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Justiz

Sexspielzeug beschäftigt Chamer Richter

Der Angeklagte soll Waren auf den Namen seiner Ex-Frau bestellt haben. Der Staatsanwalt sah darin einen Betrug.

Die Ex-Frau sagte vor Gericht aus, sie habe von dem Sexspielzeug-Kauf nichts gewusst. Foto: Stephanie Pilick/dpa
Die Ex-Frau sagte vor Gericht aus, sie habe von dem Sexspielzeug-Kauf nichts gewusst. Foto: Stephanie Pilick/dpa

Cham.Sexspielzeug und E-Zigaretten soll ein 39-Jähriger Mann aus dem östlichen Landkreis in der Absicht, nicht zu bezahlen, im Internet bestellt haben. Die Anklage umfasste auch, dass er dabei den Namen seiner damaligen Frau für die Bestellung verwendet haben soll. Das Sexspielzeug hatte einen Wert von 52 Euro, während die E-Zigaretten mit 76,55 Euro zu Buche fielen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hatte der Mann betrügerische Absichten, weshalb Anklage erhoben wurde und der Angeklagte sich nun auf der Anklagebank des Chamer Amtsgerichts wiederfand.

Die Bestellungen sollen Anfang des Jahres 2016 aus der gemeinsamen Wohnung im Chamer Umland getätigt worden sein, jedoch erklärte der Verteidiger des Angeklagten gleich zu Beginn, dass sein Mandant nichts von den Vorgängen wisse. Als Berufskraftfahrer sei er in besagten Zeiträumen nicht zu Hause gewesen. Es habe ein Tablet gegeben, auf das auch die Frau Zugriff gehabt haben und häufiger für Bestellungen genutzt haben soll.

Gemeinsames Girokonto

Zudem habe es ein gemeinsames Girokonto gegeben, auf das die damalige Gattin ebenfalls uneingeschränkten Zugriff hatte. Das Sexspielzeug sei aus Sicht der Verteidigung von der Ex-Frau erworben und später auch gegen den Angeklagten zur Provokation eingesetzt worden. In Bezug auf die E-Zigaretten hätten Beide regelmäßig Liquide konsumiert, online habe sein Mandant aber auch hier keine Bestellung abgegeben.

Ohnehin sei die Ehe damals bereits am Ende gewesen, erklärte der Angeklagte nun selbst. Seine Ex-Frau habe bei der Polizei behauptet, er hätte ihr das Sexspielzeug geschenkt. Dies habe sie sich vielleicht gewünscht, erläuterte der Berufskraftfahrer. Seitens seiner Frau habe es ständig Provokationen gegeben, zudem habe sie wahllos in nicht unerheblicher Menge eingekauft und auch das Internet ständig dafür genutzt. Seine E-Zigaretten beziehe er ausschließlich in einem Regensburger Fachgeschäft.

Der ermittelnde Polizist schilderte, dass die Frau mit Inkassoschreiben auf der Dienststelle aufgetaucht sei und Anzeige erstattet habe. Sie selbst habe diese Bestellungen nicht getätigt, wies der Beamte auf ihre damalige Aussage hin.

Sexspielzeug auf dem Bett

Im Zeugenstand bekräftigte die Ex-Gattin dies. Sie habe nichts von den Bestellungen gewusst. Ihr Gatte habe öfter auf ihren Namen bestellt. Das Sexspielzeug sei auf einmal auf ihrem Bett gelegen und sie habe es für eine Überraschung gehalten. Sie sei schon überrascht gewesen, da es in der Ehe schlecht lief, eine endgültige Trennung habe es aber noch nicht gegeben. Den Vorwurf des Verteidigers, dass sie möglicherweise auf seinen Namen bestellte, bestritt sie vehement.

Nachdem sich Beide gegenseitig beschuldigten, stand Richter Wolfgang Voit vor einem Problem. Für die Staatsanwaltschaft stand zwar fest, dass der Angeklagte die Waren bestellt hatte, die Verteidigung sah dies jedoch völlig anders. Eine Bestellung von Sexspielzeug hätte aus Sicht des Mandanten auch keinen Sinn gemacht, da er einen solchen Kauf im Endstadium der Ehe nie getätigt hätte. Die Staatsanwaltschaft titulierte die Darstellungen als Schutzbehauptung und forderte die Verurteilung mit einer Geldstrafe. Das Gericht kam zu der Erkenntnis, dass Einer der Beiden ein sehr guter Schauspieler sein muss. Die Beweislast reiche nicht aus, um zu einer Verurteilung zu kommen. Es sei keine ausreichende Objektivierung möglich. Das Ergebnis lautete vor dem Hintergrund: Freispruch. (cya)

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