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Projekt

Stöbern auf dem Rathaus-Speicher

Für den Einbau eines Fahrstuhls und die Dämmung wird in Waldmünchen eifrig gewerkelt. Ein etwas anderer Baustellenbesuch
Von Petra Schoplocher

„Es sieht hier nicht immer so aus“, sagt Bürgermeister Markus Ackermann, als er sich den Weg zum Fenster vorbei an Akten und Dokumenten bahnt. Weil ein Aufzugschacht ins Dach gezogen wird, dieses energetisch saniert wird und neue Räume bekommt, ist der Speicher derzeit Baustelle. Foto: Schoplocher
„Es sieht hier nicht immer so aus“, sagt Bürgermeister Markus Ackermann, als er sich den Weg zum Fenster vorbei an Akten und Dokumenten bahnt. Weil ein Aufzugschacht ins Dach gezogen wird, dieses energetisch saniert wird und neue Räume bekommt, ist der Speicher derzeit Baustelle. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Richtig gemütlich ist es im Amtszimmer von Bürgermeister Markus Ackermann derzeit nicht und auch viele weitere Bedienstete des Rathauses müssen mit Lärm und neuen Wegen zurechtkommen. Grund: Nach der Winterpause geht die Sanierung des Rathauses weiter. Und das buchstäblich von der Eingangsstufe bis auf den Dachboden.

Grandioser Ausblick: Vom Dachboden geht der Blick weit ins Land. Foto: ps
Grandioser Ausblick: Vom Dachboden geht der Blick weit ins Land. Foto: ps

KIP heißt das Kommunalinvestitionsförderprogramm, in das die Stadt 2016 hineingerutscht ist und das ihr über 730 000 Euro Förderung für die energetische Sanierung des Rathauses bringt.

Dazu gehören neben dem Einbau neuer Fenster auch barrierefreie Zugänge, Dämmungen, ein entsprechender Außenanstrich sowie der Anschluss an die Fernwärmeleitung. Weil diese Arbeiten gerade in vollem Gang sind, ist der Eingang ins Rathaus derzeit nur über das Tourismusbüro möglich.

Schwerpunkt Energiesparen

Dass auch unter dem Giebel des 1907 errichteten Gebäudes gewerkelt liegt, hat zwei Gründen. Zum einen wird das Dach gedämmt – die gesamte Maßnahme läuft unter dem Schwerpunkt „energetische Sanierung“, wozu auch die Umstellung auf LED-Beleuchtung gehört. Zum anderen wird alles vorbereitet, um zu einem späteren Zeitpunkt einen Aufzug einzubauen. Dafür ist ein massiver statischer Eingriff in die Decke nötig, erklärt Markus Ackermann. Der Einbau eines Aufzugs – laut Bürgermeister „natürlich wünschenswert“ – wäre im Gegensatz zu den Vorarbeiten nicht gefördert worden. Deswegen will die Stadt warten und zusehen, ob sich nicht eine andere Fördermöglichkeit auftut.

Einen Vorteil hat der Eingriff in Richtung Dach. Bisher sei nur ein kleiner Teil des oberen Geschosses überhaupt nutzbar gewesen. „Teils schaut man direkt auf die Dachziegel“, warnt das Stadtoberhaupt vor dem Ortstermin hoch über dem Marktplatz. Dort stemmen derzeit Zimmerleute Holzlatten und Balken über einen Außenzugang durch schmalen Luken, das Treppenhaus ist nicht nutzbar.

Mittlerweile funktioniert das Glockenspiel im Rathaustürmchen elektrisch, aber die Kabel erinnern noch an längst vergangene Zeiten. Foto: ps
Mittlerweile funktioniert das Glockenspiel im Rathaustürmchen elektrisch, aber die Kabel erinnern noch an längst vergangene Zeiten. Foto: ps

Die Temperaturschwankungen auf dem Dachboden ohne Isolierung – diese wird jetzt nachgeholt – seien natürlich „vom Feinsten“ gewesen. Deswegen ist Markus Ackermann froh, dass sich im Zuge der Maßnahme die Möglichkeit bietet, Wände so einzuziehen, dass vernünftige Archivräume geschaffen werden können. „Da haben wir einiges stiefmütterlich behandelt“, gibt der Bürgermeister zu und freut sich auf die immerhin kleinen Verbesserungen und neuen Ordnungsmöglichkeiten. Ein Quantensprung sei aber nicht zu erwarten, „wir wissen ja, wo wir herkommen.“

Da staunt selbst der Bürgermeister. Durch das Hin- und Herräumen – damit die Arbeiter an die benötigten Stellen herankommen – taucht zwischen Regalen oder Kisten das ein oder andere interessante Teil oder Dokument auf. Foto: ps
Da staunt selbst der Bürgermeister. Durch das Hin- und Herräumen – damit die Arbeiter an die benötigten Stellen herankommen – taucht zwischen Regalen oder Kisten das ein oder andere interessante Teil oder Dokument auf. Foto: ps

Allerdings sei nicht von einem musealen Archiv die Rede, sondern von einem, auf das vor allem die Verwaltung zugreift. „Im erweiterten Tagesgeschäft“, etwa, um alte Unterlagen herauszusuchen. Auch der Kreisheimatpfleger hat Zutritt, für Bürger können Dokumente herausgesucht werden. Die wirklich wichtigen Urkunden und Dokumente würden jedoch im Safe lagern, relativiert Ackermann.

Doch auch so gibt es „oben“ eine Menge zu entdecken. „Manchmal bringen wir die Mitarbeiter was, auf das sie gestoßen sind“, verrät der Rathauschef. Und auch er selbst findet es spannend, in alte Ordner oder Kisten zu spicken.

Dabei ist schon der Dachboden selber eine eigene Fundgrube. Das alte Uhrwerk der Turmuhr etwa – mittlerweile nicht mehr mechanisch betrieben – steht noch majestätisch herum. Für Staunen sorgen auch die Drähte, die einst dafür verantwortlich waren, dass das Glockenspiel ertönte und so manches Detail.

Moderne Toiletten

Schon abgeschlossen ist die Sanierung der öffentlichen Toiletten, die um ein behindertengerechtes WC erweitert wurde. Dieses war bisher im Rückgebäude untergebracht und war nur schlecht zu erreichen, nun liegt der Zugang für alle Richtung Marktplatz. Dass die Anlage noch nicht genutzt werden kann, liegt an der Fernwärmeleitung, die gerade vor der Tür verlegt und dann in Richtung Untere Bräuhausstraße weitergeführt wird. Gleichzeitig wird dann der Rathauseingang barrierefrei, so dass es noch einige Wochen zu Einschränkungen kommen wird.

So sieht der Blick derzeit aus dem Bürgermeisterzimmer auf den Eingangsbereich aus. Wenn die Fernwärmeleitung verlegt ist, wird der Zugang barrierefrei gestaltet. Rathausbesucher werden noch einige Wochen die Tourist-Information nutzen müssen. Foto: ps
So sieht der Blick derzeit aus dem Bürgermeisterzimmer auf den Eingangsbereich aus. Wenn die Fernwärmeleitung verlegt ist, wird der Zugang barrierefrei gestaltet. Rathausbesucher werden noch einige Wochen die Tourist-Information nutzen müssen. Foto: ps

Diese werden auch die Bediensteten noch treffen, schließlich soll der Austausch der Fenster bei laufendem Betrieb erfolgen. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, sind entsprechende Absprachen nötig – wie auch bei der Außenfarbe. Eine alte Aufnahme des Rathauses zeigt es in zartem Rosa, „das muss aber nicht sein“, schmunzelt der Bürgermeister.

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