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Donnerstag, 19. Juli 2018 27° 1

Verkehr

Schulweg-Helfer klagt über Rambo-Fahrer

In Bad Kötzting wären ein Schulweg-Helfer und zwei Kinder auf dem Zebrastreifen beinahe überfahren worden. Er berichtet.
Von Martin Schönhuber

Seit fünf Jahren ist Martin Schönhuber Schulweg-Helfer in Bad Kötzting. Foto: Archiv kmi
Seit fünf Jahren ist Martin Schönhuber Schulweg-Helfer in Bad Kötzting. Foto: Archiv kmi

Bad Kötzting.Am vergangenen Dienstag um 7.35 Uhr hätte sich am Zebrastreifen am Dampfbachweiher beinahe ein schrecklicher Unfall ereignet. Als die Lichter eines Fahrzeuges um die leichte Kurve vom Jahnplatz kommend sichtbar wurden, hob ich die Kelle über meinen Kopf und betrat die Fahrbahn bis zur Mitte, Blickrichtung Feuerwehrhaus. Wie um diese Jahreszeit normal, war es dunkel und ein bisschen nebelig. Der Übergang aber ist von einer sehr hellen Straßenlaterne ausgeleuchtet, die gelben Blinklichter warnen, und das blaue Schild mit den weißen angedeuteten Zebrasteifen leuchtet weit in die Dunkelheit hinaus. Gleichzeitig mit mir betreten zwei kleine Kinder die Fahrbahn, um sie zu überqueren. Hinter mir höre ich auf der nassen Fahrbahn Reifengeräusche näher kommen – viel zu schnell! Die Kleinen sind wie ich in der Fahrbahnmitte angekommen und schicken sich an, die restliche Fahrbahn auf ihrem Weg zur Schule zu überqueren, fröhlich miteinander plaudernd.

War es ein VW Polo?

Da, wie aus dem nichts, rast ein blaues Auto – ein VW Polo? – an mir vorbei, reißt mir fast die Kelle aus der Hand und verfehlt die beiden kleinen Schulkinder nur um wenige Zentimeter. Mein erster Blick gilt den Kindern. Gott sei Dank nichts passiert. Dann der Blick hinter dem blauen Wagen her, aber außer dem Kennzeichen „CHA“ ist nichts mehr zu erkennen, und schon rast er Richtung Feuerwehrhaus davon.

Kein Bremsen oder auch nur vom Gas gehen, einfach auf und davon. Gott sei Dank noch mal gut gegangen. Mein Herz pocht mir bis zum Hals, und ich kann nur den Kopf schütteln. Vollkommen närrisch, murmle ich und fasse mir kurz ans Hirn, bevor die nächsten Kinder kommen und der Dienst als Schulweghelfer wieder meine ganze Aufmerksamkeit fordert.

Hintergrund der Geschichte

  • Der Schulweghelfer

    Martin Schönhuber ist engagiertes Mitglied bei der Verkehrswacht in Bad Kötzting. Seit fünf Jahren sorgt er als Schulweg-Helfer für die Sicherheit der Schüler am Dampfbachweiher in der Stadt.

  • Die geschichte

    Nach dem erschreckenden Erlebnis am Dienstag entschloss er sich, aufzuschreiben, wie er den Vorfall erlebte.

Erst auf dem Heimweg wird mir bewusst, dass die beiden um Haaresbreite vielleicht dem Tod entronnen sind – und ich vielleicht auch. Das Auto war viel zu schnell, ich mit meiner gelben Jacke und meiner nicht übermäßig schlanken Figur und fast 1,80 Meter Größe müsste eigentlich gesehen worden sein. Den Geräuschen nach hat das Auto überhaupt nicht gebremst. Vielleicht hat es sogar beschleunigt, um ja nicht anhalten zu müssen?

Mir fällt ein, dass in meiner jetzt bald fünfjährigen Tätigkeit als Schulweghelfer immer wieder Autofahrer beiderlei Geschlechts einfach weiterfahren, obwohl ich Kinder über die Straße gehen lassen will und diese dazu mit hoch erhobener, roter Kelle betrete.

Außerdem handelt es sich um einen Zebrastreifen, an dem Fußgänger sowieso Vorrang haben. Immer häufiger kommt es auch zu Vollbremsungen, weil wir zu spät gesehen werden. Was mag so eilig oder wichtig sein, dass man dafür Kinder und Menschenleben aufs Spiel setzt, sei es bewusst, weils pressiert, oder unbewusst, weil man in Gedanken und vielleicht auch mit den Augen ganz woanders ist?

Appell des Schulweghelfers

Bitte Leute, denkt dran, außer Autos gibt’s noch weitere, meistens wesentlich schwächere Verkehrsteilnehmer, und nichts kann so eilig oder wichtig sein, als dass man sich und andere für ein ganzes langes Leben unglücklich macht.

Nachdem die Mutter der beiden Kinder bei mir war, immer noch völlig aufgelöst, um mit mir über den Vorfall zu reden, habe ich mich entschlossen, diese Zeilen zu schreiben. Hoffentlich hilft’s was.

Die Erfahrung der letzten Jahre aber sagt mir: Rund um den Bad Kötztinger Schulberg ändert sich eh nichts. Bis wirklich mal was passiert.

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