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„Selbstwertgefühl sinkt in den Boden“

Im neuen Teil ihrer Kolumne schreibt die an Krebs erkrankte Stefanie Deml aus Kolmberg über das Gerede der Menschen.
Von Stefanie Deml

Stefanie Deml (37) mit Sohn Bastian (7), Tochter Ronja (28 Monate) und Lebensgefährte Oliver Sulewski (43)
Stefanie Deml (37) mit Sohn Bastian (7), Tochter Ronja (28 Monate) und Lebensgefährte Oliver Sulewski (43) Foto: Klöckner

Kolmberg.Am 10. Juli 2014 ist die zweite Operation an der Brust. Die Schmerzen werden immer schlimmer. Die Ärztin hat mir mitgeteilt, dass sich noch einzelne Krebszellen im Gewebe der Brust befinden. Das heißt, es muss noch mal etwas weggeschnitten werden.

Jetzt ist das gekommen, was ich am meisten befürchtet habe. Meine Brüste sind nicht mehr gleich. Ich bin erschrocken, als ich es das erste Mal gesehen habe. Meine Ärztin hat mir gleich geraten, die Brust wieder aufbauen zu lassen. Aber erst wenn die Bestrahlung vorbei ist – das heißt, ich muss noch mal gut ein Jahr warten. Ich flippe aus. Ich will nicht mehr warten. Wie viele Stunden habe ich in letzter Zeit gewartet. Ich fühle mich nicht mehr schön. Mein Selbstwertgefühl sinkt in den Boden. Teilweise schäme ich mich vor Oliver. Die erste Zeit habe ich immer die Badtür zugesperrt, damit niemand hereinkommt, wenn ich dusche. Vorher hat mir das nichts ausgemacht.

Und dann das Gerede der Leute. Das tut am meisten weh. Es wird gerätselt, ob meine Brust entfernt wurde oder nicht. Ich bekomme eine Silikon-Leichtprothese und zwei Büstenhalter. Manche sagen, es ist doch nicht so schlimm, wenn ein Teil deiner Brust fehlt. Hauptsache du wirst wieder gesund. Doch, es ist schlimm. Jede Frau möchte „schön“ sein und ihrem Mann gefallen. Da kann mir keiner erzählen, dass man nicht darunter leidet. Mittlerweile steht in meinem Schwerbehindertenausweis 60 Prozent.

Die Kolumne und der Dank

  • Gefühle und Erfahrungen

    In ihrer ganz persönlichen Kolumne schildert Stefanie Deml (37) ihr Jahr mit der Diagnose Brustkrebs. Immer wieder hat sie ihre Gefühle und Erfahrungen rund um die Krankheit aufgeschrieben.

  • Mut machen

    Mit der Veröffentlichung will sie Frauen Mut machen, die ähnliches haben und erleben müssen, ebenso für Menschen, die unter Krankheiten leiden.

  • Unterstützung

    Es komme auch auf Unterstützung an, sagt sie. Deshalb dankt die Mutter von zwei Kindern besonders ihrem Lebensgefährten und ihrer Familie für die Hilfe. Geholfen hat ihr auch Roland Saurer, der jetzige Bürgermeister Waffenbrunns, dazu der Kindergarten St. Martin und Pfarrer Reißer.

  • Dank an Evi

    Schließlich gibt es einen weiteren „Engel“, dem sie danken will: der Haushaltshilfe Evi vom Maschinenring, ohne die es nicht gehe. (ck)

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