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Medizin

So viel Spaß macht es, Landarzt zu sein

Pauline Weismann machte ein Praktikum in Arrach und lernte Krankheitsbilder wie Stracka, Wehdam, Scheel und Zejha kennen.

Die angehende Medizinerin Pauline Weismann (stehend, 3. von links) fühlte sich im Praxisteam von Dr. Wolfgang Vogl (3.v.r.) sehr wohl. Zur gelungenen Famulatur gratuliert auch Bürgermeister Schmid.
Die angehende Medizinerin Pauline Weismann (stehend, 3. von links) fühlte sich im Praxisteam von Dr. Wolfgang Vogl (3.v.r.) sehr wohl. Zur gelungenen Famulatur gratuliert auch Bürgermeister Schmid. Foto: kpt

Haibühl. Am Fuße des Großen Arbers arbeiten und leben die vier engagierten Ärzte, die vor eineinhalb Jahren das Projekt „Exzellent“ ins Leben gerufen haben. Mit dem Programm „Exzellenter Winter“, einem vierwöchigen Praktikum in zwölf Praxen in den Landkreisen Regen und Cham, werden durch Organisator Dr. Wolfgang Blank (Hausarzt in Kirchberg im Wald) junge, fortgeschrittene Medizinstudenten, Ärztinnen und Ärzte in Hausarztpraxen an die Tätigkeit als Landarzt herangeführt. Dabei kommt nichts zu kurz, Leben wie Arbeit. Die Nachfrage ist groß. Die Vormittage verbringen die Studenten in den Praxen, die Nachmittage in Kursen. Langlaufen, Eisstockschießen, Rotwildfütterung und Schlittenhunde gehören zum Freizeit-Programm.

Interesse für Akupunktur geweckt

Die 22-jährige Pauline Weismann, angehende Medizinerin aus Bonn, studiert im 7. Semester an der RWTH Aachen. Sie war von Ende Februar bis Ostern Teilnehmerin des vielseitigen Fortbildungsprogramms in der Praxis von Dr. Wolfgang Vogl und begleitete während ihrer Famulatur den Hausarzt in der Praxis und bei Hausbesuchen. Dabei lernte sie viele Erkrankungen kennen, die sie bisher nur aus der Theorie kannte, und kam mit Patienten und Schicksalen in Kontakt. Der Praxischef weckte auch ihr Interesse für Akupunktur, Naturheilverfahren und Sportmedizin. Dr. Vogl hofft, dass Pauline Weismann später vielleicht selbst Landärztin wird.

„Hausärzte kennen ihre Patienten meistens sehr gut und arbeiten mit ihnen zusammen. Genau das finde ich an diesem Medizinzweig so faszinierend und schön. Ich möchte nicht nur medizinisch das Beste aus mir rausholen, sondern später auch als Ärztin vertrauensvoll und empathisch meine Patienten betreuen können“, sagt Pauline Weismann. Sie interessierte sich auch für die Gemeinde Arrach, den Lamer Winkel und vor allem für die ihr freundlich zugewandten Patienten. Viel Spaß bereiteten ihr auch die Bezeichnungen des waidlerischen Dialektes für Krankheitsbilder wie „Stracka, d’Sucht, Wehdam, Drud, d’Gripp, Haxn, Scheel, Zejha und andere.

„Ich möchte nicht nur medizinisch das Beste aus mir rausholen, sondern später auch als Ärztin vertrauensvoll und empathisch meine Patienten betreuen können.“

Pauline Weismann, Medizin-Studentin

Fast perfekt beherrscht die Bonnerin inzwischen das bayerische „Griaß de“ und „Pfüate Gott“. Mit dem in 40 Tagen erlernten Wissen wird sie nach Düsseldorf zurückkehren und die Bayerwaldgemeinde in guter Erinnerung behalten. Laut Mentor Dr. Vogl, seinem Team und den Patienten war Pauline keine Last, sondern eine glückliche Bereicherung in der Praxis.

Die LandArztMacher

  • Gemischtes Team

    Die „LandArztMacher“, wie sie sich selbst nennen, sind ein gemischtes Team aus zwei niedergelassenen Ärzten und zwei Klinikern: Dr. med. Jana Riedl, Fachärztin für Innere Medizin, Dr. med. Wolfgang Blank, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin, Dr. med. Martin Müller, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, PD Dr. med. Martin Kammerl, Facharzt für Innere Medizin, Nephrologie-Medizin und Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung.

  • Erfahrungen sammeln

    Diese Ärzte bieten Medizinstudenten ein vierwöchiges Praktikum im Landkreis Regen an. Dabei sollen die angehenden Mediziner sich fortbilden und sowohl in Praxen als auch in Kliniken Erfahrungen sammeln.

  • Aufs Land locken

    Ziel ist, mehr Mediziner aufs Land zu locken und das Bewusstsein der Studenten für den Beruf des Landarztes zu schärfen.

  • Region kennenlernen

    Daneben lernen die Studenten, die dank Unterstützung durch den Landkreis, durch Firmen und Krankenkassen freie Kost und Logis genießen, bei Ausflügen und Unternehmungen auch die Arber-Region kennen. (kpt)

Eine Option fürs Berufsleben

Als Vorbild wollte er der Studentin zeigen, wie viel Spaß der Beruf jenseits der Großstadt machen kann, und dass eine Landarztpraxis sehr wohl eine Option für das spätere Berufsleben ist. Der Arzt belohnte sie zum Abschied mit einem Buchgeschenk zur Allgemeinmedizin sowie einem hochprozentigen „Notfall-Mittel“. Da Pauline Weismann auch einmal im Sommer in dieser „wunderschönen Gegend“ Urlaub machen möchte, überreichte ihr Bürgermeister Sepp Schmid mit den besten Wünschen ein Heimatbuch. Er würde es sehr begrüßen, wenn sie einmal als Landärztin tätig würde, da dieser Berufszweig Mangelware ist. Das Durchschnittsalter der Hausärzte liegt in Bayern bei knapp 55 Jahren. In manchen Fällen wird gar kein Nachfolger für einen Hausarzt gefunden. „Die Herzlichkeit der Leute hat einen totalen Eindruck bei mir hinterlassen.“, gibt Weismann zu.

„Die Herzlichkeit der Leute hat einen totalen Eindruck bei mir hinterlassen.“

Pauline Weismann, Medizin-Studentin

Anfänglich sei der niederbayerische Dialekt für die Rheinländerin gewöhnungsbedürftig gewesen, aber das habe sich gelegt. Weismann hatte vor ihrem Praktikum im Bayerischen Wald wenig Interesse an der Hausarzttätigkeit. „Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, aber jetzt könnte ich mir eine Niederlassung schon vorstellen“, sagt sie. Sie dankte für die gute Aufnahme im Kollegenkreis. Auch im „Exzellenten Sommer“ ist wieder ein Praktikant in der Arracher Hausarztpraxis vorgesehen. (kpt)

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