mz_logo

Region Cham
Mittwoch, 23. Mai 2018 25° 3

Justiz

Sohn soll eigenen Vater geschlagen haben

Ein eskalierter Familienstreit in Rettenbach endete vor dem Chamer Richter. Vor Gericht gab es wenig Zweifel.

Zeugen belasteten den Angeklagten vor Gericht schwer. Foto: Oliver Berg/dpa

Rettenbach.Wegen drei Anklagepunkten musste sich ein Rettenbacher vor Gericht verantworten. Zunächst soll er am 3. August 2017 seinen Vater mit den Worten „Drecksau“, „Saubär“ und „Hammel“ beleidigt haben. Neun Tage später soll er seinen Vater im Zuge eines weiteren Streits neben Beleidigungen mit einem Faustschlag verletzt haben. Der flüchtende Vater sei daraufhin in einem Teleskoplader geflüchtet, der Sohn mit einem Kantholz hinter ihm er. Der Angreifer habe versucht, mit dem Kantholz durch den Teleskoplader hindurchzuschlagen. Nach kurzem Ablassen sei er erneut zum benommenen Vater zurückgekehrt und habe abermals auf ihn eingeschlagen. Etwa vier Schläge hätten das Opfer getroffen, ein Bruch des Mittelhandknochens dessen schwerste Verletzung. Der Gewaltexzess habe zudem eine teilweise Arbeitsunfähigkeit nach sich gezogen, starke Schmerzen seien über Tage hinweg vorhanden gewesen.

In seiner Aussage schilderte der Sohn das schlechte Verhältnis zu seinem Vater. Einen Faustschlag habe er ausgeteilt, ein Kantholz jedoch nicht gegen seinen Vater erhoben. Dieser habe ihn immer als Taugenichts bezeichnet. Weitere Beleidigungen seien in seine Richtung gefallen. Sämtliche Geschehnisse hätten sich in der Werkstatt des Anwesens zugetragen. Der Handbruch müsse durch Stoßen oder Ähnliches verursacht worden sein, nicht aber durch ihn. Mehrere Schläge habe es ohnehin nicht gegeben. Beleidigungen seien beiderseits gefallen, bedroht habe er den Vater nicht.

Einen Umzug beabsichtigt

Der Vater habe nie etwas vom Sohn wissen wollen. Dies sei über die Jahre hinweg nicht besser geworden. Der Sohn beabsichtige jetzt, umzuziehen, auf dem Anwesen sei es nicht möglich sich aus dem Weg zu gehen. Auf zwei Häuser verteilt lebten dort nur Männer. Verwandte, welche die Szenen beobachteten, hätten sich nicht eingemischt. Er selbst habe an den Tagen keinen Alkohol getrunken – im Gegensatz zu seinem Vater.

Der Onkel des Angeklagten erzählte als Zeuge, dass er laute Schreie gehört habe. Er sei hinaus geeilt, um zu sehen, was dort los sei. Beleidigungen habe er gehört, sein Bruder habe „käseweiß“ ausgesehen. Er habe versucht, die Streithähne auseinanderzutreiben, Körperverletzungshandlungen habe er nicht wahrnehmen können. In einem späteren Gespräch schilderte der Bruder die Geschehnisse dramatischer. Zu verbalen Auseinandersetzungen sei es immer wieder gekommen, Handgreiflichkeiten seien allerdings nie vorgekommen. Die Entfernung zwischen den Beiden während des Streits schätzte er auf etwa 1,50 Meter. Nachdem er dazwischenging, sei Ruhe gewesen. Ferner schilderte der Zeuge noch, dass der Vater sich tatsächlich nie richtig um den Sohn gekümmert habe. Als nächster Zeuge erklärte ein Polizeibeamter, dass er den Vater schriftlich zur Sache vernommen habe, nachdem dieser auf der Dienststelle aufgetaucht sei. Aus Sicht des Vaters sei sämtlicher Streit aus dem Nichts entstanden. Als Opfer habe der Vater Angst gehabt und einen eingeschüchterten Eindruck gemacht. Besonders um die Psyche des Mannes habe es nicht gut gestanden, so der Beamte. Er habe seinen Sohn gebeten, ihn doch bitte gehen zu lassen, schilderte das Opfer in seiner Aussage. Das Verhältnis sei früher mal besser gewesen, heute jedoch nicht mehr. Er habe ihm kurz nach dem Führerschein ein Auto gekauft, so schlecht könne das Verhältnis also nicht sein, argumentierte der Vater. Alle Handlungen hätten sich am Tag so zugetragen, wie sie dem Sohn vorgeworfen wurden.

Für die Staatsanwaltschaft hatten sich sämtliche Anklagepunkte vollumfänglich bestätigt. Die Aussage des Vaters sei glaubwürdig, zudem gäbe es Übereinstimmungen mit anderen Zeugenaussagen. Auch an der gefährlichen Körperverletzung mit dem Kantholz gäbe es keine Zweifel. Aus allen Taten sei eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten zu bilden. Diese könne zur Bewährung ausgesetzt werden, weil bislang lediglich eine Vorahndung gegen den Angeklagten vorlag. Zudem sei die Sozialprognose positiv.

Sicht der Verteidigung

Die Verteidigung sah die Angelegenheit mit anderen Augen. Der Sachverhalt sei keineswegs nachgewiesen, insbesondere die Handlung mit dem Kantholz, das auch durch die Polizei nicht gefunden worden sei. Weitere Widersprüche und ein möglicher Belastungseifer des Vaters, würden die Zweifel an der Schuld des Mandanten schüren. Eine Geldstrafe für die erwiesenen Delikte sei ausreichend. Richter Voit verurteilte den Angeklagten wegen allen Anklagepunkten. Neun Monate Gesamtfreiheitsstrafe zur Bewährung über drei Jahre, Angliederung an einen Bewährungshelfer sowie eine Geldstrafe von 1200 Euro zugunsten der German Doctors e. V. wurden verhängt. Schlüssig und glaubwürdig seien die Schilderungen des Vaters, insbesondere bei der Aussage auf der Polizeidienststelle, gewesen. Die Verletzungen seien begründbar, ein Belastungseifer seitens des Vaters nicht zu erkennen. Widersprüche in Bezug zur Aussage des Onkels, habe es nicht gegeben. (cya)

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham lesen Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht