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Wirtschaft

Sechs Fragen für die Zukunft in Roding

Die Firma microart hat sich seit Gründung verdoppelt. Doch für die künftige Erfolge muss die Politik noch einiges richten.
Von Christoph Klöckner

Das Unternehmen microart ist auf mikromillimetergenaues Arbeiten spezialisiert, wie Geschäftsführer Michael Kerscher (re.) Landrat Franz Löffler beim Rundgang erläuterte. Um künftig mit dem Wettbewerb mithalten zu können, müssen vor allem infrastrukturelle Probleme gelöst werden. Foto: ck
Das Unternehmen microart ist auf mikromillimetergenaues Arbeiten spezialisiert, wie Geschäftsführer Michael Kerscher (re.) Landrat Franz Löffler beim Rundgang erläuterte. Um künftig mit dem Wettbewerb mithalten zu können, müssen vor allem infrastrukturelle Probleme gelöst werden. Foto: ck

Roding. Wenn die Wirtschaft schwächelt, ist die Konsequenz absehbar: Mehr Firmen buhlen um weniger Aufträge. Und die Unternehmen, die nicht nur in sich bestens aufgestellt sind, sondern in bester, kundengewünschter Infrastruktur ein gutes Preis-Leistungsverhältnis garantieren können, haben eine Überlebensgarantie.

Die auch in Zukunft zu erreichen – denn aktuell floriert das Unternehmen Microart im Industriegebiet Altenkreith wie viele dort und ist gerade dabei, sich zu verdoppeln – das ist erstes Ziel der Geschäftsleitung. Deshalb nutzte Unternehmenschef Dr. Alexander Artmann den Besuch von Landrat Franz Löffler und Bürgermeister Franz Reichold am Montag im Unternehmen, der Politik einige Hausaufgaben mitzugeben.

Lösungen sind gefragt

Hochmodern präsentierte sich microart mit Inhaber Dr. Artmann, Thomas Semmelmann (2.u.3.v.li.) und Michael Kerscher (2.v.re.) Landrat Löffler und Bürgermeister Reichold (li.) und Klaus Schedlbauer von der Wirtschaftsförderung des Landratsamtes. Foto: ck
Hochmodern präsentierte sich microart mit Inhaber Dr. Artmann, Thomas Semmelmann (2.u.3.v.li.) und Michael Kerscher (2.v.re.) Landrat Löffler und Bürgermeister Reichold (li.) und Klaus Schedlbauer von der Wirtschaftsförderung des Landratsamtes. Foto: ck

Und das nicht nur im eigenen Interesse, sondern irgendwo auch für den Standorts Roding wie des Landkreises Cham. Denn die Sorgen für die Zukunft sind überall gleich. Dr. Artmann, der selbst Strategieberater für Familienunternehmen ist, kennt sich da aus. Es geht um sechs Themenbereiche wie Internet, Verkehrsanbindung, Flächenbedarf, Fachkräfte, Gewerbemüll – und seit dem Weg in die Energiewende um sicheren Strom.

„Das wäre mir vor zehn Jahren nicht in Sinn gekommen, dass Thema Energie vorzutragen!“, betonte Dr. Artmann. Doch Sorgen seien angebracht, denn gerade die Präzisionsmaschinen auf den jetzt rund 10000 Quadratmetern Produktionsfläche würden Ausfälle oder Schwankungen nur schwerlich verzeihen.

Das Unternehmen Microart

  • Gründung:

    Im Jahre 2007 wurde das Unternehmen im Industriegebiet Roding-Altenkreith von Dr. Alexander Artmann und seinem Vater gegründet. Zuerst betrug die Produktionsfläche des Unternehmens, das auf die Herstellung von Präzisionsbauteilen durch Drehen, Fräsen, Schleifen spezialisiert ist, 5000 Quadratmeter – mit der Option auf weitere 5000 Quadratmeter. Seit dem Start, so Inhaber Dr. Artmann, wachse das Unternehmen. Aus den einst zwölf Mitarbeitern sind mittlerweile dank eigener Ausbildung 180 geworden. Bemerkenswert ist das Durchschnittsalter: Statt 50 bis 54 wie sonst in deutschen Firmen liegt es hier bei 26 Jahren. Der Umsatz vom microart beträgt jährlich 14 Millionen Euro.

