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Vortrag

Sich bewegen – leichter lernen

Der Faktor Bewegung hat für den Lernerfolg eine sehr oft unterschätzte zentrale Bedeutung, sagt BLSV-Vize Klaus Drauschke.

  • Klaus Drauschke demonstrierte den Vortragsteilnehmern ein paar kleine Bewegungsübungen, mit denen bei Schülern in wenigen Minuten Aggressions- und damit Konfliktpotenzial abgebaut werden können. Foto: fer
  • Schulleiter Gerald Fide (l.) und Konrektor Norbert Paulus (r.) im Gespräche mit BLSV-Vizepräsident Klaus Drauschke (2. v. l.) und Michael Weiß Foto: fer

Furth im Wald.Nicht Lernen im Sitzen bringt die größten Lernfortschritte, sondern die Kombination von Bewegung und Lernen! Das war die Kernaussage im Vortrag „Von der Sitzschule zur bewegten Schule“, den Klaus Drauschke beim Schulfest in der Aula der Grundschule Furth im Wald vor Lehrkräften und Eltern traf.

„Der Faktor Bewegung beeinflusst die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen entscheidend. Aber in der Schule wird das Spielkind oft zum Sitzkind und wächst in eine sitzende Gesellschaft hinein“, so Drauschke. Die zunehmende „Verkopfung“ der Schüler mit einer stetig wachsenden kognitiven Überlastung bei immer geringerer körperlicher Aktivität und geringeren Stundenzahlen im Schulsport bleibe nicht ohne Folgen auf die zerebrale Leistungsfähigkeit der Schüler.

Der Referent verwies auf Untersuchungen von Peter Wamser und Dieter Leyk aus dem Jahr 2002, die schon damals die Bildungspolitiker hätten alarmieren müssen. Die Untersuchungen zeigten auf, dass die Zahl der Unterrichtsstörungen von Jahr zu Jahr kontinuierlich anstieg, um insgesamt 342 Prozent beim Vergleich der Schuljahre 1995/1996 und 1999/2000. Gleichzeitig wiesen sie nach, dass Sport zu einer immensen Abnahme eben dieser Unterrichtsstörungen (minus 84 Prozent) in den Schulstunden führte.

Langes Sitzen macht aggressiv

Der chronische Mangel an Bewegung durch zu lange Sitz- und Konzentrationszeiten schlage sich nicht nur in einem aggressiveren Verhalten nieder, sondern mindere auch die Konzentrationsfähigkeit, die Lernbereitschaft und den Lernerfolg. Der Referent verwies dazu auf einen Beitrag von Prof. Dr. med. Dr. phil. Jürgen Weineck, ISSW Erlangen-Nürnberg, über den Einfluss von Sport und Bewegung auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Durch die verbesserte Sauerstoffversorgung werde nicht nur die Konzentrationsfähigkeit verbessert. Es komme über die körperliche Aktivität zu einer beschleunigten Senkung oder sogar Beseitigung schulisch bedingter Stresshormonspiegel sowie zum Abbau psychophysischer Spannungszustände. Das bedeute, dass die Kombination „Lernen und Bewegung“ die höchste Merk-Leistungsfähigkeit erzielt, die jedem „nur Lernen“ überlegen sei.

Ganz wichtig sei es, zu wissen, dass bei keiner Aktivität mehr zerebrale Vermaschungsprozesse als Basis für eine erhöhte zerebrale Leistungsfähigkeit in Gang gesetzt werden als beim Erlernen bzw. Ausführen von komplexen sportlichen Bewegungen. Kinder hätten naturgewollt einen ausgeprägten Bewegungsdrang, der die Voraussetzung dafür ist, dass alle Organsysteme, also auch das Gehirn als Sitz unserer Intelligenz, optimal entwickelt werden, so Drauschke. Parallel dazu besäßen sie eine stark entwickelte „Neugier“, die sie mit höchster Motivation an jeder Art von Lernprozessen teilnehmen lasse. Stundenlanges Sitzen erniedrige ebenso wie chronischer Bewegungsmangel die Dopaminspiegel und verschlechtere damit einen wichtigen Lernfaktor.

Entspannung durch Bewegung

Zusammenfassend lasse sich feststellen, dass sich Bewegung und Sport in vieler Hinsicht positiv auf die zerebrale Leistungsfähigkeit, Lernfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit auswirkten. Zusätzlich leisteten sie einen wesentlichen Beitrag zur Entspannung und Stimmungsaufhellung, betonte der Experte. Einem „bewegten Unterricht“ in einer „bewegten Schule“ solle demnach in der Zukunft der Vorzug gegenüber dem immer noch häufig gepflegten „Sitz-und-rühr-Dich-nicht-Unterricht“ gegeben werden. Abschließend zeigte der sportbewanderte Pädagoge den Zuhörern Übungen, in denen in wenigen Minuten Aggressions- und damit Konfliktpotenziale abgebaut und die Aufnahmefähigkeit gesteigert werden können.

Michael Weiß, stellvertretender Vorsitzender des FC Furth und Vizepräsident der Bayerischen Sportjugend im BLSV (bsj) mit Schwerpunkt „Sport in Schule und Verein“ wies auf die Bemühungen des bsj hin, den Sport in die schulischen Ganztagsklassen zu inte-grieren und Vereinen den Zugang zu Schulen zu ermöglichen. (fer)

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