MyMz
Anzeige

Jubiläum

Rodings Musikverein wird 100 Jahre alt

Der Schuhmacher und Dirigent Rupert Maier gründete den Verein und führte ihn nach dem Zweiten Weltkrieg zu neuer Blüte.

Rupert Maier in jungen Jahren Foto: Stadtarchiv Roding
Rupert Maier in jungen Jahren Foto: Stadtarchiv Roding

Roding.Der Musikverein Roding feiert heuer sein 100-Jähriges. Derzeit bereitet die Vorstandschaft die Feierlichkeiten, das Heilbrünnl-Konzert und im Herbst den Festabend, vor. Dies nahm unser Berichterstatter zum Anlass, auf die Gründung des Vereins zurückzublicken. Ihm ist der Gründungsvater Rupert Maier bekannt, war er doch der Schwiegervater seines Chefs bei der Rodinger Sparkasse, Josef Dirnberger.

Maier hatte ein kleines Schuhgeschäft und wohnte in der Brauhausgasse. Im Umschlag eines dicken, vergilbten Schulhefts ist ein mit Tinte und Bleistift in deutschen Lettern geschriebener Zettel eingeklebt, der den Briefkopf „Rupert Maier, Schuhmacherei und Schuhwaren, Roding“ und den unterstrichenen Vermerk „Gründungsdokument des Musikvereins. Aufbewahren“ trägt“, schrieb die Mittelbayerische Zeitung damals am 28. Februar 1970. In seiner ganzen Art sei dieser Zettel mit dem Datum vom 27. November 1920 charakteristisch für einen Mann, der den rühmten Spruch von Hans Sachs abwandelnd, ein „Schuhmacher und Dirigent dazu“ oder besser „Jahrzehnte lang das Herz und die Seele“ des nun 50-jährigen Musikvereins war.

Einladung mit „Zirkular“

Das Dokument hat den mit „Wellenlinien unterstrichenen Titel „Zirkular“ und folgenden Text: „Zwecks Besprechung und Beratung über Gründung eines Musik-Vereins werden Sie hiermit frdl. eingeladen für morgen, Sonntag, 28. November 1920, nachmittags 3 Uhr, ins Gasthaus Blümelhuber. Gez. Meyer (Oberwachtmeister), M. Schwarzfischer (Schreinermeister), Stirner jun., Norbert Stuiber, Johann Kleas, Englbert Ippisch, R. Maier.

Die Gründung war am 3. Dezember 1920. Schon im Januar 1921 berichtete Chronist Maier vom ersten Auftreten des Vereins anlässlich einer „Gedächtnisfeier zur 50-jährigen deutschen Reichsgründung“ und klebte als Dokument folgenden, für das damalige Heimatblättchen wohl charakteristischen Zeitungsartikel in sein Heft:

„Roding. Ein gelungener Abend war es gestern, wie Roding noch wenige sah, veranstaltet durch den Bezirksleiter hiesiger Einwohnerwehr, Herrn Lehrer Wensauer, zur Reichsgründungsfeier, unter Mitwirkung des Musikvereins wie Liederkranzes und einiger anderer gesellschaftlicher Kräfte, gelungen nach jeder Richtung. Schon die Auswahl der Gäste, ohne jede Schlacke, die geradezu festliche Stimmung, machten schon gleich anfangs einen anheimelnden Eindruck, bot Gewähr eines würdigen schönen Verlaufes. Eingeleitet wurde die Feier von Herrn Lehrer Wensauer durch eine formvollendete Festrede über den Werdegang des Deutschen Reiches in chronologischer Folge von seinem Gründer, unserem großen Bismarck selbst unserem pflichttreuen Kaiser erschöpfend bis zu seinem Grabe den jetzigen Wirrwarr behandelnd. Allgemeiner Beifall wurde ihm gezollt. Nun schloss sich Genuss an Genuss musikalischer und deklamatorischer Art an den anderen. Herr Bez.-A.-Inzipient Preisser sprach einen diesbezüglichen Prolog mit großer theatralischer Begabung... Die beiden Vereine, unter ihnen gediegene Dirigenten, wetteiferten geradezu untereinander um die Siegespalme... Unser Lieblings-Sang, Frau Oberamtmann Neundeubel, bot uns einige köstlich vorgetragene Lieder mit ihrer einzig schönen, geschulten Stimme und erntete stets geradezu frenetischen Beifall. Herr Dirigent Maier beherrschte die Violine wirklich meisterhaft, staunenswert und es mussten diese Solo-Piecen auf allgemeinen Wunsch wiederholt werden. Da es in Deutschland mehrere Meier gibt, die etwas können, spielten zwei Meier miteinander Cello und Violine – ein Hochgenuss, Respekt vor dem Können beider. Und, um dem Ganzen die entsprechende würdige Weihe zu geben, wurde auf Vorschlag des Herrn Bez.-Leiters das Lied Deutschland, Deutschland über alles intoniert und von allen stehend begeistert mitgesungen – ein wirklich hehrer Moment! Ein durch und durch gelungenes Unternehmen. Dank und Anerkennung allen mitwirkenden Kräften. Alle und alle sprachen sich hoch begeistert aus. Herr Lobmeyer tat mit edlem Nass und langen Würstchen auch seine Schuldigkeit, wie seine bekannte flotte Bedienung. Den Bericht kann man nur mit den Worten vervollständigen, wer nicht da war, hat viel versäumt, ist um einen großen, erfreulichen Genuss gekommen, und von diesem Standpunkt aus müssen wir vor allem unseren allgemein so beliebten Herrn Oberamtmann Franz Ernst Neundeubel bedauern, der gestern leider dienstlich abwesend war...“

