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Region Cham
Samstag, 24. Februar 2018 3

Kommune

Stadthalle: Drei Firmen wurde gekündigt

Auf Chams Großbaustelle gibt es Probleme mit den Handwerkern. Mit der ersten Firma streitet die Stadt vor dem Landgericht.
Von Christoph Klöckner

Der Stadtrat schaute sich am Donnerstag den Innenausbau der Stadthalle an. Hier kommt die Großküche fürs Restaurant hin. Foto: Klöckner

Cham.„Das wird eine heiße Schlussphase werden!“ – Bürgermeisterin Karin Bucher ist sich da ganz sicher. Sie meint den Innenausbau der neuen Stadthalle in Cham mit Blick aufs anvisierte Eröffnungsdatum 1. Juni – und nicht die Handballspiele der deutschen Mannschaft, die derzeit auch bis zur letzten Sekunde Nerven kosten.

Der Saal ist gefüllt mit Dämmmaterial, Arbeitsbühnen und dem Parkett, das hier verbaut wird. Eine besondere Akustik wird durch Akustikplatten und die geschlitzten Holzverkleidungen entstehen. Die Bühne (hinten) bekommt gerade den Boden. Foto: Klöckner

Nerven braucht Stadthallen-Planer Christian Müller vor allem dann, wenn dort nichts vorwärts geht, wo eigentlich doch gearbeitet werden sollte. Dann sitzt er wie auf heißen Kohlen, schreibt Mahnungen und wartet, dass der kommt, der eigentlich doch laut Vertrag in der neuen Stadthalle arbeiten sollte.

Dreimal ist bisher trotz aller Mahnbriefe und Drohungen kein Arbeiter erschienen – dreimal hat die Stadt bislang die Konsequenzen gezogen und den Unternehmen gekündigt. Mit einer Firma streitet sie gerade vor dem Landgericht um das Geld, das die Stadt für die Neuvergabe zusätzlich ausgeben muss.

Abwarten bis zum Fristablauf

Man müsse warten, bis die mit den Firmen vertraglich festgelegte Frist abgelaufen sei, erläuterte Karin Bucher. Erst dann sei es möglich, die Aufträge nach der Kündigung wieder neu zu vergeben. Das verbrauche wichtige Zeit, die es aber in Fülle nicht mehr gibt, um das Eröffnungsdatum zu halten. Er frage auch nicht mehr nach Gründen, so Müller – das sei müßig. Wer nicht kommen wolle, auf Mahnungen nicht reagiere, der wolle nicht kommen.

Sehen Sie hier einen Einblick in den großen Veranstaltungssaal

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Die drei Kündigungen erfolgten so im vergangenen halben Jahr wegen Nichterscheinens auf der Baustelle. Den Auftakt machte eine Firma im Juli. Eigentlich sollte sie für 157 000 Euro die Tischlerarbeiten an den Wand- und Deckenverkleidungen im Foyer in Angriff nehmen, dazu im Restaurant und in den Tagungsbereichen die Türen setzen. Doch trotz aller Aufforderungen kam kein Handwerker, um den Auftrag zu erfüllen.

Die Stadträte schauten sich am Donnerstag die Stadthalle an und begannen im Parkdeck. Hier sind 168 Stellplätze. Parkgebühren gibt es auch für Gäste: pro angefangene Stunde 1 Euro, ein Tag (7-18 Uhr) 6 Euro, nachts (18-7 Uhr) 3 Euro. Foto: Klöckner

Deshalb kündigte ihm die Stadt nach nichtöffentlichem Stadtratsbeschluss und bemühte sich, den Auftrag neu zu vergeben. Danach folgte eine Estrichfirma im November, die ihre Arbeiten nicht übernahm, jetzt aktuell ein Unternehmen, das die Innentüren in Bereichen der Halle einbauen wollte und sollte, die nicht öffentlich zugänglich sind. Auch die kam nicht. In Zeiten der Hochjunktur im Baubereich ein schwieriges Unterfangen, wie Christian Müller weiß.

Habe man genug Zeit, könne man den Auftrag neu ausschreiben. Nur Zeit ist genau das, was die Stadt nicht hat. Deshalb werden die Bieterlisten, die bei der Auftragsvergabe ein Angebot geschickt haben, der Reihe nach angefragt, ob sie die Kapazitäten haben, um zu übernehmen. Dann natürlich zu dem höheren Preis, für den die Firmen sich beworben hatten.

Impressionen von der Baustelle der Stadthalle Cham

Den Mehrbetrag, die die neue Auftragsvergabe dann kostet, versucht die Stadt von der ersten Firma wieder reinzuholen, die den Auftrag ursprünglich zugesagt bekommen hatte. Weil sie die Günstigste war – was ihr nun teuer zu stehen kommt. Wenn es sie dann noch gibt – schließlich sei es nichts Ungewöhnliches, dass Unternehmen etwa in der Baubranche auch schon einmal Insolvenz anmelden, bemerkt Christian Müller.

Dabei geht es für die Stadt um keine Kleckerbeträge. Bei der jüngsten Kündigung gehe es allein um 30000 Euro Differenz, so viel wie bei den Estricharbeiten. Bekommen habe den Auftrag jetzt die Firma, die an dritter Stelle kam. Der zweite Bieter habe gleich abgewunken – bis Mai sei da überhaupt nichts möglich, so dessen Antwort.

Sehen Sie hier einen Einblick in das Foyer

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Geld nicht so wichtig wie Zeit

Wobei weniger das Geld die große Rolle spielt, mehr wiegt die Zeit. Die neue Firma, die nun die Türen einbauen wolle, passe gerade noch in den Zeitplan für die Fertigstellung der Halle. Er hoffe, dass sich nicht noch eine weitere Firma von ihrem Auftrag verabschiede. Man müsse deshalb immer vor Ort sein, schauen und reden, um die Arbeiten voranzubringen.

Das Technikherz der Halle mit Server und Stromverteilung und scheinbar unendlichen Metern an Kabel. Genauso kompliziert schaut die Heizungsanlage für die Verteilung der Fernwärme aus, die über Rohre überall hin die Bodenheizung bedient. Foto: Klöckner

Die Stadthalle wird wohl bis kurz vor Neueröffnung eine Baustelle bleiben. Offizieller Eröffnungstermin sei am 1. Juni, bis Ende April müsse dafür alles fertig sein, sagt Müller. Denn im Mai beginnt die kurze Probephase, um das Stadthallen-Team mit der Umgebung vertraut zu machen und die Abläufe und die Technik zu testen.

Bald nach der Eröffnung sind erste offizielle Termine von Konzertveranstaltern gebucht. Würden solche Termine in Gefahr geraten durch die Verzögerung der Bauzeit, sei das für die Stadt kein finanzielles Desaster etwa durch Schadensersatzforderungen, so Bürgermeisterin Karin Bucher. Die Verträge mit den Veranstaltern seien entsprechend formuliert, um darauf vorbereitet zu sein. Nur wolle das natürlich keiner.

Die Stadthalle solle einen guten Start haben, so Bucher, der Andrang sei groß. Sie freue sich besonders, dass auch beide Chamer Gymnasien die Halle für ihre Feiern gebucht hätten.

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