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Historie

So schmeckt Kötztings Geschichte

Die heutige TCM-Klinik und die „Post“ haben eine Jahrhunderte alte Geschichte. Die lebte bei Speis und Trank wieder auf.

Hausherr Anton Staudinger überraschte die Teilnehmer mit einem „Vorempfang“ im Foyer der TCM-Klinik, einem Nachfolgegebäude des einstigen Gschwandhofs. Foto: Rainer N. Heinrich
Hausherr Anton Staudinger überraschte die Teilnehmer mit einem „Vorempfang“ im Foyer der TCM-Klinik, einem Nachfolgegebäude des einstigen Gschwandhofs. Foto: Rainer N. Heinrich

Bad Kötzting.Stadtmarketing und Arbeitskreis Heimatforschung luden am Samstag wieder einmal zur „Historischen Einkehr“. Im Mittelpunkt der Ausführungen von Stadtarchivar Clemens Pongratz standen zwei Gebäude, in denen die Geschicke Kötztings maßgeblich beeinflusst wurden: Die „Post“ und der „Gschwandhof“ befanden sich über Jahrzehnte im Besitz der Familie Luckner.

Die Lebensgeschichte des kurfürstlichen Hopfenhändlers, Brauereibesitzers, Kammerers und Kirchenpflegers Wolfgang Samuel Luckner (1715 – 1794) hat Pongratz in den „Beiträgen zur Geschichte des Landkreis Cham“ ausführlich beschrieben. Seine kurzweilige Erzählweise ermöglichte den Interessierten ein plastisches Bild dieses in Cham geborenen, die Ellbogen einsetzenden, drei Mal verheirateten Mannes und 23-fachen Vaters.

Vor der Klinik für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), einem Nachfolgegebäude des einstigen Gschwandhofes, begrüßten Carola Höcherl-Neubauer und Clemens Pongratz 27 Teilnehmer. Hier stellte der Heimat- und Familienforscher die Geschichte des Gebäudes vor.

Der Gschwandhof war ein Marktlehen, lag außerhalb der Marktbefestigung und zählt zu den vier Kötztinger Urhöfen. Nachdem die meist adeligen Besitzer in früheren Zeiten oftmals wechselten, kam er 1700 in Privatbesitz der Familienfolge Krieger, Luckner, Poschinger, Schrank. Der letzte Besitzer, die Erbengemeinschaft der Schrank, verkaufte das Haus an den damaligen Bezirk (entspricht als Verwaltungsebene einem Landkreis.), der an dieser Stelle das Distriktkrankenhaus Kötzting errichtete. Heute ist der ehemalige Gebäudekomplex Krankenhaus und Josephsheim Sitz der TCM-Klinik.

Von der Brauerei zur Klinik

Inzwischen hatte die Besitzerfamilie Huber in der „Post“ die Vorbereitungen für den geselligen Abend abgeschlossen und begrüßte die Gäste mit einem Glas „Rittergold“ aus der privateigenen Brauerei. Die Geschichte des Kötztinger Brauereiwesens wurde neben der des Anwesens zwischen den einzelnen Gängen des servierten Menüs zu einem abendfüllenden Thema. Die „Post“ kann auf eine Jahrhunderte lange Geschichte zurückblicken. Das Gebäude wurde, so wie es sich heute noch präsentiert, von Samuel Wolfgang Luckner errichtet, aber 1619 wurde erstmals eine Brauerei in diesem Haus urkundlich erwähnt. Diese bestand bis 1972 und wurde 2011 wieder aufgenommen. 1869 wurde Josef Schmidt aus Gotzendorf neuer Besitzer. In seinem Sohn Karl fand Josef einen tüchtigen Nachfolger. Dessen Frau Katharina Schmidt übergab den Brauerei-Gasthof „Zur Post“ an die Tochter Anny Schmidt, die legendäre „Frau Post“. Im April 1945 beschlagnahmten die Amerikaner das Haus. Nach ihrem Abzug diente es wegen des Neubaus des Kreiskrankenhauses als Ausweichkrankenhaus. 1950 wurde das Gasthaus wiedereröffnet. 1985 übernahm die Gastwirtsfamilie Huber das denkmalgeschützte Anwesen.

Mit der Verleihung der Marktrechte erhielt Kötzting auch das Braurecht. Für den Markt war das Braurecht von großer Bedeutung, denn Bierverkauf war damals eine wichtige Einnahmequelle für die Kötztinger Marktlehner.

Handelsgeschäfte mussten auf dem Marktplatz abgewickelt werden. Bei Handelsgeschäften, vor allem aber bei Übergaben von Häusern und Anwesen war es damals üblich, einen festen Anteil, das „Drangeld“, für Speis und Trank zu verbrauchen. In Kötzting gab es genug Möglichkeiten, das zu tun: Die bis zu 36 Marktlehner konnten für sich und für ihren Ausschank zu Hause Bier brauen lassen, mussten dazu aber das Kommunbrauhaus des Markts nutzen.

Erste Privatbrauereien nach 1870

Ein Prozess aus dem Jahre 1587 gibt Auskunft über das Brauwesen in Kötzting. Hier gab es drei Braustätten: „den Markt, Michael Kiener, der das Braurecht seit Menschengedenken ererbt hat und Ander Rab, von seinem Vater ererbt, braut Weißbier.“ In einer Auflistung der Brauereien in Niederbayern von 1598 werden diese Braustätten bestätigt. Bei dieser Einteilung blieb es auch bis 1870. Dann entstanden nacheinander ein paar Kötztinger Privatbrauereien, so der Lindnerbräu, der Deckerbräu oder der Röhrlbräu. Heute gibt es in Kötzting nur noch zwei Brauereien: die „Post“ und den „Lindner“. Mit vielen Fotos und etlichen Geschichten über die Personen, die in den Häusern wohnten oder gastierten, illustrierte Pongratz den Vortrag. (kni)

Das Menü

  • Hauptgericht

    : Gefüllte Kalbsbrust mit Semmelknödel und Bayerisch Kraut

  • Nachspeise:

    Kirschenmichel im Reindl und Vanillesoße

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