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Molkerei

Start ohne Gentechnik gelungen

Die Offensive für die Marke „Goldsteig“ ist gut angelaufen. Nach und nach werden nun die Markensortimente mit Käse ohne Gentechnik ergänzt.
von Christoph Klöckner

Viel investiert hat die Firma Goldsteig zuletzt in neue Produktionshallen. Die neue Linie „Ohne Gentechnik“ soll jetzt die Eigenmarke stärken. Fotos: ck

Cham. Am Ende entscheidet der Kunde mit seinem Einkaufswagen, ob der neue „Goldsteig“-Käse mit dem grünen Label ein Renner wird oder nicht. Seit Mitte Januar locken die ersten Goldsteig-Mozzarellas mit dem grünen Aufdruck „Ohne Gentechnik“ im Regal. Es sei zu früh, um bereits Erfolge zu feiern – die könnten frühestens nach einem Jahr sichtbar werden, sagt Andreas Kraus. Doch sei zumindest der Start gelungen, ohne Probleme sei die neue Linie angefahren worden. Doch der Weg bis dorthin war weit, weiß Andreas Kraus.

Futter ohne Gentechnik ist da

Übers ganze vergangene Jahr hinweg wurde die Ausweitung auf die zertifizierte Produktion vorbereitet, so der Geschäftsführer der Goldsteig-Käsereien. Es begann dort, wo Milch herkommt. Bei der Kuh im Stall. Um die gentechnikfreie Produktion von Beginn an zu sichern, mussten alle Bauern ihre Höfe prüfen lassen. Dabei wird vor allem aufs Futter geschaut, das die Kühe fressen. Denn nur wenn das Futter bereits ohne Mithilfe von Gentechnik produziert wurde, können die Höfe zertifiziert werden. Das schließt etwa günstigeres Soja-Kraftfutter aus, das gentechnisch verändert wurde. Deshalb war bereits im Vorfeld der Umstellung von mancher Seite geunkt worden, es gebe gar nicht genug gentechnisch einwandfreies Futter. Das habe sich als falsch erwiesen, sagt Andreas Kraus. Die großen Futterlieferanten hätten vorher bei Goldsteig angerufen, um sich vom neuen Weg der Käsereien zu überzeugen. Als von dort die Bestätigung kam, hätten sich die Lieferanten darauf eingestellt. Es gebe genug Futtermittel ohne Gentechnik, so Kraus.

Nichts für die Discounter

Von den Höfen, die mitmachen wollten, sei kein einziger ein Totalausfall gewesen. Nur wenige Bauern hätten nachbessern müssen, um zertifiziert zu werden. Die Erfassung der zertifizierten Milch laufe seit 1. Dezember 2012 reibungslos. Von den Genossenschaftsbauern der Goldsteig sind es etwa zwei Drittel, die Gentechnik freie Milch liefern. Auf die Gesamtmilchmenge gerechnet sind es etwa 48 Prozent, die als Milch „ohne Gentechnik“ in Cham ankommen.

Ausgenommen von dem neuen Lieferweg sind die tschechischen Landwirte, die ihre Milch an die Goldsteig-Käsereien liefern. Schon ohne sie war die logistische Umsetzung für das Extra-Einsammeln der Milch ohne Gentechnik viel Aufwand. Den Erfolg sucht Andreas Kraus mit Produkten ohne Gentechnik für die Eigenmarke mit dem Namen Goldsteig. Keine Fremdmarke und auch kein Aldi oder Lidl oder sonst ein Discounter sollen dieses Produkte erhalten. Mit dem Label als Alleinstellungsmerkmal soll die Marke Goldsteig wertvoller werden. Das ist das Konzept, die langfristige Strategie, die die Chamer Käsereien verfolgen, um mit der Eigenmarke mehr Gewinn einzustreichen. „Es ist nicht die schöne, weiß-blaue Farbe, weshalb die Kunden uns kaufen“, sagt Kraus.

