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Spannung bis hinaus ins Foyer

Rodings Stadthalle drohte aus allen Nähten zu platzen. 700 Zuschauer erlebten einen gehaltvollen Abend zur Kommunalwahl.
Von Petra Schoplocher

Überwältigender Andrang: Bis ins Foyer standen die Zuhörer der MZ-Podiumsdiskussion mit den vier Rodinger Bürgermeisterkandidaten am Freitagabend in der Stadthalle. Rund 700 Wähler wollten sich das Politereignis nicht entgehen lassen.  Foto: Simon Tschannerl
Überwältigender Andrang: Bis ins Foyer standen die Zuhörer der MZ-Podiumsdiskussion mit den vier Rodinger Bürgermeisterkandidaten am Freitagabend in der Stadthalle. Rund 700 Wähler wollten sich das Politereignis nicht entgehen lassen. Foto: Simon Tschannerl

Roding.Was für ein Abend, was für ein Politereignis! Die Rodinger haben am Freitagabend im Kommunalwahlkampf ein riesiges Ausrufezeichen gesetzt: Rund 700 interessierte Bürger wollten sich den Schlagabtausch nicht entgehen lassen, den sich die vier Bewerber um den Chefsessel im Rathaus auf Einladung des Bayerwald-Echos lieferten. Und um es gleich vorwegzunehmen: Rainer Gleixner (CSU), Renate Hecht (SPD), Alexandra Riedl (Freie Wähler) und Alfred Stuiber (FDP) taten das Ihre für einen in jeder Hinsicht gehaltvollen Abend.

Ausblick

Rodings Bewerber-Quartett im Kreuzverhör

Jeder der vier Bürgermeister-Kandidaten will künftig mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung in der Kommunalpolitik.

Gehaltvoll, was die durchaus ernsten politischen Themen von hohem Schuldenstand über Krankenhaus und Ganzjahresbad bis zur Innenstadtbelebung betraf; aber auch gehaltvoll, weil unterhaltsam. Vor allem Alexandra Riedl und Alfred Stuiber bewiesen, dass Politik nicht immer eine ernste Angelegenheit sein muss. Der FDP-Kandidat, ohnehin oft mit knackig-kurzen Antworten unterwegs, bewarb sich unabsichtlich mit einem schlichten „Bravo!“ als Kommentar auf einen Redebeitrag aus dem Publikum um die kürzeste je bei einer Podiumsdiskussion gegebene Antwort.

Rodings Bürgermeister-Kandidaten stellten sich den

Ein Mann der kurzen Worte

Nicht viel länger brauchte er für die mögliche Begrüßung „seiner“ Rathausmitarbeiter als deren neuer Chef: „Griaß eich!“. Alexandra Riedl wollte dies um den Hinweis auf eine immer offene Tür zum Bürgermeisterbüro ergänzen. Rainer Gleixner würde darauf bestehen, „beim Du zu bleiben“ und Renate Hecht als kleinen Motivationskick anfügen, dass alle miteinander das Ziel hätten, Roding nach vorne zu bringen.

Alexandra Riedl (FW) vermisst am meisten „ihre Rodinger“, wenn sie mal nicht zu Hause ist. Das Schöne sei nämlich, dass man sich hier noch kenne. Dazu passend verwies sie auf die Regenreib’n als ihren Lieblingsplatz zum Entspannen. Foto: Tschannerl
Alexandra Riedl (FW) vermisst am meisten „ihre Rodinger“, wenn sie mal nicht zu Hause ist. Das Schöne sei nämlich, dass man sich hier noch kenne. Dazu passend verwies sie auf die Regenreib’n als ihren Lieblingsplatz zum Entspannen. Foto: Tschannerl

Ehe es für die Kandidaten tief, teils sehr tief, in die Thematiken ging, mussten sie Schlagfertigkeit beweisen: Alexandra Riedl musste erklären, welchen ihrer Mitstreiter sie gerne im Bus mitnehmen würde und warum. Lange überlegen musste sie nicht. „Den Al, weil der immer was zu erzählen hat und ganz besondere Ziele, wo sonst kein Mensch hinfährt“. Al(fred) Stuiber verriet, dass er Renate Hecht Blumen schenken würde. „Rote Nelken, weil sie doch im sozialdemokratischen Untergrund arbeitet“.

