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Wirtschaft

Stuhl des Conti-Chefs blieb unbesetzt

Kein Konzernmanager traute sich zur „jetzt red i“-Livesendung in Roding, so gab es nur wenig Überraschendes zu hören.
Von Christoph Klöckner

Die BR-Livesendung
Die BR-Livesendung "Jetzt red i" zu den Conti-Schließungsplänen fand am Mittwoch in Roding statt, doch vom Konzern stellte sich keiner der Diskussion. Foto: KLöckner

Roding.Rededuelle leben von den Gegensätzlichkeiten,vom Austausch der Argumente und der emotional eingefärbten Meinungen. Das ist auch das Konzept der Livesendung des Bayerischen Rundfunks mit dem Titel „Jetzt red i“. Doch das funktioniert nur, wenn wenigstens zwei unterschiedliche Meinungen zum Thema des Abends im Rund sitzen.

Das war am Mittwochabend in der Stadthalle in Roding nicht der Fall. Die Sendung vor etwa 100 Zuhörern mit viel regionaler Politik in den Reihen drehte sich um die von Continental angekündigte Schließung des Werks in Roding für das Jahr 2024 und um die Frage, ob es nun abwärts gehe mit der bayerischen Wirtschaft.

Kein Manager kam

Gut 100 Besucher kamen zur BR-Livesendung "Jetzt red i"in die Rodinger Stadthalle. Foto: KLöckner
Gut 100 Besucher kamen zur BR-Livesendung "Jetzt red i"in die Rodinger Stadthalle. Foto: KLöckner

Doch weder die Manager vom Conti-Hauptsitz aus Niedersachsen noch die Vertreter für Bayern hatten Lust auf ein öffentliches Streitgespräch. Sie hatten dem BR mitgeteilt, dass sie „von einer Teilnahme Abstand nehmen.“ So bot die Sendung, souverän moderiert von Tilman Schöberl und Franziska Eder und bereichert durch den Bayern-Chef der IG Metall Johann Horn und den CSU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag Thomas Kreuzer als Antwortengeber auf Publikumsfragen, in weiten Teilen wenig Neues und ebenso wenig Spannung. Da machte der Appell von Schöberl kurz vor Sendestart Sinn, nicht einzuschlafen oder in der Nase zu bohren, um im Fernsehen doch ein schönes Bild abzugeben.

Sehen Sie hier die Sendung in der Mediathek

Im Mittelpunkt stand die Kritik am Conti-Konzern, die von vielen Stimmen aus dem Publikum vorgebracht wurde. Conti-Mitarbeiter Eduard Hochmuth, der Sohn des gleichnamigen Chamer SPD-Stadtrats, schilderte zu Beginn in einem kurzen Trailer seine Situation nach der Conti-Offenbarung im Oktober. Er habe neu gebaut, sich im Konzern wohlgefühlt und gedacht, dass er bis zur Rente dort bliebe. Nun sei er enttäuscht, nachdem erst vor einem Jahr ein Restrukturierungsplan für Roding von Conti versprochen worden sei.

„Die schlimmsten Alpträume“

„Der Scheck auf die Zukunft ist weg. Die schlimmsten Alpträume sind da“, so Schöberl bei seiner Anmoderation. Die Frage sei auch, ob Conti nur der Auftakt sei für den Strukturwandel in der Automobilindustrie und ob die 135000 bayerischen Arbeitsplätze dort in Gefahr seien. Andere Conti-Mitarbeiter kamen zu Wort, sprachen von der Existenzbedrohung durch Conti.

Wirtschaft

Noch keine Rettung für Conti in Sicht

Gleich drei Minister raten beim Runden Tisch von der Werksschließung in Roding ab. Doch nicht alle Mitarbeiter dürfen hoffen.

