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Kultur

„Sangesbruder“ ist nicht nur ein Wort

Zusammenhalt wird beim Männerchor Waldmünchen großgeschrieben. In der Handschrift von Josef Schuh, seit 31 Jahren Dirigent.
Von Petra Schoplocher

Spontanes Ständchen im Garten des Mehrgenerationenhauses, dem „Probenlokal“ des Männerchors. Das Repertoire ist groß, etwa 30 Stücke können die Sänger spontan anstimmen. Foto: Schoplocher
Spontanes Ständchen im Garten des Mehrgenerationenhauses, dem „Probenlokal“ des Männerchors. Das Repertoire ist groß, etwa 30 Stücke können die Sänger spontan anstimmen. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Ein paar Takte – Schon ist klar, was Manfred Groß und Josef Schuh meinen, wenn sie von Vollklang, der Dichte der Stimmen und einem homogenen Chorsatz sprechen. Das nämlich macht das klanglich Besondere eines Männerchores aus, wie sie erklären.

Doch da ist noch mehr – und das mag mindestens genauso wertvoll sein wie die musikalische Dimension. „Wir haben untereinander ein anderes Verständnis“, spannt Manfred Groß den Bogen zum Ausdruck „Sangesbruder“ und betont: „Das ist wirklich so.“ Das spiegelt sich im Probenbesuch wieder, ausfallen (lassen) gilt ohnehin nicht. Einmal, bei Eisregen, sei er nicht gefahren, erinnert sich der Dirigent. Aber sonst... Meist, erzählt Josef Schuh augenzwinkernd, lohnen es ihm „seine“ Männer mit Fleiß.

Bei Opern mitgewirkt

Damit einhergeht ein gewisser Anspruch, vor allem beim Schlosshofsingen will man „als Gastgeber ja tunlichst gut klingen“ oder auch den Opern auf der Trenckbühne, an denen die Waldmünchener bereits vier Mal mitwirken durften. Dass der Termin für dieses Jahr abgesagt werden musste, „schmerzt“. Konnte sich der Chor doch da immer einem breiten Publikum zeigen.

Ein bisschen Spaß darf sein: Josef Schuh und Walter Ruhland mit Zylindern, die beim Heimatfestumzug zum Einsatz kamen. Foto: Schoplocher
Ein bisschen Spaß darf sein: Josef Schuh und Walter Ruhland mit Zylindern, die beim Heimatfestumzug zum Einsatz kamen. Foto: Schoplocher

Josef Schuh und der Chor, das sind zwei, die sich gefunden haben – vor 31 Jahren! „Wenn mir das jemand gesagt hätte, dass ich das so lange machen würde ...“, schmunzelt der Further, der zuvor und dann eine Zeit lang parallel in seiner Heimatstadt den Männerchor geleitet hat. Manfred Groß bescheinigt dem Dirigenten großes Gespür für die Gruppe und die Liedauswahl. „Er trifft immer den Geschmack“. Wenn es sein muss, schreibt der frühere Schulrektor ein Lied auch um.

Die Männer singen vorwiegend auf Deutsch und Latein, im übrigen lassen sie lieber die Finger von Fremdsprachen. Mit Ausnahmen, wie das dalmatinische Liebeslied „Plovi“ später belegt.

Vor Kurzem hat der Chor in anderer Hinsicht einen Quantensprung in die Moderne getan und ein E-Piano angeschafft, erzählt Josef Schuh begeistert. Wie aber ist es um die Zukunft bestellt, schließlich machen Schlagzeilen über das Sterben der Männerchöre (Der Verband in Nordrhein-Westfalen hat in zehn Jahren 500 Gruppen verloren) die Runde.

