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Sie ist der Dorfmittelpunkt

Anlässlich der Bitttage um Christi Himmelfahrt kann die Dorfkapelle Staning auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.
Hermann Schropp

Die heutige Dorfkapelle in Staning steht unter Denkmalschutz. Wann sie genau erbaut wurde, ist unklar.
Die heutige Dorfkapelle in Staning steht unter Denkmalschutz. Wann sie genau erbaut wurde, ist unklar. Foto: Hermann Schropp/Hermann Schropp

Chamerau.Ein zentraler Punkt des ehedem zweigeteilten Dorfes Staning ist heute die Dorfkapelle, die etwa um 1868 erbaut wurde. Diese hatte an anderer Stelle eine Vorgängerin, vor der sich eine Steinplatte befand, auf der Abdrücke zu sehen waren. Davon wurde behauptet, es handle sich um die Fußabdrücke Christi. Volkskundler schlossen die Möglichkeit nicht aus, dass es ein keltischer Opferstein gewesen sein könnte.

Bäche und Flüsse markierten in früherer Zeit nicht selten Grenzen zwischen Herrschaftsbereichen, Pfarreien oder Gerichtsbezirken. Mit einer Besonderheit konnte das Dorf Staning aufwarten, wo ein Bach, bereits 1286 nachweisbar, die Grenzführung für die Zugehörigkeit zur Pfarrei, zum Gerichtsbezirk (1361 bereits Cham und Kötzting zugeteilt), zur Gemeinde, zum Landkreis und Regierungsbezirk bis in die Neuzeit bestimmte. Nach der Hofmarkenkonskription von 1752 und dem Anlagebuch von 1760 wird Niederstaning unter einschichtigen Gütern mit fünf Anwesen, einem Vollhof der Hofmark (Funk), einem halben Hof (Lederer), drei Viertelhöfen (Steingut, Binder, Westermeier) und einem gemeindlichen Hüthaus geführt.

Strafhaus für Schuldner

„In Staning drauß‘ is‘ Zuchthaus. Wer Geld hot, der kimmt bald raus. Wer koans hot, der muaß drinna bleib’n und Spinnradltreib’n“ – das ist eine Art Spottlied, aber nicht nur, denn es gibt auch einen geschichtlichen Hintergrund. Ältere Dorfbewohner haben immer wieder vom „Zuchthaus“ erzählt, einer Art Strafhaus, das in der Nähe des heutigen Nazet-Anwesens gestanden haben soll. Dieser war übrigens der einzige Hof in Staning, der nicht der Herrschaft Runding, sondern zum damaligen Pflegegericht Cham gehörte und dem bis heute der Name „Grichtischbauer“ geblieben ist. Säumige Pächter mussten dort ihre Schulden abarbeiten, in den Wintermonaten wahrscheinlich mit Flachsbrechen und Leinenherstellung. Es sollen dort aber auch Dienstboten „verwahrt“ worden sein, „die sich keines gesitteten Lebens befleißigten“.

Die jetzige Dorfkapelle hatte eine Vorgängerin, die etwa zehn Minuten von Staning entfernt, so ist es in Aufzeichnungen zu lesen, in der Nähe des Anwesens Bucher (früher Peintinger) oberhalb des Hinterfeldes, gestanden haben soll. So vermutet das auch Pfarrer Peter Poiger in seinen Beschreibungen in der Pfarrchronik. Es war ein schindelbedachtes Gebäude mit einem hölzernen Glockenturm. Nachdem aus dem Jahre 1676 einmal ein Votivbild mit Christus am Kreuz und zehn Personen existierte, die an der Kreuzigungsstelle stehen, drei Erwachsene und sieben Kinder, von denen jedes ein Kreuz in der Hand hielt, ist der Bau der Kapelle in die Jahre vorher zu legen.

Der Chronist berichtet von einer großen Steinplatte, die dort um die Jahrhundertwende noch gelegen haben soll. Von ihr hatte das Volk behauptet, dass darauf die Fußabdrücke Christi zu sehen gewesen wären, andere behaupteten, Christus habe dort gelegen. So erklärt sich auch die Bezeichnung für die Kapelle mit „Christus in der Rast“.

