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Lesung

Russische Lügenmärchen aus Putins Feder

Der ehemalige Russland-Korrespondent der ARD, Udo Lielischkies, war zu Gast in der Buchhandlung Rupprecht in Cham.
Von Christoph Klöckner

Udo Lielischkies beim Signieren seines Russland-Buchs Foto: C. Klöckner
Udo Lielischkies beim Signieren seines Russland-Buchs Foto: C. Klöckner

Cham. Wir kennen Trump und seine alternativen Wahrheiten und schütteln den Kopf über die Lügenmärchen. Glaubt man Udo Lielischkies, dem ehemaligen ARD-Korrespondenten unter anderem in Russland, so ist das alles nichts gegen das, was Putin und die Seinen hier zu bieten haben.

Lielischkies las am Mittwochabend in der Buchhandlung Rupprecht in Cham vor gut 100 Zuhörern aus seinem Werk über Russland („Im Schatten des Kreml“, ISBN 978-3-426-27774-4, 25,70 Euro). Russische Medien wie die Politik seien praktisch heute alle systemtreu, so der Journalist, der mit einer Russin verheiratet ist, die er gleich zum Start seiner Korrespondentenzeit in dem Land 1999 kennenlernte.

Einfach Geschichten erfunden

So würden von der Propaganda und dem Staatsfernsehen Geschichten einfach erfunden. Zum Abschuss des Flugzeug über der Ukraine etwa sei behauptet worden, der Westen haben hier ein Flugzeug voll mit Leichen in der Luft gesprengt, um Russland und die Separatisten in ein schlechtes Licht zu rücken.

Dabei sei gleich klar gewesen, wer die Maschine abgeschossen habe. Beim initiierten „Referendum“ auf der Krim habe die OSZE keine Wahlbeobachter geschickt, doch das russische Fernsehen habe kurzerhand einen Film mit erfundenen OSZE-Beobachter, die auch noch Interview gaben, gedreht. Wenn das den ganzen Tag über den Bildschirm laufe und es keine Alternativen gebe, werde das geglaubt, so Lielischkies. Er ließ kein gutes Haar am Regierungssystem Putins, der das Land mit seinen Getreuen ausnehme, wo es möglich sei. Das habe eine kleine Clique extrem reich gemacht, während die Lage für die Masse des russischen Volkes immer schwieriger werde, erklärte er.

Keinerlei Opposition

Er sprach das angespannte Verhältnis zwischen Russland und dem Westen und führte es zurück auf innenpolitische Probleme, die Putin habe. Mit dem Feind im Westen habe er immer einen Schuldigen bei der Hand, wenn etwas nicht funktioniere. Trotz mehrfacher Nachfragen nach Opposition in der Duma oder auf der Straße, nach kritischen Medien oder Jugendengagement gegen die Obrigkeiten machte Udo Lielischkies wenig Hoffnung auf Änderung. Die Jugend sei oppositionell, doch wer könne, gehe aus dem Land. So etwas, wie die orangene Revolution in der Ukraine sei in Russland für ihn nicht denkbar, die Russen seien zu apathisch. Auch Investoren von außen gebe es kaum, denn Russland biete keine Rechtssicherheit.

Über kurz oder lang würden erfolgreiche ausländische Unternehmer enteignet und beklaut von der Gruppe um Putin. Selbst die russischen Reichen würden alles tun, um ihre Millionen im Ausland in Sicherheit zu bringen. Hier müsse der Westen endlich aktiv werden, Konten einfrieren, um Geldwäsche abzustellen. Das sei ein Weg, um die Machtelite, die Russland als Selbstbedienungsladen sehen, zu treffen.

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