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Vortrag

Roter Drache kaut am Schwarzen Kontinent

Oberst Theisen erklärt den Rotariern bei den Klostergesprächen in Cham, warum China Afrika nicht verschlingt.
Von Günther Lommer

Oberst Theisen (links) und Pater Peter Renju Foto: Günther Lommer
Oberst Theisen (links) und Pater Peter Renju Foto: Günther Lommer

Cham.Da hatten der Rotary Club Cham und die Katholische Erwachsenenbildung im Rahmen der „Klostergespräche“ sowohl mit dem Referenten als auch mit dem Thema die richtige Wahl getroffen. Gut 100 Zuhörer wollten nämlich wissen, ob der „Rote Drache“ (China) den schwarzen Kontinent Afrika verschlingt. Wer könnte das besser beurteilen als einer, der schon ein gutes Jahrzehnt im Rahmen seiner internationalen Verwendungen im diplomatischen Dienst die Entwicklung in Ägypten, Somalia, im Sudan und zuletzt in Äthiopien hautnah miterleben durfte. Und Oberst Engelbert Theisen, der frühere Kommandeur des Logistikbataillons in Roding, wusste die interessierten Gäste über eine Stunde ausführlich über die Aktivitäten der Chinesen in den afrikanischen Staaten zu informieren.

Schon zu Beginn seines Vortrags machte er deutlich, dass Afrika zwar nicht „der Kontinent der Zukunft“, wohl aber ein Kontinent mit Zukunft sein werde. Und eben deswegen ist China mehr präsent in Afrika als alle anderen Länder. 1,3 Millionen Chinesen arbeiten mittlerweile auf dem afrikanischen Kontinent und über 11 000 chinesische Firmen sind dort tätig. Zum Vergleich: Deutschland, obwohl von den Afrikanern hoch geschätzt, ist nur mit 400 Firmen vertreten.

Afrika – ein riesiger Markt

Der afrikanische Kontinent, auf dem derzeit 1,3 Milliarden Menschen leben, wird bis 2050 auf 2,5 Milliarden Bewohner anwachsen und ist allein deshalb schon ein riesiger Markt. Interessant ist dabei, dass etwa 80 Prozent davon unter 28 Jahre alt sind. Nachdem die meisten dieser jungen Menschen in Afrika keine Perspektive sehen und in teilweise unvorstellbaren Verhältnissen leben, wollen sie etwas Besseres finden. Keiner will zwar wirklich weg, da sie in ihren Ländern, häufig auch in ihren Stämmen verankert und verwurzelt seien, doch die Bedingungen dort zwingen sie wegzugehen. Weltweit sind derzeit 70 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, vor klimatischen Bedingungen und vor der Armut. Dabei ist das Ziel nicht Amerika oder Asien, sondern das näher gelegene und leichter erreichbare Europa.

„Wir werden gefordert werden.“

Oberst Theisen

„Wir werden also gefordert werden“, war das Fazit von Oberst Theisen. Längst sei der Versuch, die Fluchtursachen direkt vor Ort zu beseitigen, nicht mehr realistisch und man spricht mittlerweile nur noch davon, die Fluchtursachen abzumildern. Dem stehen die Klimasituation entgegen, die vielen Menschen die Lebensgrundlage raubt, und korrupte Regierungen, die das Land ausbeuten. Allein 2018 kamen 60 Milliarden US-Dollar, die als Wirtschaftshilfe gedacht waren, nicht im Land an, sondern verschwanden über „Geldwäsche“ in privaten Taschen.

Und eben das konterkariert die Versuche in Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft zu investieren, was bitter notwendig wäre. Doch Afrika alleine schafft es nicht und ist auf die Hilfe von außen angewiesen. Auch deswegen ist der Referent der Meinung, Deutschland müsse sich in Zukunft vor allem auch mit der Präsenz der Streitkräfte noch mehr engagieren, allein schon um die Handelswege vom Suez-Kanal über das Rote Meer bis zum „Horn von Afrika“ zu sichern.

Ein großes Problem stellt die Urbanisierung in ganz Afrika dar. Alle jungen Menschen träumen von einem Leben in der Stadt, nicht wissend, dass dies ihre Situation nur noch verschlimmert, weil die Städte zusätzliche Menschen gar nicht mehr aufnehmen und ihnen auch keine Wohn- und Arbeitsplätze bieten kann. Man geht davon aus, dass bis zum Jahr 2100 „Megacities“ mit 70 Millionen Einwohnern entstehen werden.

Deutlich aufgezeigt hat dies Oberst Theisen mit dem Projekt „Grand Ethiopian Renaissance Dam“, einem Staudammbau mit ungeheuerlichen Ausmaßen, der aus dem Nil gespeist werden soll. Die Befüllung sollte heuer beginnen und würde sieben Jahre dauern. Nun speist aber Ägypten seinen gesamten Wasserhaushalt aus dem Nil, was also automatisch zu Konflikten führen dürfte, weswegen man die Aufrüstung des ägyptischen Militärs schon mit Sorge beobachtet.

Chinesische Milliarden

Hauptunterschied zwischen China und anderen Staaten ist die Tatsache, dass sie die nationale Souveränität der Staaten achten und sich nicht einmischen. Dabei hat es die Weltmacht China leichter als alle Konkurrenten, weil ein auf Lebensdauer gewählter Staatspräsident Xii Jinping und ein totalitäres System viel leichter finanzielle Unterstützung gewähren können. So flossen innerhalb von drei Jahren 60 Milliarden Euro in den Kontinent. In Äthiopien wurde beispielsweise die Bahnverbindung von Djibouti bis Addis Abeba modern neu gebaut, eine stillgelegte Pipeline mit Hilfe von 12 000 chinesischen Strafgefangenen aktiviert, fünf neue Industrieparks mit bis zu 10 000 Beschäftigten erstellt.

Alternative zum Westen

Djibouti erhielt von den Chinesen einen neuen Hafen, der als Einfuhrhafen für chinesische Produkte äußerst wichtig ist. Zugleich sichern die Chinesen diese Investitionen durch militärische Präsenz auf dem Kontinent ab. Die Alternative zum Westen ist dabei, dass sie kein „Gefasel von Menschenrechten“ betreiben und mit gezieltem Eintröpfeln der chinesischen Kultur die Einheimischen für ihre Ziele gewinnen. Und das gelingt auch über die 80 000 afrikanischen Studenten, die mittlerweile in China ausgebildet werden.

Dennoch, der rote Drache wird den schwarzen Kontinent nicht verschlingen, denn dazu ist er zu groß, konstatierte Oberst Theisen. Aber China wird bei der zukünftigen Entwicklung des Kontinents eine große Rolle spielen. Und allein daher sei es wichtig, Kooperationen mit den Chinesen einzugehen. Eine lebhafte Diskussion schloss sich an, ehe der amtierende Präsident des Rotary-Clubs, Pater Peter Renju, dem Referenten für den interessanten Vortrag dankte.

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