Ziel sei es, für die Marke Goldsteig etwas zu tun. Der momentane Vorteil werde erst dann entwertet, wenn andere nachziehen würden und die großen Discounter Waren mit dem Label „Ohne Gentechnik“ im Sortiment hätten. Die Goldsteig werde diese aber nicht liefern und der eigenen Marke Konkurrenz machen. Vor dem Hintergrund steigender Sensibilität der Verbraucher könnte das Label hilfreich sein, um sich abzuheben.

Strukturwandel kostet Milch

Wenig will er zum aktuellen Thema „Ende der Quote“ sagen. Das werde derzeit heiß diskutiert unter den Bauern. Doch wie sich das entwickeln werde, mag er nicht einschätzen. Das sei alles Kaffeesatzleserei und nicht abzusehen. So gut wie möglich bereite sich die Goldsteig darauf vor.

Zumindest eine Chance sieht Kraus: der Wegfall der Mengenbeschränkung könne vielleicht einen Ausgleich schaffen für die schrumpfende Milchmenge, die durch den Strukturwandel unaufhaltsam vorwärtsschreite. Jedes Jahr gehe die Zahl der produzierenden Landwirte zurück.

Investitionen in neues Labor

In jedem Fall wird Goldsteig auch nach den Millionen Euro für das große Regallager und das Käseverarbeitungszentrum weiter in den Standort Cham investieren.

Ein Anbau an das bestehende Verwaltungsgebäude sei für dieses Jahr geplant und außerdem ein neues Labor. „Ein neues Laborgebäude ist wichtig“, so Kraus. Hier gebe es Handlungsbedarf. Gerade im Lebensmittelbereich sei ein Labor zur Qualitätssicherung unverzichtbar.

Neue Geschäftsstrategien außerhalb der Markenstärkung verfolgen die Chamer nach eigenem Bekunden nicht. Vorhersagen innerhalb der Branche, dass es weitere Fusionen geben werde und sich der Anbietermarkt weiter bereinige, lässt Geschäftsführer Andreas Kraus ungerührt. „Bei uns hat keiner nachgefragt“, sagt er lachend. Die Goldsteig sei sich aber auch selbst genug und suche keinen Partner.

Die Goldsteig-Käsereien

„Goldsteig“ wurde 1992 als Gemeinschaftsunternehmen der Goldsteig Käserei Plattling eG und der Molkereigenossenschaft Cham gegründet.

Rund 770 Millionen Kilogramm Milch verarbeiten die Goldsteig Käsereien Bayerwald GmbH pro Jahr in ihren Standorten. Aus dem Verkauf der veredelten Produkte ergab sich ein Umsatz von über 350 Millionen Euro.

An Materialaufwand – hauptsächlich Milchgeld – gab die Goldsteig 2010 rund 281 Mio. Euro aus. Beschäftigt sind bei der Goldsteig etwa 560 Menschen.

Rund 3500 Milcherzeuger liefern an die Goldsteig Käsereien ihre Milch ab. Rund 600 Mio. Kilogramm kamen aus elf Landkreisen. Der „Rest“ wird jenseits der Grenze in Tschechien eingesammelt.

Hauptgeschäftsführer ist Andreas Kraus (41), unterstützt von den Prokuristen Josef Wagner und Dipl. Ing. Uwe Grünemeyer.

In Deutschland ist Goldsteig die Nummer 1 bei Mozzarella, europaweit die Nummer 2. Heute reicht die Palette von Mozzarella in allen Formen, Emmentaler, Schnittkäse, Camembert, Limburger bis zu Joghurt, Sahne, Butter, Ricotta und Mascarpone.

Seit Januar 2013 gibt es erste Produkte der Marke Goldsteig mit dem Label „Ohne Gentechnik“. Nach und nach sollen alle Käsesorten dieser Marke mit dem Siegel ausgerüstet werden. Strategie ist die Stärkung der Eigenmarke, die mit Imagewerbung forciert werden soll.

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