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Schulen

Sechs Wochen nur Langeweile in Roding?

Was machen eigentlich Schulleiter ohne Schüler? Arbeit sei genug da, sagen die Rodinger Rektoren. Doch auch ihr Urlaub naht.
Von Christoph Klöckner

Die Ruhe vor dem September-Sturm: Nur die Handwerker sind neben dem Sekretariat und dem Rektorat noch an der Grund- und Mittelschule in Roding. Sie sollen bis Ferienende am Haupthaus fertig werden – so der Plan und die Hoffnung. Foto: Klöckner
Die Ruhe vor dem September-Sturm: Nur die Handwerker sind neben dem Sekretariat und dem Rektorat noch an der Grund- und Mittelschule in Roding. Sie sollen bis Ferienende am Haupthaus fertig werden – so der Plan und die Hoffnung. Foto: Klöckner

Roding.Es ist ruhig geworden vor der Türe von Günter Kaniber, kein lautes Kinderschreien, kein Trampeln, kein aufgeregtes Klopfen. Eine für den Rektor der Grund- und Mittelschule Roding ungewohnte Stille macht sich breit im Gebäude, manchmal ist nur noch Baulärm zu hören. Sechs Wochen lang verwaisen dieser Tage die Schulen, geht es für die Rodinger Kinder und Jugendlichen zur Erholung von Mathe, Bio und Deutsch in den Lernruhestand. Und die Schulleiter? Was machen die ohne ihre Schüler?

Arbeitslos sei man nicht, sagen Kaniber und sein Kollege von der Realschule Roding, Alexander Peintinger, übereinstimmend. Und Ferien haben sie auch noch nicht, auch wenn es jetzt ruhiger zugeht. Die erste Ferienwoche werde er mit den Konrektoren die Schülerzahlen und die einzelnen Klassen für nächste Schuljahr auf die vorhandenen Räume verteilen.

Tausend Stunde werden verteilt

Während Grund- und Mittelschulrektor Günter Kaniber in Indien mit Ayurveda-Kur entspannt, hofft er, dass die Bauarbeiten am Haupthaus der Schule bis zum Schulbeginn fertig werden. Foto: Klöckner
Während Grund- und Mittelschulrektor Günter Kaniber in Indien mit Ayurveda-Kur entspannt, hofft er, dass die Bauarbeiten am Haupthaus der Schule bis zum Schulbeginn fertig werden. Foto: Klöckner

„Seit Wochen sind wir schon dabei“, sagt er. Verteilt werden müssten tausend Lehrerstunden, 65 Lehrkräfte müssen ihre neuen Aufgaben bekommen. In diesen Tagen gebe es die Zuweisungen vom Kultusministerium an die Regierung, von wo es in die Landkreise weiterlaufe, erklärt Kaniber.

Auch in der Realschule herrscht noch Arbeitsbetrieb wie zu Schulzeiten – nur ohne Schüler. Eine Woche nach dem Schulende sei noch das Sekretariat da, wie auch einige Konrektoren und er selbst, sagt Alexander Peintinger. Da die Rodinger Realschule auch Seminarschule ist, stellen sich erste Referendare bei der Schulleitung vor. Doch diese Aufgabe ist geschrumpft: „Immer weniger kommen!“

Habe er vor acht Jahren, als er gekommen sei, noch 18 Nachwuchslehrer an der Schule gehabt, seien es jetzt noch sechs. Der Wirtschaftsboom locke viele weg vom Lehrerstudium. Bei den Planungen fürs neue Schuljahr gebe es immer wieder Überraschungen. „Kommt ein Referendar weniger, verschiebt sich das ganze Gefüge“, so der Chef, denn jeder Lehrer, der einen Referendar betreue, bekomme dafür Extrastunden angerechnet. „Da heißt es, hin- und herjonglieren“, sagt Peintinger.

Schulleiter auf Erholungstour

  • Indien:

    Die Kinder sind aus dem Haus, deshalb geht’s bei Günter Kaniber dieses Jahr in die weite Welt. Auf Wunsch seiner Frau ist Indien das Ziel. Und zwar der Süden des Landes, Kerala. Neben einigen Tagen Stranderholung ist etwas ganz Besonderes eingeplant: eine 14-tägige Ayurveda-Kur. „Ayurveda habe ich noch nie gemacht“, sagt er. Das bedeute, 14 Tage kein Alkohol und kein Fleisch, dazu täglich unterschiedliche Behandlungen. Schwerfallen werde ihm der Verzicht nicht – er lasse sich überraschen. Kennegelernt habe man das Angebot über eine Arztfamilie, die in Deutschland auch eine kleine Klinik habe und immer ein halbes Jahr in Indien sei. Die Hitze dort mache ihm nichts aus, da er schon öfter in Asien unterwegs gewesen sei und wisse, was komme.