Renate Hecht konnte und wollte weder ihre Leidenschaft fürs Rodinger Freibad noch für die Belange von Senioren und Gehandicapten sowie das Thema Krankenhaus verbergen. Aus Sicht der SPD-Kandidatin sind ein Politikwechsel und eine andere Sichtweise geboten..Foto: Tschannerl
Renate Hecht konnte und wollte weder ihre Leidenschaft fürs Rodinger Freibad noch für die Belange von Senioren und Gehandicapten sowie das Thema Krankenhaus verbergen. Aus Sicht der SPD-Kandidatin sind ein Politikwechsel und eine andere Sichtweise geboten..Foto: Tschannerl

Renate Hecht und Rainer Gleixner gaben sich ausgleichend. Sie würden alle drei Mitstreiter bekochen (bei der SPD-Kandidatin gäbe es Fingernudeln mit Kraut) beziehungsweise im Oldtimer mitnehmen. „Nicht so weit, es ist ja nicht sonderlich komfortabel, aber bis ins Waldhäusl ginge es schon“, schob der CSU-Mann aus Neubäu schmunzelnd nach.

Rainer Gleixner (CSU) gab sich staatsmännisch und winkte dem Publikum galant zu. Warum er kandidiert? Unter anderem, weil er schon als Kind nah am Amt war (die Mutter war Gemeindeschreiberin) und zu der Erkenntnis kam: „Sowas will ich auch mal machen“. Foto: Tschannerl
Rainer Gleixner (CSU) gab sich staatsmännisch und winkte dem Publikum galant zu. Warum er kandidiert? Unter anderem, weil er schon als Kind nah am Amt war (die Mutter war Gemeindeschreiberin) und zu der Erkenntnis kam: „Sowas will ich auch mal machen“. Foto: Tschannerl

Überhaupt Rainer Gleixner: Bayerwald-Echo-Redaktionsleiter Frank Betthausen, der zusammen mit dem Rodinger Büroleiter Bastian Schreiner durch den Abend führte, freute sich sehr, dass der CSU-Kandidat seine zwischenzeitliche Absage revidiert hatte. So konnte das Publikum das gesamte Spektrum an Meinungen und Visionen erleben.

Sehen Sie hier weitere Bilder der Podiumsdiskussion:

Podiumsdiskussion der BürgermeisterKandidaten in R

Selbige sogen die Rodinger, die bis ins Foyer standen und sogar die Seitenbühne bevölkerten, förmlich auf. Mal war es mucksmäuschenstill, mal brandete Beifall auf, mal durfte herzlich gelacht werden. Nur ein einziges Mal flammte Missstimmung auf, als Rainer Gleixner darauf hinwies, dass er seinerzeit einer derjenigen gewesen sei, die den nach 24 Jahren scheidenden Bürgermeister Franz Reichold auf den Schild gehoben hätten.

Das Prädikat „Fair Play“

Trotz des „überwältigenden Ansturms“ und der unterschiedlichen politischen Lager darf sich das Rodinger Publikum das Prädikat „Fair Play“ anheften. Wie auch die Kandidaten selbst, die sogar auf kleine Sticheleien den Mitbewerbern gegenüber verzichteten. Frank Betthausen hatte bei der Begrüßung schon für alle Bewerber eine Lanze gebrochen: „Sie alle vier sind bereit, Verantwortung zu übernehmen für die Allgemeinheit und Ihre Heimatstadt. Das verdient Respekt.“ Und er verteilte noch ein Kompliment: Nach den Podiumsdiskussionen in Cham und Waldmünchen habe Roding bei den Besucherzahlen „mal wieder alles getoppt“.

Bürgermeister will er werden, weil „des a super Job is’“ und die Sana-Kliniken würde er am liebsten rausschmeißen: Alfred Stuiber war nicht nur der Mann der kurzen, sondern auch der klaren Worte. Auch ihm würden am meisten „d’Leit“ abgehen, wenn er weg ist. Foto: Tschannerl
Bürgermeister will er werden, weil „des a super Job is’“ und die Sana-Kliniken würde er am liebsten rausschmeißen: Alfred Stuiber war nicht nur der Mann der kurzen, sondern auch der klaren Worte. Auch ihm würden am meisten „d’Leit“ abgehen, wenn er weg ist. Foto: Tschannerl

Ob es einen Sieger des Schlagabtausches gab? Zumindest schlug das „Applausometer“ am Ende bei Alexandra Riedl und Alfred Stuiber mehr aus als bei ihren beiden Mitbewerbern. Ein anderer Sieger wurde hingegen noch am gleichen Abend gekürt: die Demokratie. Die haben die Rodinger am Freitag auf Touren gebracht.

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