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Forstwirtschaft

Roter Alarm für Fichten am Hohenbogen

Ein Krisengipfel zeigt die Gefahr durch den Borkenkäfer. Waldbesitzern droht nicht weniger als der Verlust ihres Waldes.
Von Petra Schoplocher

Ein Bild aus Tschechien, aufgenommen Ende Juni. Mit Aufnahmen wie dieser versuchte Dr. Arthur Bauer die Waldbesitzer aufzurütteln. Auch am Hohenbogen „brennt es gewaltig“, in einer Gemeinschaftsaktion soll versucht werden, solche Szenarien abzuwenden.  Fotos: Schoplocher
Ein Bild aus Tschechien, aufgenommen Ende Juni. Mit Aufnahmen wie dieser versuchte Dr. Arthur Bauer die Waldbesitzer aufzurütteln. Auch am Hohenbogen „brennt es gewaltig“, in einer Gemeinschaftsaktion soll versucht werden, solche Szenarien abzuwenden. Fotos: Schoplocher

Eschlkam.Von Entsetzen bis Bestürzung, von sich anbahnender Verzweiflung bis Wut und so ziemlich alle Gefühlslagen dazwischen: Es ist ein emotionaler und ein ernüchternder Abend gewesen, dieser als Informationsveranstaltung titulierter Krisengipfel in Stachesried.

Denn: Um den Hohenbogen steht es gar nicht gut, genauer gesagt um seine Fichtenbestände. Die gesamte Nordseite ist massiv vom Borkenkäfer befallen, einzelne Befallsherde sind über 200 Festmeter groß, erläuterte Forstrat Luitpold Titzler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Cham. „Jetzt geht es darum, zu retten, was zu retten ist“. Deswegen haben die Fachleute ein 1400 Hektar großes Projektgebiet (umfasst die Gemeindegebiete Neukirchen beim Heiligen Blut und Eschlkam) auserkoren. Ziel: Befallene Bäume so schnell wie möglich fortzuschaffen.

Extrem schwieriges Gelände

Im Vorjahr war ein Seilkraneinsatz am Hohenbogen erfolgreich. Auch jetzt hilft an manchen Stellen nur schweres Gerät. Foto: AELF/Titzler
Im Vorjahr war ein Seilkraneinsatz am Hohenbogen erfolgreich. Auch jetzt hilft an manchen Stellen nur schweres Gerät. Foto: AELF/Titzler

Dies ist aufgrund der Steile, extremer Blocküberlagerung, Nassstellen, Wasserschutzgebieten und mangelnder Erschließung eine komplizierte Sache. So kompliziert, dass „das herkömmlich nicht in den Griff zu bekommen ist“, wie Siegried Waas von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft erläuterte. Der Spezialist stellte technische Möglichkeiten von ferngesteuerten Rückeraupen über Seilkraneinsätzen vor. Er kam zum Urteil, dass es „bei Ihnen um puren Walderhalt geht“.

Forstdirektor Dr. Arthur Bauer wollte den Waldbesitzern in doppelter Hinsicht nichts vormachen. „Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir den überwiegenden Teil der Fichte wohl verlieren.“ Und: „Dass Sie draufzahlen werden, ist wahrscheinlich“.

Denn trotz Förderung (15 Euro pro Festmeter im Schutzwald, zehn im anderen plus Seilbahnbringung) wäre der Aufwand derzeit mehr als der Ertrag, rechnete Förster Markus Reger anhand verschiedener Beispiel und einem „vorsichtigerweise sehr niedrigen“ Holzpreis vor. Reger kam auf fünf bis sieben Euro, die draufzuzahlen sind. Noch heftiger würde es, wenn es in Richtung Ersatzvornahme geht. Da könnte es sein, dass ein Waldbesitzer mit 80 Euro pro Festmeter zur Kasse gebeten wäre.

Natur

Borkenkäfer fressen den Hohenbogen kahl

In Tschechien hat der Borkenkäfer bereits massive Schäden angerichtet. Auch große Waldflächen am Hohenbogen sind befallen.

Ersatzvornahmen, die bisher im Landkreis noch nicht vorgenommen waren, sind sehr wohl denk- und durchsetzbar, ergänzte Arthur Bauer. Etwa dann, wenn im (befallenen) Bereich eines Seilbahneinsatzes (derzeit sind drei geplant) ein geringer Anteil Waldbesitzer ausschert.

