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Sie unterrichtete mehr als 30 Jahre lang

So manch einstiger Schüler wird sich an Lehrerin Maria Deser erinnern. Ihre Aufzeichnungen blicken zurück auf das Kriegsende.

Lehrerin Maria Deser, hier im Jahr 1975, unterrichtete mehr als drei Jahrzehnte in Eschlkam. So mancher Schüler von damals wird sich noch gerne an sie erinnern.  Foto: Rosi Stelzl
Lehrerin Maria Deser, hier im Jahr 1975, unterrichtete mehr als drei Jahrzehnte in Eschlkam. So mancher Schüler von damals wird sich noch gerne an sie erinnern. Foto: Rosi Stelzl

Eschlkam.Maria Deser, die über 30 Jahre an der Schule in Eschlkam unterrichtet hatte, hat Aufzeichnungen über das Kriegsende in Eschlkam hinterlassen. Sie wusste auch von der Entstehung der Dankes-Fußwallfahrt zum Bogenberg, die aus einem Pestgelübde entstand. Sie verstarb im März 1983 in Eschlkam, zehn Jahre nach ihrer Pensionierung und wurde auf ihrem Heimatfriedhof in Konzell, unter große Beteiligung von Trauernden, im Elterngrab beerdigt.

Die Eschlkamer hatten dafür extra einen Bus eingesetzt, um Abschied nehmen zu können von einer beliebten Lehrkraft, die längst als eine der „Ihrigen“ geworden war!

Sie erzählte: „Die Eschlkamer hatten nach über 300 Jahren, als die Pest viele hinwegraffte, zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 und in dem folgenden Jahr 1946 wieder eine große Not. Der Krieg war verloren und Millionen Deutsche wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Ein Strom von Flüchtlingen wälzte sich über Böhmen her nach Eschlkam. Es waren Schlesier, die durch die Tschechoslowakei nach Bayern ausgewiesen wurden, nachdem man ihnen ihre letzte Habe abgenommen hatte. Es war eine unübersehbare Heerstrasse des Elends, die sich von Neumarkt in Böhmen über die Bayerische Grenze nach Eschlkam bewegte.

Das Chaos auf der Straße

Links und rechts der Straße lagen aufgeschlitzte Betten, Kleiderfetzen, Munition der zurückweichenden elften Panzerdivision und Berge von Haubitzen, Panzerfäusten, Pulversäcken und Granatwerfern. Sogar ein manövrierunfähiger Panzerwagen stand quer über die Straße in Eschlkam. In Großaign lag eine tote Frau im Straßengraben. Weil Eschlkam die nächstgrößere Ortschaft an der Grenze war, blieben die meisten Flüchtlinge gleich sitzen, sie waren am Ende ihrer Kräfte und konnten nicht mehr weiter.

Wer Glück hatte, der konnte ein Stübchen bei den Einheimischen beziehen, die meisten aber mussten in Scheunen, Ställen, auf den Fluren oder im Straßengraben nächtigen. Das war aber noch nicht alles. 1946 begannen die Tschechen alle Deutschen aus dem Böhmerwald zu vertreiben. All ihre Habe mussten sie zurücklassen und so mancher wurde noch vor der Grenze niedergeschossen. In ihre Häuser und Höfe zogen nun die Tschechen ein.

So kam es, dass der Markt Eschlkam von 600 Einwohnern auf 1200 angewachsen war. Als in den ersten Jahren nach dem Krieg viele Vertriebene starben, konnte der Friedhof die vielen Leichen nicht mehr fassen. Was lag da näher, als dass man sich an den Pestfriedhof erinnerte. Man erweiterte ihn und schuf so einen neuen Friedhof, der inzwischen zu einer stattlichen Größe angewachsen ist. Die Heimatvertriebenen bauten für ihre Verstorbenen eine schöne Kapelle, die mit ihrem Glöckchen von Zeit zu Zeit zum Gottesdienst ruft und an den Stätten, die ihre Sehnsucht nach der verlorenen Heimat mit ins Grab nehmen mussten, Wache hält.“

So entstand die Fußwallfahrt

Auch zur Entstehung der Wallfahrt zum Bogenberg hat Maria Deser Informationen gesammelt und erzählt folgendes: „Es war in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, im Jahr 1632, als schwedische Soldaten mit ihrem Obersten Taupadell (genannt Raubartel) in Eschlkam einfielen. Diese raubten, plünderten, brandschatzten und verübten sonst noch viele andere Greueltaten, die man sich ausdenken könne. Als sie endlich nach Neukirchen hl.Blut weiterzogen, hinterließen sie eine entsetzliche Krankheit, die Pest.

Es begann ein großes Sterben im Markte, alte und junge, arme und reiche Menschen sanken nur so dahin. Bald war der Gottesacker bei der Kirche so überfüllt, dass er keine Gräber mehr aufnehmen konnte. Man sagte, dass damals nur noch 15 Familien in Eschlkam übrigblieben.

Keiner erhielt mehr eine Totentruhe, denn es war ja auch niemand mehr da, der einen Sarg hätte anfertigen können. Als die Not am höchsten war, waren die Eschlkamer wieder einmal um das Massengrab auf dem Pestfriedhof versammelt. Da hörten sie von Ferne eine große Glocke läuten, das kann nur die Glocke von „Unserer lieben Frau vom Bogenberge“ sein, so sagten sie sich. Da gelobten die Eschlkamer, wenn Gott diese furchtbare Seuche von ihnen nehme, dann wollten sie alle Jahre zum Dank einmal zum Bogenberg pilgern.“ Und wirklich, bald darauf verschwand die Pest und dieses Versprechen haben die Eschlkamer getreulich erfüllt und halten das Versprechen bis heute. (kts)

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