat das Paar in den Wäldern Sibiriens aber erneut eine große Panne ereilt. Es hat den Landrover erwischt. Das Problem: Die nächste Straße ist zehn Kilometer entfernt. Zum Glück kommt ein Fischer vorbei, der einen Abschleppdienst ruft. Statt in eine Werkstatt wird das Fahrzeug auf einen Schrottplatz transportiert. „Viktor, der Chef, baute uns eine neue Lenkung ein und der Landy war wieder verkehrstüchtig“, berichtet Charlie.

Besuch bei den Rentiernomaden

Die Rodinger haben den Landrover vor einer Schlucht in der Türkei geparkt. Fremde Länder und ihre Kultur kennenlernen waren Ziel ihrer Reise. Foto: chn
Die Rodinger haben den Landrover vor einer Schlucht in der Türkei geparkt. Fremde Länder und ihre Kultur kennenlernen waren Ziel ihrer Reise. Foto: chn

Über Österreich und Ungarn führte die Route der Rodinger nach Rumänien. Dort arbeiteten sie freiwillig in einer Tierschutz-Organisation mit. Ab diesem Zeitpunkt waren die beiden auch gedanklich angekommen auf ihrer Reise. „Am Anfang fühlte es sich noch an wie Urlaub“, so Heike. Als Höhepunkt nennt sie den Besuch bei den Rentiernomaden in der Mongolei. Enttäuscht waren Charlie und Heike vom Baikalsee – auch, weil es am 11. Juli 2018 kalt und windig gewesen ist.

Kultur

Eine Weltreise mit Hund und Kegel

Charlie Hollinger und Heike Hornig verwirklichen sich einen Traum: Mit Landrover und Wohnwagen in die Mongolei und zurück.

Wichtig sind den Weltenbummlern die Begegnungen mit den Menschen gewesen. In den allermeisten Ländern sei die Aufgeschlossenheit groß. „Die Einheimischen haben uns gleich umarmt, die Reisekarte am Fahrzeug angeschaut und Essen gebracht“, erzählt Heike. Während die Willkommenskultur im Iran sehr ausgeprägt sei, seien die Leute in Russland und Kasachstan viel reservierter und zurückhaltender, aber trotzdem nett und hilfsbereit. Eine Herausforderung war auch die Kommunikation, die oft über Pantomime lief.

Das Frauenbild, das in manchen Regionen herrscht, sei gewöhnungsbedürftig, sagt Heike. „Während des Aufenthalts dort habe ich viel über das Thema Freiheit nachgedacht – es ist ein hohes Gut.“ Die Allmacht der Religion, so Charlie, sei in ein paar Ländern spürbar. Die Rodinger hätten sich aber nie unwohl oder eingeschränkt gefühlt. Außer Heike im Kopftuch. „Das war etwas nervig“, gibt sie zu.

Lesen Sie hier: Weltenbummler sind zurück in Europa

Auf ihrer Reise hat das Paar viele Kontakte geknüpft. Ein Amerikaner will im April zu Besuch nach Roding kommen. In Verbindung stehen die beiden zudem mit zwei Freunden aus Bonn, mit denen sie durch die Wüste Gobi reisten, und einem iranischen Pärchen. Der Vater einer US-Familie hat am selben Datum Geburtstag wie Charlie – zum 55. im Jahr 2021 ist ein Treffen vereinbart. Bis dahin wartet der Alltag auf die beiden Freiberufler. Heike arbeitet wieder für „Jugend für Europa“, Charlie steigt als Architekt und Sachverständiger ein. Außerdem widmen sie sich dem Thema Permakultur. Ihre Ideen wollen sie auf dem eigenen Grundstück umsetzen – und einen Beitrag für eine bessere Umwelt leisten. Reiseträume haben die Rodinger immer im Kopf. „Es gibt noch viel Spannendes zu erleben. Ich könnte gleich wieder losfahren“, sagt Heike, grinst und schwelgt in Erinnerungen.

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