Pfarrer Peter Poiger befasste sich in seinen Chronikaufzeichnungen recht eingehend mit besagter Steinplatte. Er meinte, dass es sich dabei um einen Zeichen- oder Schalenstein, welche die Kelten auch als Opfersteine verwendeten, gehandelt haben könnte. Auf ihnen verbrannten sie entweder Opfergaben Fleischstücke. Verwendung fanden solche Steine auch als Grenzsteine, weil man dem in der Mulde angesammelten Wasser besondere Kraft zuschrieb. Nicht selten habe man sie auch zum Schärfen von Schwertern oder Messern benützt.

Renovierung 1980

  • Leitung:

    Freiwillige Helfer der FFW, des Schützenvereins „Eichenlaubschützen" und Dorfbewohner beteiligen sich an der Renovierung der Dorfkapelle. Die Bauleitung wurde vom 2. Vorstand der FFW, Maurer Emil Polz, vorgenommen.

  • Ablauf:

    Die Renovierung war notwendig, weil der Dachstuhl mit Turm morsch geworden war. Der neue Dachstuhl wurde von der Zimmerei Griesbeck aus Chammünster bestellt. Die Bevölkerung sammelte für die Renovierung 5000 DM.

Für den Bau der neuen Kapelle gibt es zwei Zeitangaben, die nicht weit auseinanderliegen. In einer handschriftlichen Aufzeichnung heißt es, dass ein Schmiedemeister aus Cham mit seinem Pferdefuhrwerk Steinkohle aus Böhmen holte und dabei durch große Wassermassen in Gefahr geriet. Er gelobte, wenn er heil nach Hause komme, die schadhafte hölzerne Kapelle zu ersetzen. Als Jahreszahl wird die Zeit um 1840 genannt.

Auch in der Pfarrchronik ist keine genaue Bauzeit für die jetzige Dorfkapelle genannt. Sie soll um 1868 erbaut worden sein, wird hier vermutet. Der Ausnahmskrämer Schlaghaufer aus Schönferchen hatte dafür ein Legat von 250 Mark vermacht. Vermögensverwalter war der Bauer Brey aus Staning. 1952 wurde eine Generalrenovierung des Kirchleins vorgenommen, am 1. Mai 1954 erfolgte die Einweihung. Leider konnte von den Votivtafeln aus der alten Kapelle nichts an ihre Nachfolgerin übergeben werden. Für diese dürften demnächst wieder Instandsetzungsmaßnahmen anstehen, nachdem Bauschäden im Fußboden festgestellt wurden.

Regelmäßige Messen

1966 wurde Staning an die Bundesstraße 85 angeschlossen. Damit erlebte die Ortschaft ihren Aufschwung. Die Dorfkapelle wurde Mittelpunkt und Wahrzeichen der Ortschaft. Unter Pfarrer Josef Pöschl wurde jeden Monat an einem Freitag eine heilige Messe in der Kapelle abgehalten. Dies behielt auch sein Nachfolger, Pfarrer Kilian Limbrunner, bis heute bei. Damit enden die Besuche in der Kapelle aber nicht, denn Gläubige aus Chamerau und aus Miltach, die auf dem Bittgang zum Lamberg sind, halten dort jährlich eine Andacht ab.

Nach der Renovierung im Jahr 1980 konnte 1982 endlich der Wunsch der Dorfbewohner für die Bestuhlung und die Elektrifizierung der Kapelle erfüllt werden. Auch die Inneneinrichtung wurde wieder in Ordnung gebracht. Unbemerkt von vielen, betreut Angelika Holzer schon seit zwei Jahrzehnten die Kapelle und schaut regelmäßig nach dem Rechten. Sie ist auch „Schließerin“ der Kapelle für die vielen Gruppen, die beim „Christus auf der Rast“ Einlass wünschen. (che)

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