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Region Cham
Freitag, 25. Mai 2018 23° 8

Baustelle

Stadthalle Cham: Kampf um Fertigstellung

20 bis 40 Arbeiter müssen Christian Müller und sein Team täglich im Auge behalten, um am 1. Juni eröffnen zu können.
Von Johannes Schiedermeier

Bühne frei zum Baustellenbesuch: Das Parkett der neuen Halle ist nahezu fertig verlegt und die Bühne wird demnächst ihrem ersten Praxistest unterzogen. Foto: Tschannerl

Cham.„Das ist jetzt schon extrem spannend“, sagt Christian Müller vom Bauamt der Stadt. Diese Äußerung ist nahe am Gefühlsausbruch. Wenn man bedenkt, dass der zuständige Mann für die Arbeiten an der neuen Stadthalle von seiner Chefin Karin Bucher als „ruhig und gern im Hintergrund „ beschrieben wird, dann bekommt man eine ungefähre Vorstellung davon, was sich derzeit auf dem Bauplatz abspielt.

Der Mann mit dem Überblick: Christian Müller vom Stadtbauamt muss täglich die Baustelle im Blick haben. Was für den Laien aussieht wie Chaos, hat bereits seine Ordnung, so auch dieser Raum, der vollgepackt ist mit Lüftungs-, Heizungs- und Elektroinstallation. Foto: Schiedermeier

20 bis 40 Arbeiter muss Müller mit seinem Team derzeit täglich im Auge behalten, damit das, was für den Laien wie Chaos aussieht, zu keinem ausartet. Vom Vorplatz aus geht es durch ein Labyrinth von Granitstein-Paletten Richtung Seiteneingang. „Heutzutage musst du das ganze Material schon haben, bevor du es brauchst. Sonst ist es nicht da, wenn es benötigt wird“, sagt Müller.

Chams Bürgermeisterin spricht über die Stadthalle

Kampf um Zeitplan und Finanzen

Mit Bürgermeisterin Karin Bucher führt er über die Baustelle. Auf der Bühne wird schon der erste Probelauf diskutiert. Die Parkettleger haben sich bereits bis auf wenige Reihen durch den ganzen Saal an den Bühnenaufbau herangearbeitet. Nur noch ein paar Wochen bis zur Eröffnung am 1. Juni. – Nervös, Frau Bürgermeisterin? Schlaflose Nächte?“ – Karin Bucher lacht: „Wenn ich Stress kriege, werde ich eher ruhig. Nicht nervös. Und schlaflose Nächte habe ich wegen anderer Dinge, nicht wegen der Stadthalle.“

Die Bühne der Stadthalle im 360-Grad-Bild

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Männer auf Knien: Bis zur Bühnenkante haben sich bereits die Bodenleger vorgearbeitet. Sie verkleben im Saal derzeit Parkett aus „Räuchereiche“. Der Vorteil: Die Platten sind komplett durchgefärbt. So bleiben oberflächliche Schäden nahezu unsichtbar. Foto: Tschannerl

Die Bürgermeisterin spricht die Probleme offen an. Drei Firmen sind erst gar nicht angetreten: Der Schreiner, der Estrichbauer und der Türensetzer. Das haut einen nicht nur in der Zeitplanung zurück. Das trifft auch die Finanzen. Firmen, die einspringen, lassen sich das auch zahlen. Die Stadt ist derzeit mit dem ersten Verweigerer bereits vor dem Landgericht Regensburg und versucht, sich die Zuzahlung wieder zu holen. „Wir werden auch die anderen verklagen“, kündigt Bucher an.

Was kostet die Stadthalle aktuell? „25 Millionen Euro“, sagt Bucher. „Wir sind ein bisschen drüber“, ergänzt Müller. Die Bürgermeisterin hat eine eigene Sicht der Dinge: „Wenn die Berufsschule fertig ist, kostet sie fast das Doppelte. Darüber redet auch keiner. Mein sparsamer Papa hat gesagt, wenn du schon was kaufst, dann kauf was Gescheites“ Der zuständige Mann aus dem Bauamt ist nicht ganz so resistent wie seine Chefin. Er hat in der Nacht erst zwei Stunden geschlafen und ist dann wieder aufgewacht. Wegen der Stadthalle. „Mir ist da noch was eingefallen.“

Sehen Sie hier, wie die Stadthallen-Baustelle in Cham noch vor wenigen Monaten ausgesehen hat und was sich seitdem getan hat.

