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„So etwas darf nie wieder geschehen“

In kleinem Kreis, aber eindringlich groß, fand das Gedenken an die Todesmärsche statt.
Von Petra Schoplocher

Auf Initiative der Evangelischen Jugend gedachten (von links) Pfarrer Stefan Nagel, Dekan Walter Kotschenreuther, Pfarrer Michael Hinderer und ihr katholischer Kollege Holger Kruschina in Liedern, Texten und Gebeten der Opfer der Todesmärsche und aller von Hass Verfolgten. Foto: Schoplocher
Auf Initiative der Evangelischen Jugend gedachten (von links) Pfarrer Stefan Nagel, Dekan Walter Kotschenreuther, Pfarrer Michael Hinderer und ihr katholischer Kollege Holger Kruschina in Liedern, Texten und Gebeten der Opfer der Todesmärsche und aller von Hass Verfolgten. Foto: Schoplocher

Roding.Es war eine auf ganz eigene Art anrührende Gedenkfeier am Donnerstagabend an der Gedenkstätte in Wetterfeld. Ausgerechnet an dem Tag, an dem sich die Befreiung eines dieser leidvollen Todesmärsche aus dem KZ Flossenbürg zum 75. Mal jährte, war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Aber nur körperlich, wie Dekan Walter Kotschenreuther verdeutlichte. Die Botschaft dringe auch so hinaus, war er überzeugt.

Symbolträchtiger hätte das Gedenken nicht beginnen können. Ein Spaziergänger stellte eine Kerze neben den Kranz, der eigens zur Erinnerung niedergelegt worden war. Rodings Pfarrer Holger Kruschina griff diese Geste später auf. „Das zeigt, dass jede Generation zur Erinnerung und Mahnung ein Licht aufstellen muss“.

Genau darum ging es: Zu zeigen, dass die Gräuel nie vergessen werden. Daran zu glauben, dass aus allem Bösen etwas Gutes entstehen kann, dass es durch Gott Kraft zum Frieden geben kann und vor allem: Dass so etwas nie wieder geschehen darf. Dekan Kotschenreuther erinnerte in seiner Ansprache an einen Besuch mit Freunden aus Israel im Konzentrationslager Dachau vor vielen Jahren. Er habe damals einem Freund gesagt, er schäme sich für die nicht in Worte zu fassende Taten. Dieser erwiderte: Schämen musst du dich nur, wenn du zulässt, dass es wieder geschieht. Dieses Versprechen, wünschte Kotschenreuther, solle als Botschaft dieses Tages in die Welt hinaus gehen.

Die momentane Lage komme ihm vor wie das Kaninchen, das vor der (Corona)Schlange sitze. Während es gebannt warte, würden die anderen Probleme der Welt schlicht vergessen: Im Mittelmeer ertrinken Flüchtlinge und niemand schaut zu. Die Natur schreit nach Wasser, in den Lagern an den Grenzen herrscht beispielloses Elend, Rechtsradikale probieren sich als Rattenfänger: Wir helfen euch (solange ihr Deutsche seid).

Nachdenkenswert sei in Zeiten der Corona-Krise auch, „wie bereitwillig wir Grundrechte aufgeben“. Menschenrechte seien ein brüchiges Gut, es gelte, sie immer wieder aufs Neue zu erringen, zu beschützen und zu bewahren. „Deshalb stehen wir heute hier“.

Pfarrer Stefan Nagel, der „nebenbei“ ein Video drehte (ab Sonntag online) betete das Friedensgebet von Franz von Assisi, ehe Michael Hinderer um die Kraft des Friedens bat.

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