  • Arbeitsfeld:

    Das Unternehmen sieht sich als Lohnfertiger von teilen für Globalplayer im Bereich des Maschinenbaus, der Medizintechnik, der Luft- und Raumfahrt, der Automobil und Elektroindustrie. So fliegen Teile aus Roding etwa in Satelliten um die Erde oder sind in Maschinen zur Geldherstellung zu finden. Gefertigt werden in drei Schichten rund um die Uhr Serien von 100 bis 100 000 Teilen. Man habe alle Maschinen doppelt im Werk, um eventuelle Ausfälle kompensieren zu können, so Dr. Artmann. Dennoch seien alle Produktionslinien in den drei Schichten zu 100 Prozent ausgelastet. Der Vorteil der Firmengröße sei die ganzheitliche Betreuung der Kunden, man sei flexibel und innovativ. (ck)

Eine sichere Versorgung sei überaus wichtig, ebenso wie eine verbesserte Internetverbindung. Man habe schon mit der Nachbarfirma db-matik überlegt, dass selbst zu stemmen, da die Telekom dazu nicht bereit sei, so Dr. Artmann. „Wir haben kein DSL“, so Artmann. Der Betrieb sei bereits massiv digitalisiert, doch da die Datenflut immer stärker werde, brauche man Lösungen für externe Datenspreicher. Auch die Stadt habe mit den ansässigen Unternehmen bereits über so etwas debattiert, ergänzte Bürgermeister Franz Reichold: „Der Druck ist groß!“ Landrat Löffler betonte, dass der Landkreis das auf dem Schirm habe und „sehr ernst“ nehme. Bei der Anbindung der „weißen Flecken“ laufe die Leitung direkt vorbei, so dass ein Anschluss möglich sei. Wann das sein werde, fragte der Firmenchef. Etwa in den nächsten zwei Jahren, so Klaus Schedlbauer, der im Landratsamt dafür zuständig ist. Beim Strom sei man in Kontakt mit dem Energieversorger, so Landrat Löffler.

Wie komme ich zur Arbeit?

Dr. Artmann sprach zudem den Öffentlichen Personennahverkehr an, Auszubildende hätten Probleme herzukommen. Der Landkreis habe die höchste Quote 17-Jähriger mit Führerschein, so Löffler: „Dafür werde ich immer geschimpft!“ Man brauche intelligente Lösungen, damit nicht jeder mit dem eigenen Auto fahre. Eine Buslinie sei da eher unwahrscheinlich. Was zudem fehle, so der Unternehmenschef, seien weitere Wachstumsflächen – auch wenn man gerade erst gebaut habe. Die Debatte um den Flächenverbrauch mache ihm Sorgen, sagte Landrat Löffler, den wer hier an der falschen Stelle spare, dem werde der weltmarkt die Rechnung präsentieren.

Wirtschaft

microart schreibt Erfolgsgeschichte

Gerhard Artmann und sein Sohn haben die Firma vor zehn Jahren gegründet. Heute zählt das Unternehmen über 150 Mitarbeiter.

Artmann sah das Thema Künstliche Intelligenz (KI), das derzeit massiv mit Fördergeldern angeschoben wird, als übergewichtet an. Denn letztlich sei der Mensch für die Produktion auch weiterhin unersetzbar – das KI künftig komplette Prozesse übernehme, hält er für nicht für möglich. KI sei bei uns nicht so entscheidend, meinte er. Denn die Firmen, die sich damit beschäftigen würden, säßen in Ballungsräumen wie Berlin. Werde nurmehr dort gefördert auf Kosten der ländlichen Standorte, „wäre dies für den Landkreis ein Drama!“, so der Firmenchef. Landrat Franz Löffler dankte für die offenen Worte und versprach, die Themen im Sinne der Wirtschaft voranzubringen.

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