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Region Cham
Donnerstag, 16. August 2018 27° 1

Schule

Spinat verliebt sich in Tomatensoße

Zum Prüfungsessen hatten Chams Gerhardingerschülerinnen geladen. Insgesamt 29 junge Frauen zeigten ihr Wissen übers Kochen.
Von Claudia Peinelt

Das Essen steht auf dem Tisch, die Spannung ist abgefallen. Jetzt muss das Prüfungsessen nur noch schmecken. Fotos: Peinelt
Das Essen steht auf dem Tisch, die Spannung ist abgefallen. Jetzt muss das Prüfungsessen nur noch schmecken. Fotos: Peinelt

Cham.Eine ganz komische Stille herrscht in der Großküche der Gerhardinger Realschule. Am Montag mussten sich Lena, Tamara, Hannah, Nina und Linda ihre praktische Prüfung in Hauswirtschaft und Ernährung ablegen. An der einen Ecke wurde mit dem Handrührer gemixt, gegenüber wurde fleißig im Topf mit Blaukraut gerührt und im Backofen brutzelten bereits einige große Stücke Schweinebraten vor sich hin.

Auf einem Tablett lagen die vorbereiteten Schupfnudeln und Hannah reibt gerade den Spätzleteig durch ein großes rundes Sieb in das kochende Salzwasser. Tamara steht am Ofen und vor ihr ist der Topf mit dem sprudelnd kochendem Fett. Darin bäckt sie gerade ihre Striezel heraus.

Die jungen Köchin Nina Stahl dünstet den Spinat in der Pfanne vor. Später wird er mit weiteren Zutaten zu einem Spinatknödel-Muffin verarbeitet, das zur Tomatensoße gereicht. Fotos: Peinelt
Die jungen Köchin Nina Stahl dünstet den Spinat in der Pfanne vor. Später wird er mit weiteren Zutaten zu einem Spinatknödel-Muffin verarbeitet, das zur Tomatensoße gereicht. Fotos: Peinelt

Puhh, wie gut riecht das denn? Eine der jungen Damen ruft durch die Küche, ob jemand noch offene Butter hätte. Und dann ist da Nina. Sie ist ober-nervös. „Ich glaub, ich werde mit meinen Spinat-Knödel-Muffin nicht fertig“, sagt sie und lacht zwar dabei, doch sieht man ihr an, wie nervös sie ist. Und zwischendurch schleichen die beiden Lehrerinnen Birgit Oswald und Maria Schoierer durch die Küchenzeilenreihen. Sie geben ab und zu kurze, Anweisungen, helfen aber auch mal, bevor es wirklich brenzlig wird.

Gott sein dank etwas anderes

Frische Zutaten sind beim Kochen im wichtig. Die Radieschen gehörten zum bayerischen Tapas-Teller, der zusammen mit Wurstsalat und Obatzn serviert wurde. Fotos: Peinelt
Frische Zutaten sind beim Kochen im wichtig. Die Radieschen gehörten zum bayerischen Tapas-Teller, der zusammen mit Wurstsalat und Obatzn serviert wurde. Fotos: Peinelt

„Bevor hier was komplett daneben geht, greife ich schon ein“, erzählt Oswald. Sie war selber vor 34 Jahren hier an der Realschule und hat ihren Abschluss in Hauswirtschaft gemacht. „Doch damals gab es die alte Küche im Haupthaus noch. Ganz was anderes war das. Da hat sich Gott sei Dank in der Zwischenzeit viel geändert“. Sie weiß also ganz genau, wie man sich an so einem Prüfungstag fühlt. Im Speisezimmer wurde in der Zwischenzeit die Kaffeetafel gedeckt. Eine weiße Tischdecke erstreckt sich über den langen Tisch und weiß-blaue Rautenservietten mitteln diesen ab. Darauf steht in Vasen weißer Flieder. Jeder Essensplatz ist ebenfalls mit weiß-blauen Servietten und Besteck eingedeckt. Jetzt kann auch jeder der insgesamt neun geladenen Gäste das Motto des Prüfungsessens erraten. „Bayern tischt auf“, heißt es an diesem Montagmittag in der Schulküche.