Schwungvoll, und das seit 31 Jahren: Dirigent Josef Schuh fordert und fördert seine Sänger, links Manfred Groß. Er selbst ist mit viel Herzblut dabei. Foto: Schoplocher
Schwungvoll, und das seit 31 Jahren: Dirigent Josef Schuh fordert und fördert seine Sänger, links Manfred Groß. Er selbst ist mit viel Herzblut dabei. Foto: Schoplocher

Natürlich ist Alter – viele sind schon über 80 Jahre, die Aktiven zwischen 14 und 17 an der Zahl– ein Thema, geben Groß und Schuh zu. Aber: Erst jüngst hat der Chor Zulauf von zwei neuen Sängern bekommen, so dass die beiden „im Grunde optimistisch“ sind. Die Gemeinschaft würde auch einem 25-Jährigen gefallen, sind sich beide sicher. Da Singen ein Trend ist und es laut Schuh nur zwei Prozent aller Menschen nicht lernen könnten, gibt es also keinen Grund, sich nicht einmal auf einen Probenabend einzulassen. „Es lohnt sich immer“, betonen beide. „Und schön ist es auch immer.“

Männerchor Waldmünchen

  • Tradition:

    Der Männerchor Waldmünchen wird heuer 65 Jahre alt. Die Tradition ist aber schon älter, als Vorläufer gelten die Liedertafel und der Liederkranz.

  • Schwerpunkte:

    An die 30 Auftritte kommen in einem Jahr schon zusammen, schließlich gestaltet der Chor auch Gottesdienste und Andachten und tritt bei Konzerten anderer Gruppierungen auf.

  • Höhepunkt:

    Das Schlosshofsingen Ende Juni als eigene Veranstaltung ist nicht nur wegen des einmaligen Flairs und Kulturgenusses etwas Besonderes. Dieses Fest zu stemmen , fördert auch den Zusammenhalt, betont Vorsitzender Manfred Groß.

  • Probe:

    Geprobt wird jeden Donnerstag um 20 Uhr im Mehrgenerationenhaus, Absagen gibt es höchstens einmal wegen einer Trenck-Aufführung.

Den Weg, den andere, existenzbedrohte Männerchöre – Beispiele in der Nähe sind Neunburg und Rötz – gegangen sind, schließen die Waldmünchner aus: Nein, ein Zusammenschluss mit einem Frauen- oder gemischten Chor können sie sich nicht vorstellen. Dann ginge gesanglich genau das verloren, was MGVs auszeichnet: Vier Stimmen, jeweils erster und zweiter Tenor und Bass, machen den Charakter aus – und einen größeren Stimmumfang, was wiederum für ein volleres Klangerlebnis sorgt.

„Es geht leger zu“

Josef Schuh sieht zu, dass er keinen seiner Schützlinge über- oder unterfordert, wichtig ist ihm auch, die Lieder mit Erklärungen zu versehen. „Nur, wer versteht, kann es richtig singen“. Das klingt jetzt alles nach strengen Chorproben, ist aber nicht so. „Es geht leger zu“, unterstreicht Manfred Groß, der seit 1983 beim Chor ist und 2000 den Vorsitz übernahm.

Er ist froh, dass alle an einem Strang ziehen, das „ist unsere große Stärke“. Gezeigt hat sich das erst wieder beim Heimatfest-Umzug. Die Männer wollten stilecht sich mit Zylinder präsentieren, dass diese eigens angeschafft werden mussten, hat keinen gestört. Und folglich auch nicht, dass sie prompt von einer älteren Dame am Straßenrand als „die schönsten Manna weit und breit“ tituliert wurden.

Weil dieser Höhepunkt vorbei ist und der „Freischütz“ entfällt, geht es in den kommenden Wochen ein wenig ruhiger zu, erklären die Verantwortlichen. Gesungen wird trotzdem, voller Freude, mit „Grüß’ dich Gott, du schöner Böhmerwald“ eröffnet Schuh das „Aufwärmen“, später korrigiert er mit sanfter Hand und bemerkt schon mal augenzwinkernd, dass es „eine Freude ist, wenn der Chorsatz in der gleichen Tonart abschließt, wie er begonnen hat.“ Keine Frage, bei diesem Chor stimmen nicht nur die Töne.

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