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Kommune

Stadtschloss: Heimatpfleger für Abriss

Der Kreisheimatpfleger befürwortet einen Neubau anstelle der ehemaligen Weißbierbrauerei in Cham. Der muss jedoch passen.
Von Christoph Klöckner

Um die hinteren Gebäude geht es in der Diskussion um Abriss oder Neubau. Foto: Klöckner
Um die hinteren Gebäude geht es in der Diskussion um Abriss oder Neubau. Foto: Klöckner

Cham.Er sieht sich irgendwie zwischen allen Stühlen bei der aktuellen Diskussion um den Abriss alter Lager- und Produktionshallen auf dem Gelände der ehemaligen Weißbierbrauerei am Meranweg. Doch für Kreisheimatpfleger Hans Wrba gibt es zu einer Sache keine zweite Meinung: Das Schlechteste wäre ein Leerstand bis zum endgültigen Verfall. Er ist deshalb für den Abriss der Hallen und einen Neubau, jedoch nicht so, wie er bislang vorlag. Und das auch, weil er wenig Schloss in dem sieht, was noch da ist. „Die Abrissgegner jagen hier einem Phantom hinterher!“, sagt er. Zu viel habe sich im 19. Jahrhundert auf dem Gelände verändert, als dass hier große Überbleibsel der Burg zu finden wären.

Die Postkarte von 1913 zeigt die Höchstetter-Brauerei mit Biertor und Klosterkirche. Zu sehen ist auch der Schornstein für den Qualm der mit Kohle betriebenen Dampfmaschine. Foto: Stadtarchiv Cham
Die Postkarte von 1913 zeigt die Höchstetter-Brauerei mit Biertor und Klosterkirche. Zu sehen ist auch der Schornstein für den Qualm der mit Kohle betriebenen Dampfmaschine. Foto: Stadtarchiv Cham

Wrba sieht die Gefahr, dass das Gebäude am Ende so stehen bleibt, wie bisher und dann irgendwann zusammenfalle. Die Gebäude seien schon jetzt in einem schlechten Zustand. Er nehme einen Abbruch hin – „aber nicht leichtfertig“, betont er. Neben der Leerstandsbedrohung gehe es ihm vor allem um eine Belebung der Stadt und des Stadtviertels. Das bedeute für ihn ein positives Votum für einen Neubau einer Wohnanlage, jedoch einer, der an dieser Stelle neben dem Biertor altstadt- und denkmalgerecht ist, so wie es auch Stadtbaumeister Franz Pamler im Bauausschuss verlangt habe.

Lesen Sie hier: Landratsamt und Denkmalpfleger haben noch keine Basis gefunden, ob und wie bei der alten Weißbierbrauerei gebaut werden darf.

Chams Kreisheimatpfleger Hans Wrba Foto: Tschannerl
Chams Kreisheimatpfleger Hans Wrba Foto: Tschannerl

Der bisher bekannte Entwurf für den Neubau entspreche dem ganz sicher nicht, so Wrba: „Man kann die Planung durchaus besser machen.“ Zum Thema Stadtschloss betont der Kreisheimatpfleger, dass diese Chamer Burg, die dort einmal stand, bereits 1626 aufgegeben wurde. Man sei damals an den Kirchplatz umgezogen, in ein echtes Renaissancegebäude. Das sei 1965 für das heutige Amtsgericht abgerissen worden. „Es wurde damals geopfert, ohne dass dem einer nachtrauerte“, so Wrba. Auch dazu, dass die diskutierten Gebäude keine Denkmäler seien, äußerte sich der Kreisheimatpfleger. Vermutungen, es sei am Personal des Amtes gescheitert, wies er zurück. Dass eben diese großen Hallen nicht in die Denkmalsliste aufgenommen seien, sei „nicht aus der Luft gegriffen.“ Dabei habe sich der Fachmann in den 90er Jahren, der damalige Gebietsreferent für den Denkmalschutz, Dr. Gieß, ganz sicher etwas gedacht. Diese Gebäude seien nicht einfach vergessen worden, sagt Hans Wrba. Er betont, dass ihm besonders wichtig sei, dass hier eine Belebung stattfindet, zumal bald die Realschule weg sei und das alte Kloster auch leer stehe, „sonst stirbt die Stadt.“ Mehr Wohnraum in dem Bereich helfe auch den Geschäften in der Innenstadt und mache die Altstadt attraktiver.

Er hob hervor, dass den Eigentümern nichts vorzuwerfen sei. Die Familie habe schon viel getan rund ums Biertor. Nur die Neubauplanung müsse sicher noch überarbeitet werden, um ein passendes Pendant zum Denkmalsensemble daneben zu finden.

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