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Glaube

Segen für Kapelle nach Biertisch-Idee

Ein Jahrhundertereignis für Wiesing: Kaplan Florian Weindler segnet das Gotteshaus, das Michael Schindler errichtete.
Von Josef Kneitinger

Kaplan Florian Weindler segnete die neue, von Michael Schindler senior erbaute Kapelle am Sonntag im Beisein zahlreicher Gäste. Fotos: Josef Kneitinger
Kaplan Florian Weindler segnete die neue, von Michael Schindler senior erbaute Kapelle am Sonntag im Beisein zahlreicher Gäste. Fotos: Josef Kneitinger

Roding.Vor Jahren hatte Michael Schindler senior am Biertisch die Idee, eine Kapelle für die Wiesinger zu errichten, da es im Rodinger Ortsteil kein Gotteshaus gab. Nun ging sein Traum in Erfüllung: Am Sonntag fand die offizielle Eröffnung des schmucken Bauwerks statt. Zahlreiche Gläubige feierten die Einweihung der Michaelskapelle, in der die Wiesinger nun ihre Kirchweih-Gottesdienste abhalten können, bei herrlichem Spätsommerwetter am Namenstag des Patrons.

Nach vielen planerischen Überlegungen reifte der Entschluss, den Neubau in Anlehnung an die heilige Dreifaltigkeit als gleichseitiges Dreieck zu errichten (wir berichteten). Das Bauwerk zeigt mit der Spitze gen Osten und ist auf der Westseite zum Regental geöffnet. An der Spitze ist der ebenfalls gleichseitige, zwölf Meter hohe Glockenturm mit Turmuhr integriert. Die schmucke, bronzene Glocke mit 65 Zentimeter und mit einem Gewicht von 145 Kilogramm wurde in der Eifel gegossen. Altar und Ambo bereichern den lichtdurchfluteten Innenraum ebenso wie die schlicht gehaltenen Kirchenbänke aus Eichenholz.

Handgeschnitzte Figurengruppe

Im Glockenturm „schwebt“ in drei Ebenen eine handgeschnitzte Figurengruppe aus Eichenholz, gefertigt vom Künstlerduo Seitfudem aus Oberbayern. Das Ensemble stellt im oberen Bereich Gott Vater, in der Mitte den Kirchenpatron und darunter Luzifer, den der heilige Michael gerade aus dem Himmel gestoßen hat, dar.

Nach dem Gottesdienst marschierten Feuerwehren und Vereine ins Festzelt.
Nach dem Gottesdienst marschierten Feuerwehren und Vereine ins Festzelt.

Nach einem Kirchenzug mit der Blaskapelle Kerscher vom Festzelt zur Kapelle begrüßte Kapellen-Bauherr Michael Schindler die Gäste, darunter Landrat Franz Löffler und Bürgermeister Franz Reichold, die sich für die Erteilung der Baugenehmigung eingesetzt hatten. „Ich bin mir sicher, dass dies der richtige Platz mit dem schönen Blick in das herrliche Regental für die Kapelle ist“, sagte Schindler. Sein Dank galt den beiden Feuerwehren von Wiesing und Regenpeilstein für die Vorbeitungen zur Segnung der Kapelle. Einen großen Dank sprach er auch seiner Ehefrau Gabi aus, die ihn all den Jahren der Bauzeit in Rat und Tat unterstützt hat.

Segen

Privatmann baut Kapelle in Wiesing

Michael Schindler hat seinen Traum verwirklicht. Im neuen Gotteshaus sind trotz Schlichtheit einige Symbole eingearbeitet.

Kaplan Florian Weindler zelebrierte mit Pfarrpraktikant Ramon Rodriguez den Gottesdienst und nahm die Segnung vor. In seiner Ansprache ging Weindler auf die Texte der Lesungen und des Evangeliums ein. Weiter betonte der Kaplan: „Diese Kapelle kann und soll ein Zeichen gegen Sorglosigkeit sein.“

Landrat Franz Löffler bezeichnete den Bau als Jahrhundertereignis.
Landrat Franz Löffler bezeichnete den Bau als Jahrhundertereignis.

