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Region Cham
Donnerstag, 24. Mai 2018 22° 8

Einblick

Sie machen das Familienbad zum Erlebnis

Damit es im Waldmünchener AquaFit rund läuft, sind viele Handgriffe nötig – im Sinne von Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung.
Von Petra Schoplocher

Einen Spitznamen hat er (noch) nicht, der „Mariner“. Mindestens zwei Mal pro Woche ist der Poolsauger im Einsatz, der den Großteil alleine fährt. Nur an Ecken oder rund um den Pilz müssen die Mitarbeiter die Fernbedienung in die Hand nehmen. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Magdalena Laubmeier muss nicht überlegen. „Die familiäre Atmosphäre zeichnet uns aus“, sagt die 25-Jährige, während sie den Poolroboter mittels Fernbedienung Richtung Beckenrand befördert. Mindestens zweimal die Woche ist das Spezialgerät im Einsatz, „frisst“ Heftklammern, Haargummis, Pflaster und anderes – lange bevor Bade- und Saunagäste das AquaFit genießen kommen.

Wolfgang See misst den Chlorgehalt des Wassers in jedem Becken. Kontrolliert wird drei Mal pro Tag. Foto: ps

Überhaupt decken sich die Arbeitszeiten der derzeit neun Angestellten, darunter sieben in Teilzeit, nicht mit den Öffnungszeiten. Dazu sind zu viele Tätigkeiten nötig, von denen die Gäste nichts merken (sollen). Beispiel Wasserwerte: Bademeister Wolfgang See oder Magdalena Laubmeier, Fachangestellte für Bäderbetriebe, kontrollieren im Wechsel dreimal am Tag die Wasserwerte, laut See ohnehin das „A und O“. Chlor, pH-Wert, Redoxspannung (Keimtötungsgeschwindigkeit)... – die entsprechende Ecke im technischen Herzen des Bades sieht aus wie ein kleines Labor.

Doch es sind auch die Kleinigkeiten während des laufenden Betriebs, die nicht auffallen, für Optik, Sauberkeit und Wohlfühlen unerlässlich sind. Wer nicht gerade Aufsicht hat – immer einer – putzt zwischendrin ein Fenster, füllt Seife auf oder wäscht „das eigene Zeug“, Handtücher oder Kleidung. Immer wieder wird auch Alles genau inspiziert, „Sauberkeit ist uns sehr wichtig, wir wollen einen guten Eindruck machen“, unterstreicht Magdalena Laubmeier.

Magdalena Laubmeier im „Kabuff“. Von dort aus haben sie und ihre Kollegen alles im Blick. Foto: ps

Neben der Aufsicht gibt es einen Kassen-, einen Sauna- und einen Reinigungsdienst, „aber wir unterstützen uns gegenseitig“, sagt die junge Frau. Vor allem, wenn mal der seltene Fall einer Störungsmeldung eintritt, merke man den Zusammenhalt in der Mannschaft, unterstreicht Laubmeier zufrieden. Die Aufsicht hat in einem „Kammerl“ am Rand des großen Beckens Monitore, mit deren Hilfe nicht einsehbare Bereiche wie die Rutsche überwacht werden können. Immer wieder drehen die Frauen und Männer auch ihre Runden auf der Galerie und haben ein waches Auge auf die Gäste.

Hin und wieder müssen die AquaFit-Mitarbeiter eingreifen. Oft, um „aufzupassen, dass Kinder keinen Schmarrn machen.“ Hin und wieder gilt es, eine kleinere Verletzung zu verarzten. „Was Größeres hatten wir Gottseidank schon länger nicht mehr“, berichtet Laubmeier, die sich zuletzt an die Kreislaufschwäche eines Saunagängers erinnert.

Psychologischer Druck

Zur Sicherheit im Bad gehört ein Defibrillator, die Angestellten müssen sich ständig in Sachen „Erste Hilfe“ fithalten. Der psychologische Druck, dass „hoffentlich nichts passiert“, werde oft unterschätzt, meint Magdalena Laubmeier. Das Klischee, „der Bademeister hockt nur hinten und schaut zu“, stimme sowieso nicht. Sie empfindet ihren Alltag als anstrengend – nicht zuletzt wegen der psychologischen Belastung.

„Manchmal muss man sich schon etwas bieten lassen“, kommentiert sie das Verhalten (sehr) vereinzelter Badegäste, deren Anspruchsdenken mitunter bemerkenswert sei. Das seien aber Ausnahmen, schiebt sie nach, die meisten Besucher seien gut gelaunt, was zu einem schönen Arbeitsumfeld führe.

Alles im Blick: Magdalena Laubmeier macht ihr „Job“ großen Spaß. Foto: ps

Dem AquaFit-Team seinerseits ist die Kontaktpflege mit den (Stamm)Gästen wichtig. Manche kommen drei, vier Mal die Woche. „Da lernt man sich schon kennen.“ Manche seien dankbar für ein kurzes Gespräch, weil sie Zuhause niemanden haben. Andere sind beruhigt(er), wenn das Personal von der Diabetes-Erkrankung weiß. „Dann könnten wir im Fall der Fälle viel besser reagieren“, sagt Laubmeier, denen wie ihren Kolleginnen manches „Wehwehchen“ oder manche Einschränkung anvertraut wurde.

Vertrauensvorschuss

Sie freut sich über derartige Zeichen von Vertrauen und schließt damit den Kreis zu jenem familiären Klima, um das sich das AquaFit bemüht. Und das die Gäste zu schätzen wissen, wie See, Laubmeier und Co. den vielen Rückmeldungen entnehmen. „Das unterscheidet uns offenbar von anderen.“ Zufrieden dürften sie auch mit den steigenden Gästezahlen sein, von denen Stadtwerkechef Stefan Höcherl berichtet.

Die Aufgüsse für die Saunen zuzubereiten, gehört ebenso zum Aufgabengebiet des neunköpfigen Teams. „Wir haben da mittlerweile regelrechte Experten“, schmunzelt die 25-Jährige. Auch für das Desinfizieren des Dampfbads, den Austausch von Schläuchen in der Salzgrotte – die als medizinisches Gerät gilt – oder das Auffüllen des Salzes für das Solebecken sind die Badbediensteten verantwortlich. Da ist es nicht verwunderlich, dass Magdalena Laubmeier von der Vielseitigkeit ihres Berufs schwärmt, der für sie auch noch die Planungen der zahlreichen Veranstaltungen beinhaltet.

Auch Wolfgang See, der früher einmal als Bauzeichner gearbeitet hat, dann umgelernt und 1997 den Meisterbrief gemacht hat, ist immer noch begeistert. Ein Wohlfühlbad? Ja, das sei das AquaFit unbestritten. Und zwar nicht nur für die Gäste, sondern „auch für mich.“

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