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Menschen

Selbstgenähtes hilft in der Kinderkrippe

Simone Laumer ist Leiterin der Pusteblume in Willmering. Von ihrer Näh-Leidenschaft profitieren die Kinder der Einrichtung.
Von Tatjana Robl

Eine große Auswahl an Stoffen mit verschiedenen Farben und Mustern haben sich bei Simone Laumer mit der Zeit angesammelt und stehen für die Näh-Projekte zur Verfügung. Fotos: Robl
Eine große Auswahl an Stoffen mit verschiedenen Farben und Mustern haben sich bei Simone Laumer mit der Zeit angesammelt und stehen für die Näh-Projekte zur Verfügung. Fotos: Robl

Traitsching.Stolz öffnet Simone Laumer die Tür zu ihrem Nähzimmer. Die Stickmaschine läuft, sie stickt gerade einen Regenbogen auf einen cremefarbenen Stoff. „Das wird ein Gotteslob-Einband“, erklärt Laumer, „es sind schon die ersten Bestellungen für Kommunionen eingetroffen.“ Ihr Nähzimmer wurde erst kürzlich renoviert, ist gut bestückt und übersichtlich gestaltet.

Ein Zuschneide-Tisch bietet Stauraum für allerhand bunte Stoffe, die ordentlich aufgestapelt sind. Seitlich angebrachte Sortierbehälter sorgen dafür, dass das benötigte Werkzeug stets griffbereit ist. Auf dem Nähtisch stehen eine Overlock, eine Nähmaschine und eine Stickmaschine. Weitere Regale bieten Platz für fertige Produkte, weitere Stoffe und Nähzubehör. Die beiden Tageslichtlampen über den Arbeitstischen sorgen für die optimale Beleuchtung.

Das Fädelspiel „Die Raupe Ursula“ kann noch nicht gekauft werden, die DIN EN 71 für Spielzeug macht es schwierig. Es wird eine Dokumentation verlangt, nicht nur für die Stoffe, sondern auch das Nähgarn. Fotos: Robl
Das Fädelspiel „Die Raupe Ursula“ kann noch nicht gekauft werden, die DIN EN 71 für Spielzeug macht es schwierig. Es wird eine Dokumentation verlangt, nicht nur für die Stoffe, sondern auch das Nähgarn. Fotos: Robl

Simone Laumer leitet seit der Eröffnung 2013 die Kinderkrippe Pusteblume in Wilting, dort lässt sie sich inspirieren und näht praktische Dinge, nicht nur für die Kinder. Mit dem Nähen hat sie bereits als Teenager begonnen, „mal mehr, mal weniger“, erzählt sie. Es fing an mit Kissenbezügen, einem Rucksack und Kleidung für den Eigenbedarf, erinnert sie sich. Nach der Schule absolvierte sie die fünfjährige Ausbildung zur Erzieherin an der Ursulinen-Fachakademie in Straubing, danach arbeitete sie als Erzieherin im Kindergarten Konzell. Bereits damals ging es mit dem Nähen los, sie fertigte Sitzkissen und Lätzchen für die Kinder oder funktionierte eine alte Schaumstoff-Sitzgelegenheit in Sessel für Kleinkinder um.

Nach der Zusatzausbildung zur Krippenpädagogin wechselte Laumer in die Konzeller Kinderkrippe. Dort war sie von der ersten Stunde an dabei und übernahm die Gruppenleitung. Berufsbegleitend legte sie den Fachwirt im Erziehungswesen ab und arbeitete zusätzlich in der offenen Ganztagsschule in Rattenberg in der Hausaufgabenbetreuung.

Schon immer nebenbei gejobbt

Tischsets sind das aktuelle Projekt für die Kinderkrippe. Prototypen wurden von den Kindern bereits getestet, und die sind begeistert. Deshalb muss Laumer schnellstmöglich weitere produzieren, damit jedes Kind ein Set hat. Fotos: Robl
Tischsets sind das aktuelle Projekt für die Kinderkrippe. Prototypen wurden von den Kindern bereits getestet, und die sind begeistert. Deshalb muss Laumer schnellstmöglich weitere produzieren, damit jedes Kind ein Set hat. Fotos: Robl

„Ich habe immer nebenbei gejobbt, weil es als Erzieherin bei uns in der Gegend fast nur Teilzeitarbeitsplätze gab“, sagt sie. In der Kinderkrippe Pusteblume in Wilting ist sie seit Anfang an dabei. Das BRK als Träger freute sich, dass der Aufbau einer solchen Einrichtung für die Erzieherin nichts Neues war und griff auf ihr Wissen zurück. Nebenbei wurde Laumers Näh-Equipment immer mehr, zuerst gab es eine neue Näh-, dann eine Stickmaschine, danach die Overlock. „Das hat sich eingeschlichen“, erzählt die 36-Jährige lachend.

