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Verkehr

So vermeiden Sie Wildunfälle

Im Herbst ist Wildwechselzeit. Deshalb kommt es oft zu Unfällen. Polizei, Jäger und Versicherer geben Autofahrern Tipps.
von Anna Heidenreich

Im Herbst sind besonders oft Rehe und andere Wildtiere auf den Straßen unterwegs.  Foto: Patrick Pleul/dpa
Im Herbst sind besonders oft Rehe und andere Wildtiere auf den Straßen unterwegs. Foto: Patrick Pleul/dpa

Cham.1148 Wildunfälle verzeichnete die Chamer Polizei von Januar bis Ende August. Das sind fast zehn Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs, sagt Verkehrssachbearbeiter Georg Bayerl. Auf Staats- und Gemeindestraßen sei die Unfallzahl zwar etwas zurückgegangen. Aber: „Wir haben einen massiven Anstieg von fast 30 Prozent auf den Bundesstraßen“, sagt Bayerl. Auf den Kreisstraßen seien gut ein Viertel mehr Unfälle als 2018 passiert. Was können Autofahrer tun?

Auch wenn es etwas banal klingt – am wichtigsten sei es, vorausschauend und angepasst zu fahren. Das betonen Georg Bayerl und Gerhard Luckner, Vorsitzender der Jägerkameradschaft Cham, gleichermaßen. „Die Unfallschwerpunkte sind ohnehin mit Schildern markiert“, sagt Luckner. „Im Wald, an Feldern oder wo die Vegetation bis zum Straßenrand geht, sollte man grundsätzlich langsamer fahren.“ Die Autofahrer sollten laut Georg Bayerl den Waldrand „mit einem Auge im Blick haben“ und bremsbereit sein.

Steht dann das Reh vor einem auf der Straße, heißt es vor allem: Ruhe bewahren. Von Ausweichmanövern raten Luckner und Bayerl ab. Auch eine Vollbremsung sei nicht optimal. Besser sei „eine kontrollierte Bremsung, so dass das Fahrzeug lenkbar bleibt“, sagt Bayerl – auch, wenn es dadurch zum Zusammenstoß mit dem Tier komme.

Die Wildwechselzeit

  • Auslöser:

    Der Herbst ist ein Wildunfall-Schwerpunkt – erstens wegen der Maisernte. Dadurch verlieren Rehe ihre gewohnte Umgebung. Zweitens ist die Zeitumstellung ein Problem: Dann fallen Dämmerung, also Wildwechselzeit, und Berufsverkehr zusammen. Hinzu kommen Sportler, Schwammerlsucher und Co., die das Wild aufschrecken.

Wer das Tier rechtzeitig sieht, sollte zudem abblenden. „Die Tiere sind, gerade in der Dämmerung, auf das Licht des Fahrzeugs fixiert. Ein Lichtwechsel kann bewirken, dass das Tier aus der Starrhaltung kommt und doch noch wegläuft.“ Speziell bei Rehen müssten Autofahrer zudem im Hinterkopf haben, dass noch weitere Tiere hinterherlaufen können, sagt Bayerl.

Das ist zu tun, wenn’s kracht

Wenn trotzdem etwas passiert, sei als erstes die Unfallstelle zu sichern, sagt Jagdexperte Gerhard Luckner. „Danach ist die beste Möglichkeit, die Polizei anzurufen. Die haben Mitteilungen und Karten, wer für das Revier zuständig ist.“ Lebt das Tier noch, sollte das so schnell wie möglich passieren. „Um den Tierschutz durchführen zu können“, sagt Luckner. Sollte das Wild bereits verendet sein, könne man es von der Straße ziehen – „damit nicht noch jemand drüberfährt.“

Meistens können Wildunfälle der Versicherung gemeldet werden. Das erklärt Karl Wutz, freier Versicherungsberater aus Cham. Wichtig sei bei einer Schadensmeldung, sich von Polizei oder Jagdpächter eine Wildunfallbescheinigung ausstellen zu lassen und Fotos vom Fahrzeug zu machen.

Was die Versicherung zahlt, hänge vom Tarif ab. „Die Teilkaskoversicherung ersetzt Haarwildschäden, die durch einen Zusammenstoß mit dem Tier entstanden sind.“ Mit „Haarwild“ sei die Definition in Paragraf zwei des Bundesjagdgesetzes gemeint. Abgedeckt sind hier zum Beispiel Rehe, Wildschweine und Feldhasen, allerdings kein Federwild. „Ausweichmanöver beziehungsweise deren Folgen, ohne dass es zu einem Zusammenstoß mit dem Tier kam, seien in der Regel durch die Vollkaskoversicherung gedeckt. Die Teilkasko deckt diese Schäden nicht“, erklärt Wutz weiter.

Auch Spaziergänger sind in der Pflicht

Einige Versicherer bieten laut Wutz Schutz für Unfälle mit sämtlichen Tieren an. Hier lohne sich aber der Blick ins Kleingedruckte: Bei einigen Tarifen sei trotz der Formulierung „Tiere aller Art“ in den Bedingungen dann doch noch eine höhere Selbstbeteiligung vereinbart.

Den Grund für die vielen Wildunfälle heuer kennt die Polizei nicht. Aber es gibt eine Vermutung: Es ist immer mehr los im Wald und auf den Straßen. „Wir haben Schwammerlsucher, E-Bike-Fahrer, Spaziergänger – es rührt sich was im Wald. Und auf den Straßen genau so viel“, sagt Bayerl. Gerhard Luckner appelliert deshalb an diejenigen, die ihre Freizeit im Wald verbringen, „Rücksicht auf das Wild zu nehmen“. Zum Beispiel, indem sie nachts und in der Dämmerung auf ihre Ausflüge verzichten, weil das Rehe und Co. aufschreckt.

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