Es gab einige Wortmeldungen aus dem Publikum, die meist ihr Unverständnis über die Conti-Entscheidung klar machten. Foto: KLöckner
Es gab einige Wortmeldungen aus dem Publikum, die meist ihr Unverständnis über die Conti-Entscheidung klar machten. Foto: KLöckner

Auf die Frage, was Politik tun könne, sprach Thomas Kreuzer von „gewissen Instrumentarien“, die zum Einsatz kommen. Man müsse den Standort wieder interessant für die Firma machen. Er betonte, dass man die Transformation, den Wandel bei der Mobilität, brauche. Dafür gebe es auch Fördermittel. Letztlich entscheide aber immer der Konzern. „Es gibt immer Chancen“, so Gewerkschafter Johann Horn. Da noch vier Jahre Zeit seien, sei für ihn hier noch lange nicht das Ende. Den Deckmantel des Wandels nutze Conti nur, um den Gewinn zu steigern.

Firma in die Pflicht nehmen

Die Rodinger Stadträtin Renate Hecht erinnerte daran, wie viel die Stadt hier investiert habe, um das Unternehmen herzubekommen. Man müsse das Unternehmen in die Pflicht nehmen, um den Standort zu erhalten, forderte sie. Brigitte Adlhoch warf der Politik vor, mit der Förderung der E-Mobilität falsche Wege zu gehen, während Erdgas vernachlässigt werde.

Die Conti-Werksschließung

  • Lage:

    Gerade erst hatten die Rodinger Conti-Mitarbeiter nach den Turbulenzen von 2018 aufgeatmet: Ein Sozialplan, eine Arbeitsplatzgarantie bis 2023 und ein neuer Tarifvertrag für den Standort Roding war Anfang des Jahres ausgehandelt – scheinbar ging der Arbeitsplatzabbau für Roding dabei glimpflicher ab, als zunächst gedacht. Dann kündigte der Konzern im Oktober aus heiterem Himmel die Schließung des Werks an.

  • Schließung:

    Der Totalverlust des Standorts in Roding mit insgesamt 540 Arbeitsplätze steht somit im Feuer. Laut Conti sollen Produktion und Entwicklung von hydraulischen Komponenten für Benzin- und Dieselmotoren bis 2024 eingestellt werden. Erst 2018 gab es einen Stellenabbau, von dem über 300 der rund 800 Mitarbeiter betroffen waren. Seit Bekanntwerden der Schließungspläne gibt es Proteste von Beschäftigten, der Gewerkschaft und der Politik.

Johann Horn von der IG Metall und Thoams Kreuzer von der CSU (v. li.) waren gekommen, um Fragen zu beantworten und Lösungen zu suchen. Foto: KLöckner
Johann Horn von der IG Metall und Thoams Kreuzer von der CSU (v. li.) waren gekommen, um Fragen zu beantworten und Lösungen zu suchen. Foto: KLöckner

Bürgermeister Franz Reichold, dem Moderator Tilman Schöberl vor der Sendung noch zum Geburtstag gratuliert hatte, sagte, er verstehe das alles nicht. Mal wolle der Konzern größer werden, dann kleiner, dann werde ganz geschlossen: „Was haben die Bosse eigentlich im Kopf?“ Erst würden die Beschäftigten hier ausgebeutet, die Infrastruktur ausgenutzt, dann gingen die Arbeitsplätze ins Ausland, „und wir stehen am Ende mit leeren Händen da!“

Überstürzter Wandel?

Johann Horn sagte, er habe die Sorge, dass hier überstürzt der falsche Weg eingeschlagen werde. Man brauche eine Neugestaltung der Mobilität. Hierfür seien gerade die Rodinger Conti-Beschäftigten extra ausgebildet worden, so Erwin Löffler vom Conti-Betriebsrat. Deshalb sei die Abwendung vom Standort umso unverständlicher. Horn erinnerte auch daran, dass Conti in Hochglanzbroschüren von einer Verantwortung für die Gesellschaft schreibe - sie sollten deshalb endlich an den Tisch kommen, um mit der IG Metall über Lösungen zu reden, forderte er.

Nur einmal kam etwas Streitlust auf, als Karl Prasch im Zusammenhang mit der Energiewende dem Landrat vorwarf, zwei geplante Windräder bei Zell zu blockieren. Landrat Franz Löffler konterte, er habe eine Zonierung durchgeführt, zwei Prozent der Landkreisfläche seien für Windkraft geeignet.

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