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Gericht

Streit um Automarken eskalierte in Cham

VW-Fahrer gegen BMW-Fan: Nach Frotzeleien mischte sich ein 33-Jähriger ein – und beleidigte und schlug einen 23-Jährigen.

Teils ungläubiges Kopfschütteln, teils mitleidiges Lächeln verursachte bei den Zuschauern ein Strafverfahren in Cham. Symbolfoto: dpa
Teils ungläubiges Kopfschütteln, teils mitleidiges Lächeln verursachte bei den Zuschauern ein Strafverfahren in Cham. Symbolfoto: dpa

Cham.Teils ungläubiges Kopfschütteln, teils mitleidiges Lächeln verursachte bei den Zuschauern ein Strafverfahren, mit dem sich Richter Andreas Lecker am Amtsgericht Cham zu beschäftigen hatte. Auf der Anklagebank saß ein 33-jähriger lediger Angestellter aus einer Chamer Nachbargemeinde. Er war angeklagt wegen Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung.

Dazu war es aus folgenden Gründen gekommen: In der Nacht vom 6. auf den 7. August 2016 trafen sich drei Gruppen von jugendlichen Autofahrern auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums an der Rodinger Straße in Cham. Die drei Gruppen bestanden aus VW-, Opel- und BMW-Fahrern, die sich gegenseitig hänselten und die jeweils andere Automarke „heruntermachten“. Ansonsten verlief eigentlich alles friedlich. Dann verzogen sich die Akteure in Richtung eines nahen Fastfood-Lokals, auf dessen Parkplatz die Blödeleien weitergingen.

Eine heftige Ohrfeige

In diesem Lokal waren aber auch der Angestellte und seine Freundin anwesend und bekamen mit, wie ein BMW-Fahrer „niedergemacht“ wurde. Und weil der 33-Jährige selbst ein bekennender und offensichtlich leidenschaftlicher BMW-Fahrer ist, wollte er dem anderen beistehen. Er sprang vor einen gerade wegfahrenden VW, riss dessen Fahrertür auf, beleidigte den Fahrer mit einem unflätigen Ausdruck und versetzte ihm eine heftige Ohrfeige. Der VW-Fahrer, ein 23-Jähriger aus Schönsee, begab sich zwar nicht in ärztliche Behandlung, hatte aber circa eine Woche lang Schmerzen im Gesicht. Er rief die Chamer Polizei an und erstattete Strafanzeige.

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In der Gerichtsverhandlung erklärte der Verteidiger für den Angeklagten, dass die von Staatsanwalt Soldan vorgetragene Anklageschrift zutreffend sei. Der Angeklagte sei zur Tatzeit angetrunken gewesen und die Sache sei „deutlich aus dem Ruder gelaufen“. Inzwischen – so der Anwalt – habe sich der Angeklagte mit dem Verletzten ausgesprochen, er habe sich bei ihm entschuldigt und ihm als Täter-Opfer-Ausgleich bereits einen Betrag von 1200 Euro übergeben. Außerdem übernehme er dessen Anwaltskosten.

Vier Einträge in der „Sünderkartei“

Dies bestätigte der 23-Jährige auch und erklärte, für ihn sei damit die Angelegenheit erledigt. Damit, so der Verteidiger, wäre es durchaus gerechtfertigt, das Strafverfahren wegen geringen Verschuldens des Angeklagten gegen eine Geldauflage vorläufig einzustellen. Hierzu wäre aber die Zustimmung des Staatsanwaltes erforderlich gewesen, diese war von Staatsanwalt Soldan aber nicht zu bekommen, insbesondere deshalb, weil der Angeklagte bereits vier Einträge in seiner „Sünderkartei“ stehen hat, darunter auch einen wegen gefährlicher Körperverletzung. Deshalb wiederholte der Anklagevertreter den Antrag aus dem Strafbefehl mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro. Schließlich, so der Staatsanwalt, sei der Angeklagte nunmehr wirklich alt genug, um solche Kindereien zu unterlassen.

Man solle doch die Kirche im Dorfe lassen, meinte der Verteidiger. Sein Mandant habe überreagiert und durch seine Zahlung an den Verletzten den Rechtsfrieden wieder hergestellt. Richter Andreas Lecker verurteilte schließlich den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 30 Euro und zu den Kosten des Verfahrens. (cog)

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