Die Ideen für ihre Näh-Projekte entstehen oft im Gespräch mit Kolleginnen oder Müttern in der Krippe. „Da heißt es gern mal ‚wir brauchen‘, und ich überleg’ mir dann, was ich da machen könnte.“ So sind z. B. eine Haarklammertasche, Flaschenbänder oder ein Wickel-Organisator entstanden. Die Flaschenbänder passen perfekt um die Trinkbecher der Kleinen und werden mit Namen und einem Symbol bestickt. So wissen die Erzieherinnen und die Kinder, wem welcher Becher gehört. Auch ein Wickel-Utensilo hat die kreative Erzieherin in ihrem Sortiment. Dafür hat sie viel im Internet recherchiert, Ideen gesammelt, sich überall das Beste herausgesucht und ihre eigene Version „zusammengebastelt“. „Da erkennt man meinen Hang zum Perfektionismus“, erklärt sie.

„Da heißt es ‚wir brauchen‘ und ich überleg’ mir dann, was ich da machen könnte.“

Simone Laumer, Krippenpädagogin und Näherin

Ihr aktuelles Projekt sind Tischsets für die Krippe. Die Tonschüsseln, aus denen gegessen wird, rutschen auf den Tischen zu sehr, deshalb hat sich Simone Laumer etwas einfallen lassen. Die Unterseite der Sets besteht aus einem Tischschoner, die Oberseite aus beschichteter, abwischbarer Baumwolle. Darauf hat sie die Umrisse von Schüssel, Trinkglas, Gabel, Messer und Löffel gestickt. Prototypen wurden in der Krippe getestet, und die Kinder sind begeistert, deshalb muss Laumer schnellstmöglich weitere fertigen, damit jedes Kind ein Set hat. Sie verwendet für ihre Arbeiten fast ausschließlich GOTS-zertifizierte (Global Organic Textile Standard) Stoffe Das bedeutet, das Material ist nicht nur in Bio-Qualität, sondern es wird auf soziale Standards wie Arbeitsbedingungen geachtet, und auch die Grenzwerte für Chemikalien halten diese Stoffe ein.

Schmusetuch und Fädelspiel

Das Schmusetuch muss laut Norm einen Zug von sieben Kilogramm aushalten. Mit einer kalibrierten Zugwaage macht Laumer den Test. Um auf dem aktuellsten Stand zu sein, ist sie im Verein Spiel Sicher e. V. Fotos: Robl
Das Schmusetuch muss laut Norm einen Zug von sieben Kilogramm aushalten. Mit einer kalibrierten Zugwaage macht Laumer den Test. Um auf dem aktuellsten Stand zu sein, ist sie im Verein Spiel Sicher e. V. Fotos: Robl

Für Spielzeuge, wie z. B. das Schmusetuch, das sie im Sortiment hat, muss die Spielzeugnorm DIN EN 71 eingehalten werden, „und das machen diese GOTS-zertifizierten Stoffe einfacher“, erklärt Laumer. Für manche Spielsachen werden Brenn- und Reißtests verlangt, und auch die Dokumentation ist vorgeschrieben. „Das macht es oft schwierig, deshalb ist auch das Fädelspiel ‚Die Raupe Ursula‘ noch nicht auf dem Markt“, sagt sie. Bei ihrer Arbeit wird sie tatkräftig von ihrem Ehemann Matthias unterstützt. Er hat ihr u. a. die Homepage erstellt und einen Preiskalkulator programmiert: „So wie es in der Arbeit bei mir heißt‚ ‚wir brauchen‘, so mach’ ich es zuhause mit meinem Mann – und der lässt sich die passenden Lösungen einfallen.“

In der Handmade-Kategorie des Internet-Verkaufsportals Amazon etwa sind manche Laumer-Produkte zu finden, aber glücklich ist sie damit nicht: „Eine Express-Lieferung oder die Möglichkeit, zur Auswahl zu bestellen, passt nicht für die extra gefertigten Produkte.“ Deshalb läuft Laumers Vertrieb hauptsächlich über die Homepage, und ab und zu ist sie auch auf Märkten vertreten. Das Nähen ist ihr Ausgleich zum Job, wo es gerne mal laut zugeht.

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