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Industrie

So kämpft Leoni mit der Konjunktur-Krise

Die Auslastung im Leoni-Werk in Bad Kötzting ist deutlich niedriger als 2018. Doch es gibt auch gute Signale.
Von Roman Hiendlmaier

Raue Zeiten überstehen muss das Bad Kötztinger Werk im 50. Jahr seines Bestehens. Aktuell sind darin 115 Mitarbeiter beschäftigt Foto: Leoni AG
Raue Zeiten überstehen muss das Bad Kötztinger Werk im 50. Jahr seines Bestehens. Aktuell sind darin 115 Mitarbeiter beschäftigt Foto: Leoni AG

Bad Kötzting.Entlassungen, Kurzarbeit und Gehaltskürzungen: In der Region stehen tausende Arbeitsplätze im Feuer. Bei Osram in Regensburg mussten 300 Festangestellte und 200 Leiharbeiter gehen, BMW kürzt hoch qualifizierten Mitarbeitern Arbeitszeit und Gehalt, Continental will das Werk in Roding schließen.

Der Böhmische, der gestern auch über das Bad Kötztinger Werk der Leoni AG pfiff, war symptomatisch: Der Nürnberger Draht- und Kabelspezialist bekommt die Krise in der Autoindustrie noch zu spüren: „Seit einigen Monaten ist die Auslastung im Werk in Bad Kötzting deutlich niedriger als 2018,“ sagt Leoni-Sprecher Sven Schmidt – um eine relative gute Nachricht anzufügen: „Gleichwohl stabilisiert sich aktuell die Nachfrage“.

Aktuell 115 Mitarbeiter

Dr. Alf-Joachim Harkort (l.) gab den Leoni-Mitarbeitern eine Beschäftigungsgarantie bis 2023. Die Zusage für sechs Millionen Euro zusätzlich erhielten er und Werkleiter Ingo Neumann, um die Produktion zu verbessern. Foto: rh
Dr. Alf-Joachim Harkort (l.) gab den Leoni-Mitarbeitern eine Beschäftigungsgarantie bis 2023. Die Zusage für sechs Millionen Euro zusätzlich erhielten er und Werkleiter Ingo Neumann, um die Produktion zu verbessern. Foto: rh

Dass die aktuell 115 Mitarbeiter starke Niederlassung in Bad Kötzting die Flaute in der Fahrzeugbranche bisher einigermaßen gut wegstecken konnte, liegt nach den Worten des Unternehmenssprechers daran, dass die Auftragslage in Bad Kötzting zwar stark, aber eben nicht nur vom Automotive-Segment abhängt. Und selbst hier fühlt man sich gewappnet: „Grundsätzlich wollen wir in Sachen E-Mobilität zu den Profiteuren gehören, weil die Bordnetze, die wir herstellen, an Bedeutung gewinnen werden, wenn einmal sämtliche Energien und Daten in einem Fahrzeug darüber laufen werden.“ So verstärkte Leoni bereits vor ein paar Jahren seine Bemühungen für seine Dependance in Bad Kötzting. Es sollte die Wertschöpfung gesteigert, also Produkte angeboten werden, für die die Kundschaft bereit ist, mehr Geld zu bezahlen. Die Zusage für sechs Millionen Euro erhielten 2015 die damaligen Manager, um die Produktion in Bad Kötzting qualitativ besser und kostengünstiger zu machen. „Von den versprochenen Investitionen werden bis Ende des Jahres knapp die Hälfte getätigt sein,“ sagt Schmidt. Man arbeite mit Hochdruck an der Entwicklung von Produkten für E-Mobility, Hochfrequenz und Heizanwendungen. Und mit der ebenfalls in Nürnberg ansässigen Diehl-Gruppe will man Lösungen im Bereich des Batteriemanagements für E-Fahrzeuge entwickeln.

Konjunktur

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Aktuell nage man daran, dass im herkömmlichen Kabel- und Bordnetzbereich die Nachfrage schwächele, die künftige Fahrzeugs- und Antriebsgeneration jedoch zumeist erst in den Startlöchern stünde. 44 Millionen Euro Verlust hatte Leoni im Frühjahr gemacht, im Jahr zuvor waren es noch fast genau so viel Gewinn gewesen. Dazu schiebt Leoni einen gewaltigen Schuldenberg vor sich her. Vorstandschef Aldo Kamper sah sein Unternehmen schon im Sommer auf dem Weg der Besserung. Der ehemalige Osram-Manager will verhindern, dass Leoni im zweiten Halbjahr weiter Geld verliert, denn bei einer Aktiengesellschaft wie Leoni folgt solchen Nachrichten meist ein Absturz des Aktienkurses. Das Leoni-Papier legte seit seinem Tiefstkurs im August rund 30 Prozent zu.

50 Jahre Leoni in Bad Kötzting

  • 1969

    : Gründung des LEONI Standortes mit einer Lackdrahtfertigung

  • 1987:

    Start des Ausbaus zu einem modernen Draht- und Litzenwerk sowie Kompetenzzentrum für Mehrfachdrahtzug (Schwerpunkt: feine und extra feine Drähte)

  • 1994:

    Endgültige Einstellung der Lackdrahtfertigung

  • 2004:

    Integration von Fertigungslinien für Einzeldrähte, Speziallitzen und Seile – Querschnitt feiner als ein Haar bis 30 Millimeter.

  • Produktportfolio:

    Drähte, Litzen, Seile, Geflechte, Heizleitungen

  • Materialien:

    Kupfer, Leoni Histral Legierungen; Blank, verzinnt und versilbert

In Bad Kötzting fährt man vorerst auf Sicht: „Unsere Kapazitäten passen wir entsprechend an, indem wir Überstunden abbauen und die natürliche Fluktuation nutzen,“ so Sven Schmidt. Ohne Kurzarbeit komme man nicht aus – seit Juli zehn Prozent für rund ein Drittel der Belegschaft – aber der Personalstadt hält sich mit rund 115 Personen relativ stabil. Zur Erinnerung: Die letzte Autokrise vor zehn Jahren traf bei Leoni in Bad Kötzting neun Angestellte aus der Verwaltung. Zudem waren vier Zeitverträge ausgelaufen, was die Zahl der Belegschaft von damals gut 120 um 13 Mitarbeiter schrumpfen ließ.

Nichts Neues in Sachen Verkauf

Aktuell gilt nach den Worten von Sven Schmidts der im Jahr 2017 abgeschlossene Ergänzungstarifvertrag (Beschäftigungspakt bis 2023) auch weiterhin, ebenso die Beschäftigungssicherung und der Kündigungsschutz.

Um wieder Geld in die Konzern-Kasse zu bekommen, hart das Management angekündigt, sich eventuell vom Unternehmensbereich WCS zu trennen, zu dem auch der Standort Bad Kötzting gehört. Dazu hält sich Sven Schmidt jedoch bedeckt: „Da keine endgültige Entscheidung für eine der Optionen gefallen ist, bitten wir um Verständnis dafür, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben machen können, welche Auswirkungen sich auf einzelne Werke ergeben könnten“. Neue Informationen dazu werde es frühestens im November geben: Am 13. 11. will Vorstandschef Aldo Kamper zum nächsten mal über die Lage des Unternehmen informieren.

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