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Kultur

Stoiber-Maler sind unvergessen

Eine Würdigungsstätte beleuchtet nun das Schaffen der Volksmalerfamilie. In vier Generationen schufen sie herrliche Werke.
Regina Pfeffer

  • Initiator Günther Meindl (links) hieß alle Anwesenden willkommen. Er informierte über seine Beweggründe und stellte die Malerfamilie Stoiber kurz vor. Fotos: Regina Pfeffer
  • Pfarrer Johann Wutz stellte mit der kirchlichen Segnung die Würdigungsstätte unter den Schutz des Herrn.
  • Die würdige Anlage fand allseits Bewunderung: (v. re.) Louis Breu, Günther Meindl, Gemeinderätin Marion Weber, Armin Aschenbrenner.
  • Freude über das gelungene Werk: (v. li.) Initiator Günther Meindl, Bürgermeister Sepp Schmid, Pfarrer Johann Wutz sowie Hermann und Ramona Holzer

Arrach.Die in Haibühl ansässige Familie Stoiber gehört zu den interessantesten Volksmalerfamilien des Bayerischen Waldes. In vier Generationen (von 1906 bis 1977) hat sie über ein Dutzend Maler hervorgebracht, die in der Gegend einen großen Bekanntheitsgrad erlangten.

Vor kurzem konnte im Dorfpark von Haibühl, in unmittelbarer Nähe der einstigen Werkstätten, die von Günther Meindl angeregte und verwirklichte Würdigungsstätte enthüllt und von Pfarrer Johann Wutz gesegnet werden. Festgehalten sind dort ein Künstlerstammbaum, ein Teil ihrer Arbeiten und Erklärungen zur allgemeinen Kunst der Hinterglasmalerei.

Zum Eröffnungstermin konnte Günther Meindl Bürgermeister Sepp Schmid und mehrere Gemeinderäte willkommen heißen. Dank sagte er auch Pfarrer Max Heitzer, der in seinem Buch zur Heimatgeschichte und einer Dia-Reihe die Vorlage geliefert hatte. Die hochwertigen Bildtafeln wurden zusammengestellt und mit modernster Technik gestaltet von Hermann und Ramona Holzer (Medienproduktion Holzer) aus Prackenbach. Die Holzkonstruktion erstellte Armin Aschenbrenner, die Blecharbeiten Paul Preuß. Die Bauhofmitarbeiter erledigten weitere Arbeiten, wie die Anbringung einer Beleuchtung oder das Versetzen der Brücke über den Bach.

Die ganze Familie malte

Günther Meindl beleuchtete kurz die Lebensgeschichte der Maler- und Bildhauerfamilie. Begründer der Dynastie war Andreas Stoiber (1778 bis 1857), der in einer Werkstätte in Dietfurt im Altmühltal seine Ausbildung erhielt. Deswegen könne er nicht der Neukirchner Schule zugerechnet werden, wie irrtümlich oft zu lesen ist. „Andreas Stoiber gründete die Haibühler Schule“, ist Meindl überzeugt. Nach seiner Lehre ging Andreas Stoiber auf Wanderschaft und übte in verschiedenen Städten und Märkten künstlerische Arbeiten aus.

Im Jahr 1805 bewarb er sich als Marktmaler in Bad Kötzting, wurde jedoch abgelehnt. Durch seine Heirat 1806 mit der Haibühlerin Anna Lemberger zog er nach Haibühl und baute das Haus Nummer 7. Dieses wurde 1976 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt (jetzt Engelshütter Straße 18). In diesem Haus richtete er seine Werkstätte ein, begann Hinterglasbilder zu malen und Aufträge im Fassmalen und Bildhauen auszuführen. Auch seine Brüder Johann Georg und Anton waren bei ihm beschäftigt. Der Ehe entsprangen acht Kinder und auch Vater Georg Stoiber und Andreas‘ Frau Anna erlernten die Hinterglasmalerei.

Es mangelte nicht an Aufträgen, denn einen großen Kundenkreis bildeten die Wallfahrer nach Neukirchen b. Hl. Blut. Mehrere Lehrlinge wurden ausgebildet und machten die Haibühler Schule bekannt. Sein Bruder Georg zog als Hinterglasmaler in die Stadt Regen und eröffnete dort eine Filiale. Im Jahr 1856 übernahm Andreas‘ Sohn Jakob die Werkstätte in der Dorfmitte im Pauli-Woferl-Hof (bis 1890). Dann folgte dessen Sohn Josef Stoiber (1851 bis 1941), der bis zu seinem Lebensende malte. Man nannte ihn den „Stoiber-Vater“.

Das Inhaus wurde 1937 durch einen Neubau ersetzt, der im Jahre 1905 durch einen Brand zerstört wurde. Der letzte Hinterglasmaler dieser Dynastie war Josef Weber (1896 bis 1977), ein Urenkel von Andreas Stoiber. Er erlernte die Malerei bei seinem Vetter Josef Kuchler in Lam. Drei Monate vor seinem Tod malte Josef Weber noch einen heiligen Wolfgang für Günther Meindl.

Stammbaum der Malerdynastie

„Dies dürfte mit Sicherheit das letzte Bild der Dynastie sein. Hier schließt sich der Kreis“, so Meindl stolz. Schwierig habe sich das Erstellen des Stammbaumes der Stoiber-Dynastie gestaltet. Geschaffen wurde dieser vom Maler Hermann Scheuer aus Furth i. Wald.

Bürgermeister Sepp Schmid zollte seinen Respekt und dankte für das überaus gelungene Werk und die wunderbare Anlage. Er sprach von einem schwierigen Weg mit so manchen bürokratischen Hürden, denn ursprünglich war angedacht, die Aktion zusammen mit dem Trachtenverein Tannenecker und der Gemeinde (im Rahmen der Dorferneuerung) anzupacken.

Nun sei dies jedoch in Eigenregie eines „hartnäckigen“ Bürgers geschehen, mit beeindruckendem Resultat. Deswegen werde man den ursprünglich als Provisorium gedachten Pavillon als feste Institution belassen und aus dem Dorferneuerungsplan herausnehmen, so der Rathauschef.

Im Namen der Pfarrei sagte Pfarrer Johann Wutz ein herzliches Vergelt‘s Gott für das verdienstvolle Werk. Die Dorfmitte von Haibühl habe nun auch einen geistigen Fixpunkt und Ruhepol. Lobenswert sei, dass die Tradition der alten Heiligenbilder, die nicht mehr so geschätzt werde, wieder ins Bewusstsein gerufen und in den Mittelpunkt gerückt werde. „Die Bilder strahlen etwas aus und bringen Glaubenszuversicht herüber“, so der Geistliche, bevor er der Würdigungsstätte seinen Segen spendete. Im Anschluss waren alle Beteiligten zu einem gemeinsamen Essen im Gasthaus Meindl eingeladen. (krp)

Die Stoiber-Maler

  • Werke:

    mehrere Votivtafeln in der Pfarrkirche Haibühl und große Kirchenbilder; Bemalung der Wallfahrtskirche Kolmstein; Hinterglaskreuzweg in der Schlosskapelle Neunußberg; Kreuzweg und Votivbild im Kirchlein Engelshütt; Kreuzweg in der Wieskapelle bei Arnbruck; Kreuzweg in St. Laurentius Wettzell; Kanzel und Tabernakel in Mitterfels; Hochaltar der Kirche St. Martin Konzell; Kanzeln in St. Ulrich, Lam, und St. Anna, Rittsteig

  • Taferln:

    zahlreiche Hinterglas-Armeseelen-Taferl im bayerisch-böhmischen Grenzraum

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