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Urteil

Serientäter stand erneut vor Gericht

Ein 20-Jähriger aus Cham erhält eine Jugendstrafe von einem Jahr ohne Bewährung. Polizisten mussten ihn zur Verhandlung erst aus dem Bett holen.

Das Gericht verhängte eine Jugendstrafe von einem Jahr ohne Bewährung. Foto: dpa

Cham. Nicht gerade das Wohlwollen des Gerichts dürfte sich ein 20-jähriger arbeitsloser junger Mann aus Cham erworben haben, als er zu seiner Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht unentschuldigt fern geblieben war. Neben dem vorsitzenden Richter Andreas Lecker warteten zwei Schöffen, eine Protokollführerin, ein Staatsanwalt, eine Verteidigerin, sechs Zeugen sowie im Zuschauerraum eine Rodinger Schulklasse auf den Angeklagten, der ordnungsgemäß geladen war.

Nach mehr als einer Viertelstunde schickte Richter Lecker zwei mit einem Vorführungsbefehl ausgestattete Polizeibeamte los, um den Angeklagten „herbeizubitten“. Die Beamten fanden ihn auch – und zwar noch im Bett liegend, weil er sich etwas unwohl fühle, wie er erklärte. Das Unwohlsein war verständlich, hatte doch Staatsanwalt Huber nicht weniger als sieben Anklageschriften in seinem Gepäck. Danach war der Mann am 15. November 2012 gegen 21.30 Uhr überrascht worden, als er im Chamer Kolpinghaus einen Beamer stehlen wollte. Am 8. Januar 2013 soll er in einem Supermarkt in Bad Kötzting Nahrungsmittel im Wert von 13,75 Euro entwendet haben und am 7. Februar 2013 in einer Chamer Bank eine Spendenbox zugunsten von „Kuno“ mit circa 56 Euro Inhalt.

Polizisten beleidigt und angespuckt

Aus einem unversperrt abgestellten Auto soll er einen Rucksack mit Inhalt im Wert von circa 150 Euro geklaut haben und im Februar und Mai 2013 aus zwei Garagen jeweils ein Fahrrad. Zu diesen Delikten kommen noch zahlreiche „Schwarzfahrten“ zum Nachteil der Deutschen Bahn, meistens im hiesigen Raum, aber auch bei einer Fahrt zwischen Hamburg und Berlin wurde er ohne Fahrkarte erwischt, ebenso zwischen Fulda und Nürnberg. Außerdem beleidigte er am 23. Januar 2013 einen Polizeibeamten aus Bad Kötzting, der nach einem Einbruch in das Chamer Stadtarchiv die Personalien des Mannes feststellen wollte, mit unflätigen Ausdrücken und spuckte dem Beamten sogar ins Gesicht.

Auf versuchten Diebstahl, vollendeten Diebstahl in sechs Fällen, Erschleichen von Leistungen in acht Fällen und Beleidigung summierten sich die Anklagepunkte. Im Wesentlichen gab der Angeklagte alles zu – mit der Einschränkung, dass er sich an manches nicht mehr erinnern könne, was sogar plausibel sein kann, denn er gestand dem Gericht auch, dass er drogensüchtig sei. Zur Tatzeit habe er so etwa alle drei Tage unterschiedliche Mengen an Crystal konsumiert und dazu habe er Geld gebraucht, denn Einkünfte habe er überhaupt keine.

Geldmangel und Drogenrausch

Im Alter von zwölf Jahren hätten sich seine Eltern getrennt, die Mutter sei nach Hamburg gezogen, und er lebe bei seinem Vater in Cham, der ihn noch unterstütze. Zwei Lehrstellen habe er abgebrochen, auch eine Entgiftung und eine Drogentherapie habe er hinter sich, sei aber wieder rückfällig geworden. Den Drogenkonsum habe er aber in den letzten Monaten wesentlich einschränken können. Nahezu erwartungsgemäß zeigte sich, dass der Angeklagte auch schon mehrfach vorbestraft ist, hauptsächlich wegen Diebstahls und Drogendelikten.

Staatsanwalt Huber kreidete dem Angeklagten besonders das Anspucken des Polizisten an und erkannte ganz eindeutig schädliche Neigungen beim Angeklagten mit der Folge, dass er eine Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung forderte. Geldmangel und Drogenrausch seien eindeutig als Motive für die Straftaten des Angeklagten auszumachen, führte die Verteidigerin aus, die es für vordringlich hielt, dass ihr Mandant aus „dem Chamer Sumpf“ zu seiner Mutter nach Hamburg zieht. Sie bat um eine milde Strafe ohne Freiheitsentzug. Diesen Wunsch vermochte ihr das Gericht nicht zu erfüllen.

Es verhängte eine Jugendstrafe von einem Jahr ohne Bewährung und Richter Lecker hielt dem Angeklagten zur Begründung vor, dass er noch am selben Tag seiner letzten Verurteilung mit einer neuen Serie von Straftaten begonnen habe. (cog)

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