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Netzwerkabend

So sieht Zukunft der Arbeit aus

Frank Eilers machte den Chamer Wirtschaftsjunioren Mut, das Thema „New Work“ anzunehmen sowie mutiger und flexibler zu sein.
Von Gregor Raab

  • Kreativität und Teamwork waren bei der Marshmellow-Challenge gefragt. Fotos: Gregor Raab
  • Stefan Reisinger und Susanne Müller bedankten sich bei Frank Eilers.

Cham.Trägheit und verkrustete Strukturen können für Firmen in Zeiten von „New Work“ ein heißes Eisen sein. In einer sich radikal verändernden Arbeitswelt sei stattdessen eine agile Organisation erforderlich, um den Anschluss nicht zu verpassen. Der bekannte Keynote-Speaker Frank Eilers forderte deshalb beim Netzwerkabend der Wirtschaftsjunioren im L.A. Cham die Führungskräfte dazu auf, mutiger und flexibler zu sein.

Unter dem Titel „Die Zukunft der Arbeit – alles anders oder nicht?“ erläuterte der Betriebswirt verschiedene Strategien für eine erfolgreiche Unternehmenskultur.

Die Arbeitswelt im Wandel

Mit seiner lockeren Art und einer gelungenen Mischung aus Tiefgründigkeit, Interaktion und Unterhaltung zog der Experte das Publikum von der ersten Minute an in seinen Bann. „Wir wissen nicht, was kommt!“, stellte er gleich zu Beginn fest. Dennoch versuche er, aus dem Hier und Jetzt die Zukunft abzuleiten. „Alles ist im Wandel. Es gibt keine festen Regeln und klar zu erkennenden Zusammenhänge mehr“, erklärte er.

Die Wirtschaft werde komplexer und neue Geschäftsmodelle würden an jeder Ecke entstehen. Die Grenzen zwischen den Berufen verschwämmen zunehmend – Banker würden zu Programmierern und Vertriebler zu Beratern.

Das Publikum hing Frank Eilers an den Lippen.
Das Publikum hing Frank Eilers an den Lippen.

Die Digitalisierung und Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz würden zudem den Menschen auf sein Menschsein zurückwerfen – vor allem im Berufsleben. Wenn Maschinen künftig bestimmte Arbeiten besser verrichten als der Angestellte, sei das Zeitalter der Kreativökonomie angebrochen. Daher gelte es, Abschied zu nehmen von der rationalen Leistungsgesellschaft. Das Konzept „New Work“ stelle vielmehr die Potenzialentfaltung eines jeden einzelnen in den Mittelpunkt.

Immer mehr Unternehmen entfernten sich deswegen bewusst von den traditionellen Regeln der Arbeitswelt. Vorreiter wie das Berliner Start-up „Einhorn-Kondome“ würden besonders auf die Eigenverantwortung ihrer Mitarbeiter setzen. Regulierte Hierarchien, feste Anwesenheitszeiten und klare Entscheidungsrollen gälten dort als Relikte der Vergangenheit.

Genau dieses Spannungsfeld zwischen Freiheit und Leistung könne aber durchaus zu Problemen führen – vor allem dann, wenn die Ideen von „Arbeit 4.0“ auf verkrustete Organisationsstrukturen träfen. Eilers verlangte aus diesem Grund von Unternehmern, offen für neue Lösungen zu sein, aus verschiedenen Perspektiven heraus zu denken und die den Menschen anhaftende Skepsis gegenüber Veränderungen abzulegen. Bildlich gesprochen müssten aus einem großen Tanker, der nur schwer auf Kurs zu bringen sei, viele schnelle und wendige Speedboote entstehen. Ausgegliederte Start-ups oder autonom arbeitende Teams seien hier bereits moderne Ansätze.

Die Zukunft der Arbeit – alles anders?

  • Der Referent:

    Frank Eilers ist in den Themen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Zukunft der Arbeit – auch bekannt unter dem Begriff „New Work“ – zu Hause. Zu sehen ist er auf Konferenzen, Führungskräftetagungen, Messen und Unternehmens-Events.

  • Themen:

    Zu den Themen Zukunft, Arbeit und Gesellschaft, wie Arbeitsphilosophen und Xing-Talk, hat Eilers verschiedene Podcast-Formate entwickelt. Als Stand-up-Comedian hat er die Veränderungen der digitalisierten Welt einer breiten Masse zugänglich gemacht. (cgo)

Um erfolgreich auf dem Markt zu bleiben, gelte es auch, sichere Pfade zu verlassen und Risiken einzugehen. „Ambidextrous Organization“ heiße die Fähigkeit, gleichzeitig effizient und flexibel zu sein. Das Schuster- und-Leisten-Denken habe längst ausgedient. Die Deutsche Post mache es vor. Zum Kerngeschäft bleibe die Logistiksparte, dennoch sei das Management bereit, neue Wege zu beschreiten. So sei der Konzern zwar einerseits mit seinem Online-Marktplatz „allyouneed.com“ krachend gescheitert, dafür gelte andererseits der Streetscooter als ein Erfolgsmodell im Bereich der E-Mobilität.

Die besten Impulse für Innovationen kämen generell, wenn Mitarbeiter nicht nur „Dienst nach Vorschrift“ leisten würden. Chefs sollten das Befehl-und-Gehorsam-Prinzip ablegen, ihren Leuten mehr Vertrauen schenken und ihnen Freiräume zugestehen. Essentiell sei auch eine transparente Kommunikation mit dem Ziel, möglichst viele Menschen miteinander zu vernetzen.

Sich gegenseitig wertschätzen

Der Arbeitsphilosoph betonte auch die Bedeutung der „selbsterfüllenden Prophezeiung“. „Wir verhalten uns, wie andere Menschen uns sehen“, merkte Eilers an. In einer Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung würden die Leute somit produktiver und erfolgreicher arbeiten.

Kreativität und Teamwork waren bei der Marshmellow-Challenge gefragt. Fotos: Gregor Raab
Kreativität und Teamwork waren bei der Marshmellow-Challenge gefragt. Fotos: Gregor Raab

Einen Grund, an dem Wandel der Arbeitswelt zu zweifeln, sah der New-Work-Experte nicht. Er machte den Wirtschaftsjunioren vielmehr Mut, die anstehenden Herausforderungen mit einer ordentlichen Portion Optimismus und einer positiven Grundeinstellung anzunehmen. „Es gibt Fragen, auf die es noch keine Antworten gibt. Entscheidend ist aber die Haltung zu den neuen Formen der Zusammenarbeit und im Umgang mit Künstlicher Intelligenz“, meinte Eilers.

Über eine Stunde hinweg hing das Publikum dem Redner bis zu seinem letzten Wort an den Lippen. Susanne Müller und Stefan Reisinger bedankten sich bei ihm für den abwechslungsreichen und mit vielen Pointen gespickten Auftritt.

Den restlichen Abend setzten sich die Teilnehmer dann in der ungezwungenen Atmosphäre der Location bei lebhaften Diskussionen weiter mit der Thematik auseinandersetzen. Kreativität und Teamwork war auch bei der Marshmellow-Challenge gefragt, bei der Kleingruppen aus Spaghetti und Klebeband einen möglichst hohen Turm bauen mussten, auf dessen Spitze ein Marshmallow steckte.

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