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Natur

Storch Solo im Winter-Horst

Storchenmännchen bleibt in der kalten Jahreszeit in Chamerau – auf dem Flug gen Süden lauern auch lebensbedrohliche Gefahren.
Von Hermann Schropp

Der Chamerauer Storchenmann ist dank des bisher milden Winters gut genährt und gesund. Hoffnungsvoll richtet sich sein Blick bereits in die Ferne, wann wohl das Weibchen vom vergangenen Jahr bei ihm eintrifft.  Foto: Hermann Schropp
Der Chamerauer Storchenmann ist dank des bisher milden Winters gut genährt und gesund. Hoffnungsvoll richtet sich sein Blick bereits in die Ferne, wann wohl das Weibchen vom vergangenen Jahr bei ihm eintrifft. Foto: Hermann Schropp

Chamerau.Diesen Winter verspürt der Storchenmann Solo, ein Niedersachse, der vor Jahren einmal in Miltach beheimatet war, offenbar kein Fernweh. Er flog im Herbst nicht in den Süden, sondern blieb in seinem Horst in Chamerau. Er kommt gut zurecht, ist kerngesund und hat seit 2012 immer wieder für Nachwuchs gesorgt. Solo findet wohl immer genug Futter. Außerdem hat der Einzelgänger Stellen im Dorf, wo er auch ein warmes Plätzchen findet. Bei Schnee und Eis geht er in die Hocke und wärmt die Beine mit dem aufgeplusterten Gefieder, wie Storchenfreunde in Chamerau beobachteten.

Gerade im Winter neigten Menschen dazu, Vögel zu füttern, kritisiert der Bayerischen Landesbund für Vogelschutz. Störche aber finden auch bei Frost genügend zu fressen. Trotz der kalten Jahreszeit frieren Fließgewässer nicht sofort zu. Die gesetzlich verbotene Zufütterung von Getreide oder Fisch ist wohl ein Grund, warum Störche gerne in Deutschland bleiben.

Aber auch Aufzuchtprogramme und Zukäufe von Jungtieren, wie sie in den 1980er und 90er Jahren üblich waren, sind verantwortlich für das Phänomen Winterstörche. So hatte man aus touristischen Gründen in Baden-Württemberg Störche aus Bulgarien und Polen angesiedelt, in der Schweiz leben gebürtige nordafrikanische Störche – Populationen, die alle völlig unterschiedliche Zugverhalten zeigen. Und auch bei Störchen zählt: Wer zuerst kommt, hat gewonnen.

Kämpfe um den Horst

Das ist eine Problematik, da kommt es auch immer wieder zu Horstkämpfen, und selbst wenn die Winterstörche von den ursprünglichen Horstbesitzern vertrieben würden, kann es immer wieder passieren, dass die anderen auftauchen und das Brutgeschäft stören. Das heißt, sie versuchen, den Horst einzunehmen, beschädigen die Eier.

Der Storch

  • Gattung:

    Die Störche sind eine Familie der Schreitvögel, die mit sechs Gattungen und 19 Arten in allen Kontinenten außer Antarktika verbreitet sind.

  • Beschreibung:

    Charakteristisch sind der lange Hals, die langen Beine und der lange Schnabel. Alle Störche sind Fleischfresser, die Ernährung variiert aber je nach Art. Der in Europa bekannteste Storch ist der Weißstorch.

Der Chamerauer Storch ist in guter Gesellschaft. Immer mehr Störche in Bayern sparen sich den Flug gen Süden und überwintern hierzulande. In diesem Winter dürfte sich der Trend verstärkt haben, wie beim Bayerischen Landesbund für Vogelschutz (LBV) zu erfahren war. Hatten im Winter 2017/2018 Schätzungen zufolge 240 Störche die kalte Jahreszeit im Freistaat verbracht, waren es im Jahr darauf schon knapp 300. Vor allem im Westen Bayerns gebe es das Phänomen überwinternder Weißstörche. Seit einigen Jahren wählten die Vögel vermehrt Spanien statt Westafrika als Winterquartier und machten sich daher erst später auf, oder blieben bei günstiger Witterung da.

Flug voller Gefahren

Tatsächlich lauern auf dem Flug in den Süden Gefahren. So ist unklar, ob die Störche etwas zu fressen finden. Oder es besteht das Risiko, dass sie sich durch Strommasten oder an scharfkantigen Gegenständen auf Müllkippen tödlich verletzen. Und in Afrika machten vielen Störchen Dürren, Unwetter und Öllachen zu schaffen.

Tiere

Chamerau hat ein zweites Storchenpaar

Die Vögel fliegen seit zwei Wochen immer wieder den Holzer-Kamin an. Sie haben begonnen, ein Nest für den Nachwuchs zu bauen.

Angesichts solcher Gefahren ist das Überwintern in Bayern für die Störche gar nicht so schlecht. Überhaupt werden die Winter in Deutschland immer milder, über Wochen geschlossene Schneedecken gibt es kaum. In Bayern fühlen sich die Vögel wieder heimisch. Zuletzt wurden 490 gemeldet.

Weißstörche ernähren sich ausschließlich von Kleintieren wie Regenwürmern, Insekten, Fröschen, Mäusen und Fischen. Sie finden in den Chamerauer Regenauen ideale Lebensbedingungen vor. (che)

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