Auch der stellvertretende Schulleiter Johannes Dieckmann sitzt mit am Tisch. Er erzählt, dass er gleich morgens bei den Prüflingen in der Küche vorbei geschaut hat und jeder einen Schokoriegel vorbei gebracht hat. Nina kommt gerade ins Esszimmer und der Konrektor prüft gleich mal ihren Puls am Handgelenk. „Naja, nicht mehr ganz so schlimm wie am morgen“, meint er und lacht.

Für gute Gastgeber gehört auf das stilgerechte Servieren dazu. Auch Walter Hamperl vom Landratsamt ließ sich beim Prüfungsessen in der Schule gern verwöhnen. Fotos: Peinelt
Für gute Gastgeber gehört auf das stilgerechte Servieren dazu. Auch Walter Hamperl vom Landratsamt ließ sich beim Prüfungsessen in der Schule gern verwöhnen. Fotos: Peinelt

Dieckmann habe natürlich bemerkt, wie nervös die jungen Frauen waren und hat ihnen Mut gemacht. Am Montag ist das bereits das zweite Prüfungsessen. An fünf Tagen werden insgesamt 29 Schülerinnen ihre praktische Prüfung ablegen. Und jedes Mal wird zu einem anderen Thema gekocht, erklären die beiden Hauswirtschaftslehrerinnen. Bei der ersten Prüfung war das Thema „Retro“. Was dann noch folgen wird, ist natürlich noch geheim. Die Mädchen ziehen ihre zu kochenden Rezepte und müssen dann einen Arbeitsplan schreiben, der ebenfalls bewertet wird.

Erst das Gebet, dann die Tapas

So, und nun war es dann soweit. Lena, Tamara, Hannah, Nina und Linda kommen in den Speiseraum und alle miteinander sprechen ein Mittagsgebet. Dann wird ein Holunderblütencocktail serviert. Auf einer Schieferplatte wird jedem Gast ein bayerischer Tapas-Teller hingestellt. Das war ein Wurstsalat in einem weißen Schälchen zusammen mit einem Obatzten und einigen Scheiben Radieschen. Dazu wird ein Kräuterhörnchen gereicht. Das war schon einmal sehr lecker.

So sieht der Bayerische Tapas-Teller aus, der als Vorspeise gereicht wurde mit Wurstsalat, Radieschen und Obatzn. Schon das Anrichten ist eine Kunst. Fotos: Peinelt
So sieht der Bayerische Tapas-Teller aus, der als Vorspeise gereicht wurde mit Wurstsalat, Radieschen und Obatzn. Schon das Anrichten ist eine Kunst. Fotos: Peinelt

Darauf folgten Ninas Spinatknödel mit Tomatensoße. Ebenfalls ein Gedicht von einer Vorspeise. Die bayerische Kartoffelsuppe mit Brotchips schmeckte ganz anders als zuhause, jedoch sehr schmackhaft. Mit einem Lächeln von den Mädchen wurde schließlich die erste Hauptspeise aufgetragen. Eine Scheibe Schweinebraten mit einem Semmelknödel und Sauerkraut. Blaukraut mit Spätzle gehörten schließlich zum Sauerbraten und Schupfnudeln mit süßem Kraut war die dritte Hauptspeise. Tja, jetzt war man als Gast eigentlich schon satt.

Doch die bayrische Creme mit Früchten und dem Datschi-Burger konnte keiner stehen lassen. Auch wenn Konrektor Christian Haringer und Franz Summerer eigentlich schon komplett satt waren, ließen sie sich auch noch die Basierschnitte „Franz von Stuck“, die Apfelrosen und einen Quarkstriezel servieren.

Und dann war Erleichterung sowohl bei den Prüflingen, als auch bei den beiden Lehrerinnen zu spüren. „Ein sehr gutes Essen, serviert mit charmanten Lächeln, was will man mehr“, so Franz Summerer.

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