  • Kroatien:

    Ein Ziel, das viele Bayern derzeit anvisieren, hat auch Realschuldirektor Alexander Peintinger vor Augen: Kroatien. Dort, wo er hinfahre, sei es noch nicht allzu voll mit Erholungssuchenden. Mit Frau, den zwei Kindern und dem Hund gehe es zur Insel Rab. Pfingsten seien sie dort gewesen – und waren fast allein. Seit mehreren Jahren sei das bereits als Ziel der Familie auserkoren worden. Nach eigenen Angaben ist Rab übrigens die glücklichste Insel der Welt – warum auch immer. Maximal vier Wochen bleiben für den Urlaub in den Ferien – gut „getimt“ haben Peintingers da die Geburtstage der Söhne Leopold und Theodor. Der eine werde am 12. August sieben, der andere am 5. September fünf Jahre alt: „So können wir beide Geburtstage zu Hause feiern!“ (ck)

Auch Günter Kaniber beschäftigt die Personalplanung. Nach der Meldung durch die Regierung wisse man auch, wie viel neues Personal komme und was für Möglichkeiten sich bieten. Das Stundenplanteam könne dann in die Detailplanung gehen, so Kaniber. Zwar seien bis dahin schon Tausende Eingaben in die Computersoftware für den Stundenplan gemacht worden, um am Ende eine gangbare Lösung auszuspucken. „Doch der Computervorschlag passt nie“, so die Erfahrungen des Schulleiters. Was der Maschine fehle, sei die menschliche Erfahrung, welcher Kollege welche Klasse übernehmen könne. Beim Kollegen der Realschule ist es ähnlich. Wenn etwa ein gehbehinderter Schüler in der Klasse ist, brauche es eine Klasse im Erdgeschoss, sagt Peintinger. So sind es die Details, bei denen die schlauen Technikhelfer versagen.

Das Schul-Mosaik wächst

Ein Ziel, das viele Bayern derzeit anvisieren, hat auch Realschuldirektor Alexander Peintinger vor Augen: Kroatien. Dorthin reist er mit Frau, den zwei Kindern und dem Hund. Foto: Klöckner
Ein Ziel, das viele Bayern derzeit anvisieren, hat auch Realschuldirektor Alexander Peintinger vor Augen: Kroatien. Dorthin reist er mit Frau, den zwei Kindern und dem Hund. Foto: Klöckner

Die Fragen seien immer die gleichen: Wer kommt wohin? Verteilt werde nach dem Bedarf, wie er ihn gemeldet habe. „Wie ein Mosaik setzt sich nach und nach der Plan fürs nächste Schuljahr zusammen und ergibt irgendwann ein Gesamtbild“, sagt Kaniber. Wobei das Bild bis zum letzten Ferientag und darüber hinaus kein festes Gefüge ist. Immer wieder kann es Änderungen geben, mal fällt ein Lehrer aus, mal kommen neue Schüler hinzu. Es sei zwar jetzt ein entspanntes Arbeiten, doch anders als Ostern und Pfingsten habe er nicht die ganze Sommerferienzeit, vor allem „sechs Wochen Langeweile ist das in keinster Weise!“

Die erste sei ebenso für Arbeitseinsätze verplant wie die letzte Ferienwoche.

Das ist auch bei Alexander Peintinger so. Und mit jedem vergangenen Ferientag steigt die Spannung zum Schulbeginn bei den Schulleitern, ob der ausgetüftelte Plan auch funktioniert. „Wenn alles läuft, atmet man auf!“, so Kaniber. Bei 31 Klassen sei es nicht einfach hinzubekommen. Beide sind dann wieder in Vorfreude auf die Schüler. Und Günter Kaniber hat zudem eine besondere Anspannung, denn zum Ferienende soll die Baustelle am Haupthaus beendet sein: „Dass das klappt, das ist meine größte Hoffnung! Dafür würde ich einige Kerzen spenden!“ Optimistisch hat die Schule schon einmal nicht mehr mit dem Außenstandort Obertrübenbachgeplant.

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