Die Stadthalle von außen im 360-Grad-Bild

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„Ich schreib mir selbst E-Mails!“

Auf die Frage, was er dann tut, um wieder einschlafen zu können, sagt Müller: „Ich schreibe mir selbst E-Mails. Dann weiß ich, dass ich den Punkt nicht vergesse. Dann kann ich auch wieder schlafen – hoffentlich.“

Das Restaurant: Unter Druck sind auch die Arbeiten am Restaurant, weil die Pächter in Probebetrieb gehen müssen, bevor die Halle am 1. Juni eröffnet wird. Derzeit laufen die Installationen an der Bar und in der Küche. Dann wird im Restaurant-Bereich noch mit Holz vertäfelt. Foto: Schiedermeier

Derzeit läuft die Baustelle gut. Das muss sie auch. In 14 Tagen schon wollen die Gastronomen einziehen. Bis dahin muss das Wassernetz seine Prüfung überstanden haben. Die Stadt hat eine Probe ins Labor geschickt. Die wartet dort 14 Tage lang auf Bakterien, die sich hoffentlich nicht bilden. Auch die Bühne ist bereits fast fertig. Der Probelauf darf aber erst stattfinden, wenn die Sicherheitsprüfung bestanden und die Brandmeldeanlage auf die Integrierte Leitstelle (ILS) des Rettungsdienstes aufgeschaltet ist.

„Bitte verlassen Sie das Haus“

Wie auf ein Stichwort schrillt aus der Lautsprecheranlage Alarm und eine Stimme ruft: „Hier spricht die Leitung des Hauses. Aufgrund eines technischen Defekts müssen wir Sie bitten, das Haus zu verlassen. Bitte benutzen Sie alle Ausgänge und gehen Sie ins Freie!“ – „Probealarm“, grinst Müller.

Auf dem Weg vom Saal ins künftige Restaurant: schwarzer Basaltboden, weiße Eiche an den Wänden. Viel Holz, viel Glas. Gediegen. „Ich kenne keine Stadthalle, die mir so gut gefällt“, schwärmt Bürgermeisterin Karin Bucher. „Bei uns ist nicht einfach nur alles technisch. Es ist besonders.

Der Technikraum der Stadthalle im 360-Grad-Bild

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Unendliche Weiten: Rund 1700 Quadratmeter Pflaster werden im Außenbereich der neuen Stadthalle verlegt. Der Löwenanteil davon auf dem Vorplatz an der Further Straße. Die Außenanlagen sind in Verzug, weil im März immer noch Frost im Boden war. Foto: Schiedermeier

Die 25 Millionen Euro Kosten müsse man nicht nur deswegen differenziert sehen. „Man darf auch nicht vergessen, dass vom Abbruch der alten Halle, über die notwendige Baugrundverbesserung bis zum ersten Grundstein schon zwei Millionen weg waren“, so Bucher. Zudem müsse man bis zu 25 Prozent der Gesamtbaukosten als Planungs- und Nebenkosten anrechnen, fügt Müller an. Bis zum letzten Bautag werde man auch mit den Folgen der anhaltenden Hochkonjunktur am Bau zu kämpfen haben, sagt er voraus.

Gibt es einen Plan X, falls die Halle doch nicht fertig wird? „Gibt es“, sagt Bucher, „brauchen wir aber nicht!“ Bei den ersten Veranstaltungen sei immer eine diesbezügliche Klausel eingearbeitet. Müller schließt sich dem Optimismus an – mit Einschränkungen: „Es läuft, es wird knapp und es bleibt spannend, weil jeder Tag neue Überraschungen bringt. Schließlich hat nie zuvor jemand diese Stadthalle gebaut!“

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