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Freizeit

So macht Helfen richtig Spaß

Die Johanniter-Jugend aus München hat zum zehnten Mal ein Wochenende in der Jugendbildungsstätte Waldmünchen verbracht.
Von Petra Schoplocher

Die richtigen Handgriffe können lebensrettend sein: Abdullah Khan zeigt sie. Schon zum zehnten Mal organisierte die Johanniter-Jugend im Regionalverband München ein Fortbildungswochenende in der Jugendbildungsstätte. Viele Teilnehmer kommen über den Schulsanitätsdienst. Foto: Schoplocher
Die richtigen Handgriffe können lebensrettend sein: Abdullah Khan zeigt sie. Schon zum zehnten Mal organisierte die Johanniter-Jugend im Regionalverband München ein Fortbildungswochenende in der Jugendbildungsstätte. Viele Teilnehmer kommen über den Schulsanitätsdienst. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Obwohl ich vorgewarnt bin: Im ersten Moment zucke ich ordentlich zusammen, als der Junge mit der blutenden Kopfwunde um die Ecke gepfiffen kommt. „Nix passiert, muss nur schnell Hände waschen“, ruft er fröhlich – und schon ist er verschwunden.

Freude am Helfen: Genau das ist es, was sich ein Wochenende lang in den Mauern der Jugendbildungsstätte (Jubi) breitmacht. Verantwortlich dafür ist die Johanniter-Jugend, die von München aus wieder einmal ein Fortbildungswochenende in Waldmünchen organisiert hat. Eines, für das sich 84 Teilnehmer und 15 Betreuer Zeit nehmen. Zeit, die sich im Fall der Fälle auch für einen Dritten als lebensrettend herausstellen könnte.

Einstieg in der Schule

Natürlich ging es auch immer wieder um die richtigen Handgriffe im Ernstfall. Die Organisatoren des Fortbildungswochenendes, Franco de Luca (rechts) und Leo Achmüller, mischten sich immer unter die 84 Teilnehmer und 15 Helfer. Foto: ps
Natürlich ging es auch immer wieder um die richtigen Handgriffe im Ernstfall. Die Organisatoren des Fortbildungswochenendes, Franco de Luca (rechts) und Leo Achmüller, mischten sich immer unter die 84 Teilnehmer und 15 Helfer. Foto: ps

Leo Achmüller könnte als Paradebeispiel durchgehen. Über den Schulsanitätsdienst ist er einst auf die Johanniter aufmerksam geworden, heute steht er mit Funkgerät am Revers als Mitorganisator in der Verantwortung. Der Abiturient lernte die Jugendgruppe in Ottobrunn kennen und erkannte sofort, dass „das was für mich ist“. Wegen dem Gemeinschaftsgefühl, aber vor allem auch, weil „man Menschen helfen kann“. Achmüller ist Jugendleiter, im Sanitätsdienst tätig, Beauftragter für die Schulen in Ottobrunn.... – Ehrenamtlich, wie auch all die anderen, die an diesem Wochenende in Waldmünchen „im Einsatz“ sind.

Höchst aufschlussreich war das, was die Medizinstudenten Ying Wu und Moreno Festini den jungen Leuten erklärten. Möglich war nicht nur ein Blick auf die einzelnen Organe – allesamt von einem frisch geschlachteten Schwein. Foto: ps
Höchst aufschlussreich war das, was die Medizinstudenten Ying Wu und Moreno Festini den jungen Leuten erklärten. Möglich war nicht nur ein Blick auf die einzelnen Organe – allesamt von einem frisch geschlachteten Schwein. Foto: ps

Die Zusammensetzung der Gruppe macht für seinen Kollegen Franco de Luca, Schulsanitätsdienst-Koordinator im Regionalverband München, einen weiteren besonderen Reiz aus. Unter den Referenten und Helfern sind Rechtsanwälte, Sozialpädagogen, Ärzte, Studenten oder Lehrer, „alle mit unterschiedlichem Background, aber dem gleichen Ziel“: die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen fachlich und hinsichtlich ihrer Sozialkompetenzen zu schulen. Vorteile sieht de Luca auch in der großen Altersspanne von zehn bis 23 Jahren. „Die Jüngeren lernen von den Älteren“, weiß er aus Erfahrung. Zudem bekämen sie aus erster Hand Eindrücke aus der rettungsdienstlichen Praxis.

Während die „Kleinen“ spielerisch an die Themen herangeführt werden, geht es bei denjenigen, die sich für den Rettungsdienst qualifizieren wollen, thematisch ordentlich zur Sache. So werden in einem Workshop EKG-Kurven ausgewertet, nebenan steht Reanimation oder Funken an, ein anderer Workshop vermittelt, wie Helfer Trauma-Patienten entgegentreten sollten.

 Im doppelten Sinne Fingerfertigkeit war beim Herstellen künstlicher Gliedmaßen gefragt. Diese wurden für die sich anschließenden Fallbeispiele benötigt, damit die Helfer möglichst originalgetreu üben konnten. Foto: ps
Im doppelten Sinne Fingerfertigkeit war beim Herstellen künstlicher Gliedmaßen gefragt. Diese wurden für die sich anschließenden Fallbeispiele benötigt, damit die Helfer möglichst originalgetreu üben konnten. Foto: ps

Die Teilnehmer überlegen, welche Kräfte bei einem Aufprall mit einem Auto an einen Baum wirken, was das abrupte Abbremsen mit dem menschlichen Körper macht. Doch auch der Umgang mit einem Schüler, der über Bauchschmerzen klagt, wird besprochen, damit die Nachwuchssanitäter auch praktische Hilfen für ihren (Schul-)Alltag mit nach Hause nehmen können.

Highlight Anatomie

Um Teamkommunikation ging es im Workshop von Sozialpädagogin Susanne Laus. Unter anderem erfuhren die jungen Johanniter spielerisch über die „Sender-Empfänger-Problematik“. Foto: ps
Um Teamkommunikation ging es im Workshop von Sozialpädagogin Susanne Laus. Unter anderem erfuhren die jungen Johanniter spielerisch über die „Sender-Empfänger-Problematik“. Foto: ps

Wenn auch mancher Seminarraum einem Klassenzimmer ähnelt: Nach gelangweilten Gesichtern sucht man vergebens. Zu interessant ist das, was die Jung-Johanniter zu hören bekommen. Als Highlight entpuppt sich der Kurs „Anatomie“. Dank einem frisch geschlachteten Schwein und dem entsprechenden Lehrschein dürfen die Teilnehmer Organe in die Hand nehmen, genau betrachten oder beim Sezieren eines Herzens zuschauen. „Nebenbei“ erfahren sie, wie viel Primärharn die Nieren jeden Tag produzieren (180 Liter), dass es gegen Hepatitis C keine Impfung gibt und was bei EPO-Doping im Körper passiert.

Zum zehnten Mal haben sich die Johanniter die Jugendbildungsstätte als Domizil ausgesucht. „Waldmünchen ist bei uns in München längst ein Begriff“, erklärt Franco de Luca. Die Gegebenheiten im Haus seien ideal und die „Städter“ würden ganz bewusst aufs Land gehen. Sieben weitere Ortsverbände neben den Münchenern sind dieses Mal mit von der Partie, angeboten werden 17 Workshops, eine Großübung und diverse authentische Fallbeispiele. Dafür wird gebastelt, geschminkt, vorbereitet und hergerichtet. Dafür und für viel mehr: für Momente im Team und für alle, die vielleicht mal Hilfe brauchen.

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