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Notfall

Sturm Sabine hält Cham auf Trab

Der Orkan Sabine bescherte der Feuerwehr mit Böen von bis zu 145 Stundenkilometern stolze 145 Einsätze – der Polizei 52.
Von Johannes Schiedermeier, Evi Paleczek, Thomas Mühlbauer und Maria Frisch

Gegen 16.30 Uhr stellte eine Windböe ein riesiges Stück Dach bei Goldsteig auf, das von FFW und THW gesichert wurde. Die Rachelstraße musste auf Länge der Molkerei gesperrt werden.  Foto: si
Gegen 16.30 Uhr stellte eine Windböe ein riesiges Stück Dach bei Goldsteig auf, das von FFW und THW gesichert wurde. Die Rachelstraße musste auf Länge der Molkerei gesperrt werden. Foto: si

Cham.Orkan Sabine ist in den Landkreis eingefallen und hat ihn in Atem gehalten. Bis Montagmittag hatten die Feuerwehren bereits mehr als 130 Einsätze abgearbeitet. „Bisher sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Aber für den frühen Nachmittag sagte das Wetter-Radar, dass wir mehr ins Zentrum des Geschehens rücken werden“, sagte Kreisbrandrat Michael Stahl, der seit den frühen Morgenstunden in der Einsatzzentrale der Further Straße Dienst tat.

Jeder KBI-Bereich war dort in einer eigenen Funkzentrale beschäftigt, die eintreffenden Alarm-Meldungen aus der Einsatzleitstelle und dem Feuerwehrfunk abzuarbeiten. Praktisch im Minutentakt wurden Wehren alarmiert oder meldeten sich vom Einsatz zurück.

Mittag: Sabine holt Luft

In Bad Kötzting krachte ein Baum auf ein Auto. Foto: kht
In Bad Kötzting krachte ein Baum auf ein Auto. Foto: kht

Meist ging es um umgestürzte Bäume auf den Fahrbahnen. Auf den Bundesstraßen sicherten immer wieder Polizeistreifen bis zum Eintreffen der Feuerwehr die Fahrbahn. Chams Polizei-Chef Alfons Windmaißer berichtete, dass gegen 6.30 Uhr ein Baum bei Traitsching ein fahrendes Auto getroffen habe, dessen Fahrer unverletzt geblieben sei. Außerdem hätten Streifen am Morgen zweimal umgestürzte Bäume auf der B 20 und der B 85 gesichert. Ein großer Vorteil für die Einsatzkräfte sei gewesen, dass die Schule ausgefallen sei: „Man glaubt nicht, was das in Cham ausmacht“, so Windmaißer.

Sturm „Sabine“ hinterlässt Schäden im Kreis Cham

In Cham krachte ein Gerüst auf das Dach der Spitalkirche. Foto: Schiedermeier
In Cham krachte ein Gerüst auf das Dach der Spitalkirche. Foto: Schiedermeier

Das bestätigte am Mittag auch Rettungsdienstleiter Mich Daiminger. Es habe keine Verletzten gegeben. Zwei Rettungswagen hätten im Einsatz vor umgestürzten Bäumen gestanden und deswegen umkehren müssen. „Bisher passt alles“, so Daiminger am Mittag. Die Bilanz bis dahin: In Cham stürzte ein Baugerüst auf das Dach der Spitalkirche und beschädigte es. Bei Zandt und nahe Bad Kötzting meldeten die Einsatzkräfte heftigen Hagel. Oberpfalzbahn und Müllabfuhr hatten auch den Betrieb eingestellt.

Gegen 11 Uhr begann dann die Sonne zu scheinen. Allerdings sollte das täuschen. Die Rettungskräfte rieten weiter dringend allen Bürgern, zu Hause zu bleiben. „Das Wetter-Radar sagt, dass noch was auf uns zu kommt“, erklärte Kreisbrandrat Michael Stahl am Mittag.

In Cham musste die Feuerwehr zum Rathaus, da Sturmboen über den Kamin einen Funkenschlag im Röster des Cafes ausgelöst haben.
In Cham musste die Feuerwehr zum Rathaus, da Sturmboen über den Kamin einen Funkenschlag im Röster des Cafes ausgelöst haben.

Gegen 12.53 Uhr wurde die Chamer Feuerwehr zu einem Kaminbrand im Rathaus alarmiert. Es stellte sich heraus, dass auch hier Orkan Sabine zugeschlagen hatte. Die Röstmaschine lief gerade, als der Winddruck im Kamin so stark wurde, dass Qualm und Funken in das Rathaus-Café zurückgedrückt wurden, wie die Ermittlungen der Polizei Cham ergaben. Der Betreiber baute die Verkleidung der Maschine ab und löschte den ersten Funkenflug selbst. Die Feuerwehr überwachte von der Drehleiter aus den Kamin am Rathausdach.

Warten auf Mitternacht

Gegen 15 Uhr beruhigte sich die Lage wieder, nachdem mehrere schwere Windböen wieder eine Reihe von Einsätzen ausgelöst hatten. Auf dem Arber wurden Windspitzen bis zu 145 Stundenkilometern gemessen, aber auch in der Ebene brachte es Sabine auf gut 120. „Jedes Mal löst so eine Böe gleich etliche Einsätze aus“, berichtete KBR Stahl.