Aus der Chronik

  • Gründung:

    Am 3. Dezember 1920 wurde der Musikverein gegründet. Wenige Wochen später berichtete der Chronist Maier vom ersten Auftritt des Vereins bei einer Gedächtnisfeier zur 50-jährigen deutschen Reichsgründung. Weitere folgten.

  • Nachkriegszeit:

    Nach dem Krieg leitete Hans Polzer 1950 das erste Konzert. Vereinsgründer Rupert Maier übernahm von 1952 bis 54 erneut die Leitung. Später wirkte er noch als Bratschist im Orchester mit, solange es seine Gesundheit zuließ.

Wenige Wochen nach dem ersten Auftreten folgte ein Konzert, und zwar mit einem nach heutigem Geschmack seltsam anmutenden Potpourri aus Instrumentalstückchen und Liedern wie „Germania-Marsch“ von Keil, „Vergebliches Ständchen“ von Brahms, „Fantasie aus Troubadour“ von Verdi, „Die schöne Galathe“ von Suppé und „Marsch der Finnländischen Reiterei aus dem 30-jährigen Krieg.

In den Heimatblättchen heißt es dazu: „Das allseitige besprochene, längst erwartete und viel geübte Konzert des jungen Musikvereins fand nun gestern abendlich endlich statt. Die kühnsten Erwartungen wurden weit übertroffen. Schon gleich beim Einführungsmarsch glaubte man sich in den Kurgarten eines Weltbades versetzt! Diese Schar der Künstler, exakt und elegant von einem Violine-Virtuosen geleitet. Nummer für Nummer löste frenetischen Beifall aus…“ Nach weiteren Lobgesängen kann man aber auch lesen: „Der Künstler fühlt seinen Wert selbst, deshalb nennen wir keinen Namen, im Gegensatz von ländlichen Theatervorstellungen, wo jeder anderntags seinen Namen mit Lorbeer bestreut lesen will.“

Ähnlich lagen die Dinge beim zweiten Konzert des Musikvereins, das wieder unter der Leitung von Rupert Maier am 14. Dezember 1921 stattfand.

Der Musikverein hatte sich in dieser kurzen Zeit zu einem Allround-Kulturverein entwickelt, wie folgender Chronik-Eintrag zeigt: „Der Familienabend, oder richtiger, die bunte Bühne des Musikvereins vom 14. Februar 1922 bot den Zuhörern viel Genussreiches. Das Programm wechselte mit Musik, Duetten und Couplets sehr wohltuend ab.“

Für volkstümliche Operetten wie „Die Wirzerliesl“ von Mielke 1924 oder Theaterstücke wie „Hollunder-Fidel“ von Schwarz 1925 war ein halbes Dutzend Aufführungen erforderlich, um den Publikumsandrang zu bewältigen.

Viel bekannte Namen

Unter den Mitwirkenden findet man viele bekannte Namen. So bei der Operette Max und Marie Breitschaft, Albert Hermann Steger, Berta Wich, Karl Gschwendner, Marie Kagermeier, Hans Lichtenwald, Ida und Alfons Putz, Franz Hofinger, Anni Weitzer, Anni Kellner, Hedwig Schwarzfischer, Anni, Liesl und Marie Kleas, Anni und Johann Rothfischer, Marie Pongratz, Albert Schmidbauer; beim Theaterstück Hermann Seiler, Frl. Aumer, Marie und Anni Kleas, H. Schmidbauer, Alfons Putz, Hans Juglreiter, Frl. Kellermeier, Frl. Dieß und Herr Schrembs.

In den folgenden Jahren wechselten musikalisch umrahmte Bälle des Vereins („Anständige Masken sind gestattet. Schiebertänze sind verboten“), Abschiedsfeiern (z.B. Dr. Norbert Breu, ORR Eduard Bauch), Weihnachts- und Frühjahrskonzerte bis zum „Deutschen Liederabend“ 1934.

Nach dem Krieg leitete Hans Polzer 1950 das erste Konzert. Von 1952 bis 1954 übernahm Rupert Maier noch einmal die Leitung. Auch später wirkte Mayer, solange es seine Gesundheit erlaubte, als Bratschist im Orchester mit.

Rupert Maier, Schuhmachermeister und Musikermeister, starb 77-jährig als Ehrendirigent am 26. Februar 1968, nachdem er den Musikverein nach dem Zweiten Weltkrieg zu neuer Blüte geführt hatte. Dr. Ebert betonte am Grab seines Vorgängers, dass er es als seine Pflicht erachte, das Erbe des Musikvereins weiterzuführen. (rjm)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht