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Wirtschaft

Schweizer Group: Die Mitarbeiter bangen

Die Gesellschaft stellt Insolvenzantrag. Betroffen von dem Schritt ist auch die Rodinger Tochterfirma mit 125 Arbeitsplätzen.
Von Bastian Schreiner

Wohin führt der Weg der Schweizer Group in Roding? Nach dem Insolvenzantrag wird an einer Lösung für eine Sanierung der Gruppe gearbeitet. Foto: Schreiner
Wohin führt der Weg der Schweizer Group in Roding? Nach dem Insolvenzantrag wird an einer Lösung für eine Sanierung der Gruppe gearbeitet. Foto: Schreiner

Roding.Nächste Hiobsbotschaft für Arbeitnehmer am Eisenhart: Nachdem Continental Ende Februar verkündet hat, dass über 300 Arbeitsplätze aus der Fertigung nach Tschechien und Fernost verlagert werden, hat nun die Schweizer Group Insolvenzantrag gestellt. Von diesem Schritt ist auch die Tochterfirma mit 125 Mitarbeitern in Roding betroffen. Das hat das Unternehmen am Dienstag in einer Pressemitteilung bekanntgegeben.

Ob am Standort in Roding Stellen gestrichen werden, ist laut Dr. Roger Breu, Vorsitzender der Geschäftsführung, noch offen. Dass Arbeitsplätze abgebaut werden müssen, kann er im Gespräch mit dem Bayerwald-Echo aber nicht ausschließen. Die Gesellschaft werde jetzt einen vorbereiteten Sanierungsplan umsetzen und parallel nach einem Investor suchen. „Vor Weihnachten wird nichts passieren“, sagt Dr. Breu. Die Mitarbeiter, die am Montag über das Szenario informiert worden sind, müssen demnach weiter bangen.

Starker Absatzrückgang

Rodings Werkleiter Ulrich Ziegler (3. v. l.) hatte im Juli 2017 Bürgermeister Franz Reichold die neue Druckgussmaschine vorgestellt. Foto: Schreiner
Rodings Werkleiter Ulrich Ziegler (3. v. l.) hatte im Juli 2017 Bürgermeister Franz Reichold die neue Druckgussmaschine vorgestellt. Foto: Schreiner

Wie es in der Mitteilung weiter heißt, hat sich die Schweizer Group GmbH & Co. KG, Hersteller von Aluminiumdruckgusskomponenten für die Automobilindustrie, aufgrund eines starken Absatzrückganges in der zweiten Jahreshälfte gezwungen gesehen, beim zuständigen Amtsgericht Göppingen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zu stellen. Die Schweizer Group produziert einbaufertige Druckgusserzeugnisse aus Aluminium und Magnesium. Die Teile werden hauptsächlich im Bereich Motor und Antriebsstrang eingesetzt. Hauptkunden sind die deutschen Automobilhersteller. Die Unternehmensgruppe beschäftigt aktuell etwa 900 Mitarbeiter, 125 davon in Roding.

Über den Standort Roding

  • Historie:

    Zum 1. November 2013 übernahm die Schweizer Group – ein führender Automobilzulieferer mit Druckgusswerken in Deutschland (4) sowie Tschechien, China und der Türkei – den Produktionsbetrieb der insolventen Präzisionsdruckguss Roding GmbH.

  • Unterstützung:

    Bürgermeister Franz Reichold hat am Dienstagmorgen von den Plänen der Unternehmensgruppe erfahren. Er hofft, dass das Werk in Roding erhalten bleibt. Gemeinsam mit Landrat Franz Löffler habe er seine Hilfe angeboten, um die Arbeitsplätze zu erhalten. (bs)

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Die Gesellschaft, die 2013 den Gießbetrieb und die chinesische Tochtergesellschaft der PD Roding übernommen hat, feierte vergangenes Jahr ihr 150. Jubiläum. Roding sei ein wichtiger Standort, in den weiter investiert wird, sagte Werkleiter Ulrich Ziegler bei einem Pressetermin im Juli 2017. Dabei stellte er Bürgermeister Franz Reichold die neue Druckgussmaschine, die rund 1,9 Millionen Euro gekostet hat, vor. Dass sich der Standort am Eisenhart positiv entwickelt hat, davon spricht auch Breu: „Wir haben moderne Maschinen und sind, was Qualität und Produktivität betrifft, gut aufgestellt.“ Jedoch müsse man die gesamte Gruppe im Blick haben, so Breu. „Da sind uns kurzfristig zu viele Aufträge weggebrochen.“ Seit dem Sommer hatte das Unternehmen laut Mitteilung einen drastischen Absatzrückgang von über 25 Prozent zu verzeichnen, nachdem in der ersten Jahreshälfte noch ein über Plan liegender Umsatz verbucht werden konnte. Ursachen für den Einbruch seien der Absatzrückgang von Dieselfahrzeugen und die im Zusammenhang mit dem neuen weltweiten Fahrzeugtestzyklus WLTP zusammenhängenden Produktionsrückgänge bei den deutschen Erstausrüstern. Die Unterauslastung hatte entsprechend negative Auswirkungen.

Stundenkürzung und Urlaub

Betroffen vom Insolvenzantrag seien die Schweizer Group GmbH & Co. KG als Holding mit ihren Tochtergesellschaften in Hattenhofen, Murrhardt, Plauen und Roding. Der Geschäftsbetrieb werde ohne Unterbrechung fortgeführt, parallel werde an einer Lösung für eine Sanierung der Gruppe gearbeitet. „In Roding hatten wir bisher keinen großen Einbruch und noch keine Kurzarbeit. Die Unterauslastung wurde mit Stundenkürzungen sowie Urlaub kompensiert“, lässt der Vorsitzende der Geschäftsführung wissen.

Wirtschaft

Holding steigt bei Schweizer Group ein

Die Schweizer Group hat 2013 die PD Roding übernommen. Nun wird die Endurance Capital AG Anteile bei der Group übernehmen.

In Roding werden hauptsächlich Zylinderkopfhauben für Volkswagen produziert. Daimler, Continental und Mahle sind weitere Kunden. „Man muss in unserer Branche zwei Jahre im Voraus investieren. Brechen dann zwischendurch die Aufträge weg, wird es für jede Firma eng“, erklärt er. Die Schwierigkeiten hätten die sinkende Diesel-Nachfrage und die Verzögerung bei der Modell-Freigabe verursacht.

Wie es generell weitergeht, hängt laut Breu auch von den Kunden ab. Auch wenn momentan viel Unklarheit – auch für die Mitarbeiter – herrscht, zeigt sich Dr. Breu zuversichtlich. Man werde nun Verhandlungen führen und einen Investor suchen. Dass es „Reduktionen beim Personal“ geben wird, scheint sicher. Wie sich das konkret auf die einzelnen Werke auswirkt, sei noch unklar. Es steht aktuell viel in den Sternen – drei Wochen vor Weihnachten dürfen die Mitarbeiter in Roding aber auch hoffen.

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