Der Forstdirektor hofft, dass es soweit nicht kommt und appellierte – wie später auch die Bürgermeister Markus Müller und Josef Kammermeier – an die Solidargemeinschaft. Bauer führte noch ein Argument an: „Es geht darum, dass Sie Ihren Waldbesitz nicht verlieren.“

Einige Waldbesitzer nahmen das Anschreiben, das Luitpold Titzler (r.) dabei hatte, gleich mit. Es enthält Informationen und einen Appell. Fotos: Schoplocher
Einige Waldbesitzer nahmen das Anschreiben, das Luitpold Titzler (r.) dabei hatte, gleich mit. Es enthält Informationen und einen Appell. Fotos: Schoplocher

Luitpold Titzler rüttelte auf: „Alle sitzen im gleichen Boot, es kann jeden treffen.“ Besonders bedenklich: „Die fliegen wesentlich mehr als im Vorjahr“. Bereits mehrere Male wurde im Landkreis (in Lam, Schönthal und Falkenstein) die „rote Linie“ von 3000 Buchdruckern im entsprechenden Referenzzeitraum in Fallen überschritten – das gab es im gesamten Vorjahr nicht.

„Und die werden immer mehr“, schärfte er den Waldbesitzern ein. Aus einer befallenen Fichte könnten 20 000 Jungkäfer ausfliegen. Umso entscheidender sei, die „richtigen Bäume“ (Stichwort beginnende Rotfärbung) rechtzeitig herauszuschneiden.

Förster Florian Fischer, örtlich zuständig und maßgeblich an der Überplanung des Projektgebiets beteiligt (Kernfrage: welcher Maschineneinsatz ist wo nötig?), strich heraus, dass die vom Amt – in Absprache mit den Bayerischen Staatsforsten, die etwa ein Drittel der Fläche verantworten – erarbeitenden Maßnahmen „die einzig effektiven sind, um den Befall einzudämmen.“

Bürgermeister setzen Signale

So schlimm sieht es in Sachen Borkenkäferplage in Tschechien aus. Foto  Fotos: Schoplocher
So schlimm sieht es in Sachen Borkenkäferplage in Tschechien aus. Foto Fotos: Schoplocher

Bürgermeister Markus Müller kam sich ein wenig vor wie in der Kirche. „Hier wird vor denen gepredigt, die es nicht betrifft, weil sie sich ohnehin kümmern“, es gelte, die hunderten anderen wachzurufen.. Dass von 325 Waldbesitzern höchstens 30 gekommen waren, sei enttäuschend. Der Neukirchener setzte sogleich ein Signal: „Für die Flächen, für sie ich unterschreiben kann, werde ich unterschreiben“, ließ er wissen.

Die nächsten Schritte

  • Anschreiben

    Eine Zusammenfassung des Abends und der Informationen geht allen Grundstücksbesitzern in den kommenden Tagen schriftlich zu. Darin enthalten ist die Erklärung, sich an Maßnahmen zu beteiligen.

  • Außentermin

    Diesen Freitag um 14 Uhr lädt das Amt zu einer Exkursion ein, bei der den Teilnehmern gezeigt wird, wie ein Befall erkannt werden kann und welche Bäume „raus“ müssen. Treffpunkt ist der Parkplatz an der Hohenbogenbahn.

  • Planungen

    Ergeben die Rückmeldungen – Frist ist der 12. August – entsprechende Zustimmung, soll es eine zweite Info-Veranstaltung geben.

  • Appell

    Bereiche, die konventionell oder mit Harvester bearbeitet werden können, sollten „am besten gestern“ in Angriff genommen werden.

  • Förderung

    Ein Antrag auf Förderung ist vor Maßnahmenbeginn zu stellen. Ansprechpartner ist der jeweilige Revierleiter.

Josef Kammermeier bestätigte, dass die Dramatik angekommen sei., es gelte, „das Schlimmste zu verhindern“. Persönlich werde er mitmachen, sagte er zu und appellierte: „Pack mer’s miteinander an!“ Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier berichtete, dass die Regierung plane, die Fördermittel für den Wald zu erhöhen. Auch er sprach den Gemeinsinn an: „Wenn wir wollen, dass unser Hohenbogen unser Hohenbogen bleibt, müss’ mer zamhelfen“. Sich selbst nahm er nicht aus: Er werde sich starkmachen, dass die Maßnahme in mögliche neue Fördertöpfe falle.

Und am Ende? Die Lage ist ernst, keine Frage, sagt Markus Müller. Er hofft, dass die Gefahr erkannt wird und sich jeder Einzelne seiner Verantwortung bewusst ist. „Wir sind wie immer Optimisten.“

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