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Valentinstag

Rote Rosen aus Chammünster

Für Floristen und andere Chamer Geschäftsleute bedeutet der Valentinstag guten Umsatz. Doch nicht jeder ist begeistert.
Von Anna Jopp

Rote Rosen wie diese sind im Laden von Anja Schmelzing zum Valentinstag besonders gefragt. Foto: Jopp
Rote Rosen wie diese sind im Laden von Anja Schmelzing zum Valentinstag besonders gefragt. Foto: Jopp

Cham.Der Star des 14. Februar heißt Red Naomi. Die Sorte aus den Niederlanden sei die Königin unter den roten Rosen, sagt Anja Schmelzing, Inhaberin des Blumenladens Bucher in Chammünster. Wegen ihrer intensiven Farbe, der langen Haltbarkeit und des großen Blütenkopfes ist die Rose gerade zum Valentinstag auch hierzulande ein echter Verkaufsschlager.

In Schmelzings kleinem Laden stehen die Blüten dicht an dicht. Die Kunden haben die Wahl zwischen verschiedenen Größen, einzelnen Rosen oder großen Töpfen und Gebinden, in denen die Pflanzen etwa in Herzform angeordnet sind. Die Rosen und auch sonst alle roten Blumen seien als Geschenk für den 14. Februar definitiv der Klassiker, sagt Schmelzing.

Die meisten Kunden – im Normalfall sind es Männer – kommen am 13. Februar oder sogar erst abends am 14. in den Laden, sehen sich kurz um und greifen dann spontan zu, erzählt die Floristin. Vereinzelt hätten aber auch in diesem Jahr bereits Tage vorher Kunden angerufen, die etwa die Lieblingsblume ihrer Frau oder Freundin vorbestellen wollten, sagt sie und zeigt auf eine lilafarbene Calla, die im Laden bereitsteht. Gerade ältere Kunden setzten statt auf einzelne Rosen außerdem oft eher auf einen gemischten Blumenstrauß.

So bleiben Schnittblumen frisch

  • Wasser:

    Anja Schmelzing empfiehlt, Rosen und andere Schnittblumen möglichst tief ins Wasser zu stellen. „Mindestens bis zu der Stelle, an der die Stängel zusammengebunden sind“, sagt sie.

  • Anschneiden:

    Damit die Pflanzen viel Wasser aufnehmen können, sollte man sie außerdem unten am Stiel mit einem Messer, nicht aber mit einer Zange, schräg anschneiden.

Kein Strauß ist wie der andere

Das Team bindet die Sträuße jeden Tag frisch, muss wegen der hohen Nachfrage aber dennoch vorarbeiten. Bis zum Freitagnachmittag kommen neue Lieferungen und Schmelzing und ihre Mitarbeiterinnen sind im Hinterzimmer damit beschäftigt, Naomi und deren Schwestern möglichst kunstvoll zu drapieren. An der Wand hängen dort als Gedächtnisstütze Plakate mit Fotos verschiedener Sträuße, die die Kunden im Internet samt Lieferung zur Haustür bestellen können. Etwa fünf Sträuße pro Stunde schaffe sie, sagt eine Mitarbeiterin von Schmelzing, während sie einige Blumen mit Deko-Draht umwickelt. Bei aufwendigen Bestellungen könne es aber durchaus auch länger dauern.

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Blumen sind nicht gleich Blumen: Grundsätzlich entwickle jeder Florist einen eigenen Stil, sagt Anja Schmelzing. Am Strauß kann sie erkennen, welche Kollegin ihn gebunden hat. Drei Jahre dauert die Ausbildung, in der man beispielsweise lernt, Blumen so zusammenzufassen, dass die Stängel am Ende eine Spirale bilden. Auch Sekt, Pralinen oder Teddybären können die Kunden am Valentinstag hinzuordern.

"Red Naomi" – hier in Herzform drapiert – ist der Star unter den Valentinsgeschenken. Foto: Jopp
"Red Naomi" – hier in Herzform drapiert – ist der Star unter den Valentinsgeschenken. Foto: Jopp

Am 14. selbst legen Anja Schmelzing und ihr Vater dann einen Routenplan fest, um möglichst alle Bestellungen zur gewünschten Uhrzeit zu überreichen. Bis nach Furth, Bad Kötzting oder Schorndorf fahren sie dafür. „Mehr los als am Valentinstag ist bei uns eigentlich nur am Muttertag“, sagt Schmelzing. Auf den Moment, in dem jemand nichtsahnend die Haustür öffnet, freut sie sich dennoch besonders. „Diese Überraschung und das Leuchten in den Augen sind wirklich das Schönste“, sagt sie.

Trotz der vielen Arbeit hat sie den Valentinstag auch privat noch immer nicht satt: „Man freut sich auch als Floristin, wenn man Blumen bekommt“, versichert Schmelzing lachend.

Dennoch haben auch andere Branchen den „Tag der Liebe“ längst für sich entdeckt. Die Dessous-Expertin Yurdanur Steck etwa, die die Chamer im November im Modehaus Frey in die Welt der Unterwäsche einführte, betont, dass rot am Valentinstag nicht nur bei Rosen die Farbe der Wahl sei: „An diesem Tag sollte rote Wäsche getragen werden, da es die Farbe der Energie und Liebe ist.“ Als Präsent für die Partnerin sei besondere Unterwäsche ihrer Meinung nach aber weniger geeignet. „Dieses Geschenk sollte jede Frau sich selbst machen“, findet Steck.

Leckereien für Verliebte

Es müssen nicht immer Blumen sein: Viele Cafés und Bäckereien - wie hier das Kulturcafé Ludwig - haben sich thematisch angepasst. Foto: Meissner
Es müssen nicht immer Blumen sein: Viele Cafés und Bäckereien - wie hier das Kulturcafé Ludwig - haben sich thematisch angepasst. Foto: Meissner

Auch kulinarisch können die Chamer den Valentinstag vielerorts begehen. Im Kulturcafé Ludwig hat das Team von Ruth Meissner beispielsweise Torten mit Katzen, Herzchen und rosa Zuckerguss gebacken. „Die Kleinen zum Verschenken, die Großen zum Teilen“, erklärt Meissner. Sie erinnert sich noch daran, als sie als Kind in einer amerikanischen Garnisonsstadt zum ersten Mal mit dem Valentinstag in Berührung kam und verwirrt war, weil sie noch nie davon gehört hatte. Mittlerweile aber sei die Nachfrage nach den rosa Küchlein groß.

Dennoch scheiden sich am 14. Februar trotz der Euphorie vieler Geschäftsleute bis heute die Geister: Für manche ein Anlass für romantische Abendessen, ist der Tag für andere ein lästiges Kommerz-Fest, übertroffen höchstens von Halloween und dem amerikanischen Schnäppchentag Black Friday.

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Renate Schreiner vom Gartenmarkt Iglhaut etwa hält wenig vom Valentinstag und will diesen weder begehen noch bewerben. Schnittblumen zu kaufen hält sie für wenig nachhaltig. Sie empfiehlt stattdessen „bleibende Werte“, etwa eine schöne Topfpflanze oder sogenannte Frühjahrskörbchen voller Frühlingsblumen. Davon habe der Käufer oder Beschenkte deutlich länger etwas, sagt Schreiner. „Das ist gut für die Umwelt und gut für die Menschen.“ Auf die hübsche Freilandrose Red Naomi müssen Blütenfreunde dann aber verzichten: Im Topf gedeiht sie nicht.

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