Bei einer Pressekonferenz berichtete Landrat Franz Löffler von einem „Ereignis mit Vorwarnzeit“. So habe man sich angemessen vorbereitet und in der Einsatzzentrale drei Schichten bis in den Dienstagmorgen hinein besetzt. 145 Einsätze habe es gegeben, die Masse davon wegen umgestürzter Bäume. Gemeinsam mit Schulamtsdirektor Karl Utz erläuterte der Landrat, dass sich die neu errichtete Infokette zwischen Schulen und Eltern bestens bewährt habe und die Entscheidung, schulfrei zu geben, richtig gewesen sei.

Sabines Statistik

  • Feuerwehr:

    Die Kreiseinsatzzentrale wickelte in Cham landkreisweit 145 Einsätze ab. Rund 900 Feuerwehrleute waren daran beteiligt – mit 133 Fahrzeugen.

  • Polizei:

    52 Einsätze hatte die Polizei im Landkreis. Insbesondere die Absicherung von Unfallstellen. Verletzt wurde niemand.

  • Schwerpunkt:

    Die meisten Einsätze (44) gab es im Arbergebiet.

Chams Polizei-Chef Alfons Windmaißer berichtete von 52 Einsätzen im ganzen Landkreis. Nach der Stadt Regensburg habe es im Landkreis Cham die zweitmeisten Einsätze in der Oberpfalz gegeben. Die Polizei habe es mit allen möglichen Unfallsituationen zu tun gehabt: Baum auf Auto, Auto in Baum, umgestürzte Bäume auf den Fahrbahnen...

Der Bad Kötztinger Straßenmeister Herbert Egner berichtete am Montag, dass die meisten Alarmstellen abgearbeitet und die Fahrbahnen aufgrund massiven Personaleinsatzes inzwischen weitgehend sauber seien. Insgesamt waren sich alle einig: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“

Sturm Sabine hält Cham in Atem

Das war im Bereich Roding

Der Bereich Roding blieb laut Kreisbrandmeister Norbert Mezei von größeren Schäden bis zum Montagabend verschont. Meist waren Bäume über die Straßen gefallen oder auch auf Strom- und Telefonleitungen. Dies führt dazu, dass gerade im Bereich Wald einige Anwesen ohne Strom und Telefonanschluss waren. Als größte Einsätze waren zwei bis drei abgedeckte Dächer von Stallungen in Kalsing und Mainsbauern zu verzeichnen. Personen wurden nicht verletzt.

Das war im Bereich Furth im Wald

In Furth im Wald war es laut Polizei und Feuerwehr relativ ruhig. Im Bereich Dieberg und Daberg lagen ein paar Bäume auf der Straße, teilt Feuerwehr-Kommandant Christian Scheuer mit, es waren zeitweise Straßensperrungen nötig. Im Bereich Warzenried und Dieberg ist in den Morgenstunden des Montag eine Zeit lang der Strom ausgefallen. Deswegen brauchte ein Bauer in Warzenried ein Notstromaggregat für seine Melkmaschine. Die Feuerwehr war bereits auf dem Weg, dann half aber ein anderer Landwirt aus. Im Bereich Voithenberghütte krachte ein Baum auf eine Telefonleitung, berichtet Polizeibeamtin Rita Schwägerl.

Das war im Bereich Bad Kötzting

Zahlreiche Straßen mussten gesperrt werden. Foto: kht
Zahlreiche Straßen mussten gesperrt werden. Foto: kht

Im Altlandkreis Kötzting sorgte das Sturmtief dafür, dass die Staatsstraße 2154 gesperrt werden musste. Die Sirene alarmierte um cirka 8.30 Uhr die Feuerwehren Thürnstein und Lohberg wegen eines halben Dutzend Bäume, die auf Höhe der sogenannten „Hungerreim“ zwischen Lam und Lohberg vom Sturm umgeworfen worden waren und die Staatsstraße 2154 blockierten. Der Verkehr wurde von den Feuerwehren über Schwarzenbach umgeleitet.

Die Aufarbeitung war wegen der anhaltenden Windböen zunächst zu gefährlich. Erst als sich die Lage vorübergehend etwas beruhigte, wurden die Stämme mit Hilfe des Waldbesitzers von der Straße geschleppt und die Fahrbahn gereinigt. Ursächlich für den Windwurf war nach Aussage der Einsatzkräfte ein Käferloch, durch das eine gewisse Instabilität im angrenzenden Waldgrundstück ausgelöst wurde.

Lohberger Einsatzkräfte waren nach dem Sturm beim Aufräumen gefordert. Foto: Maria Frisch
Lohberger Einsatzkräfte waren nach dem Sturm beim Aufräumen gefordert. Foto: Maria Frisch

Laut Auskunft des Lohberger Kommandanten Martin Dachs fiel außerdem im Ortsteil Eggersberg ein großer Stamm über die Fahrbahn. Richtung Scheibe lagen den Autofahrern ebenfalls drei Fichten im Weg, die die Kameraden beseitigten. Am Arber hatte die Arberbergbahn den Liftbetrieb aufgrund der Orkanwarnungen am Montag eingestellt.

Die Straßensperren

  • CHA 49: Zu einer längeren Straßensperrung kam es auch auf der CHA 49 auf Höhe Steinbachtal.
  • St 2154: Zwischen Lam und Lohberg war die Staatsstraße wegen etlicher umgefallener Bäume gesperrt. Der Verkehr wurde während der Aufräumarbeiten über Schwarzenbach umgeleitet.

Sturmtief „Sabine“

Schulen schließen, Züge fahren verspätet

Im Landkreis Cham sind am Montag alle Schulen geschlossen und die Länderbahn geht von Verspätungen im Zugverkehr aus.

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