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So überleben Büchereien im Netzzeitalter

Sind kleine Bibliotheken in der digitalen, mobilen Welt noch konkurrenzfähig? Zum Welttag des Buches haben wir nachgefragt.
Von Felix Bruckner

„Die Bücherei ist mein Leben“, sagt Waltraud Aumann. Seit 2009 leitet sie ehrenamtlich die Pfarrbücherei in Geigant. Fotos: Bruckner, Jens Kalaene, dpa
„Die Bücherei ist mein Leben“, sagt Waltraud Aumann. Seit 2009 leitet sie ehrenamtlich die Pfarrbücherei in Geigant. Fotos: Bruckner, Jens Kalaene, dpa

Cham.Die Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen der Bayerischen Staatsbibliothek veröffentlicht jährlich eine Statistik aller öffentlichen Bibliotheken. Laut Ralph Deifel sind 2016 „die Entwicklungen gegenüber dem Vorjahr weitgehend stabil geblieben“. Die Zahl der Büchereien sank um 2,3 Prozent. Die aktiven Entleiher wurden geringfügig um 0,9 Prozent weniger, während die Bibliotheksbesuche um 1,1 Prozent zunahmen. Doch wie sieht es im Landkreis Cham aus? Welches Angebot haben kleine Büchereien und wer nutzt sie? Zum Welttag des Buches an diesem Montag haben wir nachgefragt.

Die Büchereileiterinnen in Geigant, Lam, Falkenstein und Wald betonen dabei unisono: Wir versuchen so gut wie möglich, alle Sparten und alle Zielgruppen zu bedienen – von Jung bis Alt, vom Sachbuch über den Roman bis hin zur Spielfilm-DVD. Den größten Arbeitsaufwand stelle die Auswahl der Bücher dar, sagt Waltraud Aumann. Für eine kleine Bücherei wie „ihre“ in Geigant mit einem Bestand von etwa 3000 Medien sei das oft schwerer als für große Bibliotheken: Denn trotz der kleineren Dimensionen müsse mit den angeschafften Medien das gesamte Klientel erreicht werden. Wie eine Neuanschaffung letztlich angenommen werde, sei vorher oft schwer abzuschätzen. Kinder sind und bleiben aber das Schwerpunktpublikum. Daher sei auch die Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen eine wichtige Voraussetzung für das Überleben der Büchereien. Laut Sabine Bornschlegl kommen die Hauptausleihen in Falkenstein von den Grundschülern. Elisabeth Aumer aus Wald erzählt, dass fast alle jungen Einwohner der Gemeinde regelmäßig in der Bücherei sind. Dort erhalten sie zum dritten Geburtstag über die Aktion „Lesestart“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ein „Lesestartertäschchen“ mit einem eigenen Buch. Von der Gemeinde bekommen sie zusätzlich einen Gutschein für eine Jahresgebühr in der Bibliothek.

„Wichtig ist natürlich vor allem die Leseförderung, für die man viel tun muss. Deswegen haben wir ein großes Angebot für Kinder und arbeiten eng mit der Grundschule zusammen“, sagt Gerlinde Dorner von der Bücherei Lam. Ob in Lam, Geigant, Falkenstein, Wald oder anderswo: Aktionen für Kinder sind wichtig und gut besucht.

Eine Brücke zu Antolin

Nicht nur in der Hängematte oder in der freien Natur: Lesegenuss ist überall möglich. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Nicht nur in der Hängematte oder in der freien Natur: Lesegenuss ist überall möglich. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Lesungen für Schulklassen, Bilderbuchkinos, thematische Ausflüge oder der Büchereiführerschein – so kommen die Kleinen gerne in die Bücherei. Beim Neukauf von Kinderbüchern achtet Aumann darauf, dass die Kinder diese auf Antolin finden. Auf dieser Seite können Schulkinder Fragen zu gelesenen Büchern beantworten und Punkte sammeln. Mit der Zeit zu gehen, ist für kleine Büchereien unabdingbar. Waltraud Aumann leitet die Geiganter Pfarrbücherei seit 2009 ehrenamtlich und hat innerhalb von nur drei Monaten sämtliche Bücher digitalisiert, so dass auf ein elektronisches Ausleihsystem umgestellt werden konnte. In Wald sind neben 8000 Medien vor Ort zusätzlich 30.000 weitere digitale Medien über „eMedienBayern“ verfügbar. Auf der Internetseite der Bücherei kann man schon vor dem Bibliotheksbesuch einsehen, welche Bücher verfügbar sind oder die Neuanschaffungen durchstöbern. Bei diesen neuen Angeboten müsse man auch als kleinere Bücherei einfach mitmachen, um attraktiv zu bleiben, sagt Aumann.

Einkauf und Verwaltung

Die Büchereien in Geigant, Falkenstein und Lam werden wie viele andere ehrenamtlich geleitet. Die Leiterinnen übernehmen vor allem Einkauf und Verwaltungsaufgaben und werden während der Öffnungszeiten von Helfern unterstützt. Sabine Bornschlegl betont, dass es ohne das Ehrenamt wohl nicht möglich wäre, eine kleine Bücherei zu halten. „Die Bücherei ist mein Leben“, sagt Waltraud Aumann und bringt es auf den Punkt: Ohne viel Herzblut und Engagement der Mitarbeiter wäre es für die kleinen Büchereien wohl sehr schwierig.

Der Welttag des Buches

  • Geschenke:

    Den UNESCO-Welttag des Buches gibt es seit dem Jahr 1995, seit 1996 wird er auch in Deutschland gefeiert. In Katalonien gibt es einen alten Brauch, am 23. April zum Feiertag des Heiligen Georg (Sant Jordi) Rosen und Bücher zu verschenken. Zwei Schriftsteller von Weltrang starben zudem am 23. April: William Shakespeare und Miguel de Cervantes.

  • Aktionen:

    Jedes Jahr erhalten in Deutschland Schüler der vierten und fünften Klassen an diesem Tag ein Buch geschenkt. Mit dem Welttagsbuch „Ich schenk dir eine Geschichte“ sollen sie zum Lesen angeregt werden. Auch in der Lamer Bücherei erhalten die Viertklässler das Buch, bearbeiten ein Quiz dazu und unter den Kindern wird ein weiteres Buch verlost, wie die Veranstalter mitteilen.

Auf Seminaren erfuhr Gerlinde Dorner: „Wichtig für den Erfolg einer kleineren Bücherei ist auch immer: „Wie steht der Träger hinter einem? Wie ist das Interesse vonseiten der Schule? Damit haben wir in Lam sehr viel Glück, wir erhalten viel Unterstützung und unsere Angebote werden geschätzt.“ In Wald hat es 2016 eine Umsatzsteigerung von 20 Prozent gegeben.

Und über die Falkensteiner Bücherei sagt Bornschlegl: „Wir hatten letztes Jahr die bisher meisten Ausleihen“. Zufrieden sind die Verantwortlichen auch in der Lamer Bücherei: „Man muss aber auch etwas dafür tun, damit das so bleibt: Reklame für die Bücherei ist wichtig, damit die Bevölkerung auf unser Angebot aufmerksam gemacht wird und es dann auch nutzt“, sagt Gerlinde Dorner.

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