„Was wir in der letzten Stunde hier erlebt haben, das kann man gut und gerne mit einem Jahrhundertereignis beschreiben“, meinte Landrat Franz Löffler in seinem Grußwort. Wie oft kann man schon bei einer Kapelleneinweihung dabei sein und wie oft wird in einem Ort eine Kapelle gebaut, fragte der Landrat. Und weiter: „Passt der Bau einer Kapelle überhaupt noch in diese Zeit? In eine Zeit, in der eher eine Entfremdung zwischen der Gesellschaft und der Kirche stattfindet.“ Genau in dieser Zeit kommen Michael Schindler und der Bürgermeister auf den Landrat zu und wollten eine Kapelle bauen, so Löffler. Als man dann den Platz gemeinsam besichtigte, war Schindlers Überzeugung und sein Feuereifer in den Augen nicht zu übersehen, erzählte Löffler. Im Namen des Landkreises gratulierte er zu diesem wunderbaren und großartigen Bauwerk, wo Licht und das Element des Lebens besonders zur Geltung kommen.

Der Bürgermeister überreichte Bauherr Michael Schindler eine Kerze.
Der Bürgermeister überreichte Bauherr Michael Schindler eine Kerze.

„Wenn man die Architektur dieser Kapelle sieht, ist man begeistert. Sie ist sehr modern“, sagte Bürgermeister Franz Reichold bei seiner kurzen Ansprache. Das Projekt sei sehr gelungen – modern, geschmackvoll und auch wertvoll. Dazu können man nur gratulieren. Einen Dank richtete der Bürgermeister Bauherr Michael Schindler, dass er in einer Zeit, die meist von Gottlosigkeit geprägt ist, ein solches Zeichen zu setzen. „Solche Menschen wie Michael Schindler sind selten geworden“, betonte er. Reichold wünschte, die Kapelle als Wahrzeichen wahrzunehmen und die Idee, die von dieser ausgeht zu verinnerlichen. Denn hier könne man herrlich hinausschauen in die Natur. „Mit dieser Kapelle ist ein Zeichen für die Menschen und Christen gesetzt“, so Reichold. Als Dank überreichte er dem Seniorchef der Wiesinger Fassadenbaufirma eine handgefertigte Kerze der Strahlfelder Schwestern für die Kapelle.

Das Projekt

  • Idee:

    Bisher mussten die Wiesinger ihre Feste ohne eigene Kirche feiern, während der Nachbarort Regenpeilstein mit der Klause und der Burgkapelle zwei Optionen hat.

  • Traum:

    Deshalb wollte Michael Schindler senior eine eigene Kapelle für die Wiesinger errichten. 2016 starteten dann die Bauarbeiten.

  • Details:

    Der Bauherr plante das Gebäude als gleichseitiges Dreieck. Der Turm ist zwölf Meter hoch. Die Fassade ist mit handgespaltenen Eichenschindeln verkleidet.

Bereicherung für den Ort

Johann Stolz, Vorsitzender der Feuerwehr Wiesing, bedankte sich abschließend bei Michael Schindler. Die Schaffung dieses Kleinods mit der einmaligen Architektur, hier an dieser ruhigen, exponierten Lage mit herrlichem Blick auf das Regental, sei wahrlich eine Bereicherung für den Ort Wiesing und die Stadt Roding. „Mögen viele diesen Ort der Ruhe aufsuchen, um für eine Zeit lang innezuhalten vom Auf und Ab im turbulenten Lebenstrom“, meinte Stolz.

Das Künstlerduo Seitfudem schnitzten die Figurengruppe aus Eiche.
Das Künstlerduo Seitfudem schnitzten die Figurengruppe aus Eiche.

Kaplan Florian Weindler freute sich, dass er von Michael Schindler die Aufgabe angetragen bekommen hatte, diese moderne Kapelle zu segnen. Seine Begeisterung hatte man sogar durchs Telefon gesehen, meinte der Kaplan und grinste. Er habe nicht nur Wiesinger Wurzeln, sondern absolvierte hier vor seiner Priesterweihe eine Schreinerlehre. Außerdem durfte er an einem Projekt für das Neue Berliner Museum mitwirken, dessen Muster für die bronzenen Türgriffe der neuen Kapelle verwendet worden ist. „Für mich schließt sich hier ein Kreis“, sagte Weindler.

Nach dem „Te Deum“ und der Bayernhymne zogen die Gäste, Vereine und Feuerwehren gemeinsam zurück zum Festzelt, wo ein Caterer für das leibliche Wohl der Kirtagäste sorgte. Die Wiesinger Damen boten Kaffee, Kuchen und Gebäck an.

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