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Sturm sorgt für leere Schulen in Cham

Teilweise blieben auch Eltern und jüngere Geschwister zu Hause. Am Dienstag findet wieder regulärer Unterricht statt.
Von Anna Jopp, Sandra Adler, Tanja Fenzl und Johannes Schiedermeier

In Altenmarkt waren nur wenige Kinder zum Spielen in den Kindergarten gekommen. Foto: Münch
In Altenmarkt waren nur wenige Kinder zum Spielen in den Kindergarten gekommen. Foto: Münch

Cham.Im wahrsten Sinne des Wortes „sturmfrei“ hatten die Schüler im Landkreis Cham am Montag. Wegen des Sturmtiefs Sabine blieben alle Schulen vorsorglich geschlossen. Einen Einfluss hatten diese Maßnahme und der Sturm teilweise auch auf Kinderbetreuungseinrichtungen und Firmen.

Landrat Franz Löffler und Schulamtsdirektor Karl Utz freuten sich in einer Pressekonferenz am Montag gegen 15 Uhr in der Kreiseinsatzzentrale: „Die Entscheidung für schulfrei war genau richtig. Und die neu eingerichtete Meldekette hat perfekt funktioniert.“ Der Schulamtsdirektor hatte dazu auch Zahlen: „Von den 6192 Kindern sind genau 14 in die Schule gekommen, zehn von ihnen wurden betreut, weil die Eltern nicht frei hatten. Die anderen vier hatten noch zu wenig Deutschkenntnisse. Am Ende sind also 0,23 Prozent der Kinder in ihre Schule gekommen.“

Utz ging davon aus, dass die Schule am Dienstag stattfinden kann. Eine Einschätzung, die sich am Montagabend bestätigte. Gegen 19 Uhr teilte das Landratsamt mit: „Am Dienstag, 11. Februar, findet der Unterricht an den Schulen im Landkreis Cham wieder regulär statt.“

Da dennoch Behinderungen auf den Straßen und im Zugverkehr nicht ausgeschlossen werden könnten, „bitten das Landratsamt und das Staatliche Schulamt die Schüler und deren Eltern um erhöhte Aufmerksamkeit“. Ausfallende Züge würden so weit als möglich durch Busse ersetzt.

Sturm Sabine hält Cham in Atem

Für Uwe Mißlinger, den Schulleiter des Fraunhofer-Gymnasiums in Cham, war der schulfreie Tag ein guter Test für ähnliche Situationen, bei denen vielleicht nicht schon am Vorabend bekannt werde, dass die Schule ausfällt: Eine zu Schuljahresbeginn für solche Fälle festgelegte Telefonkette habe am Montag perfekt funktioniert und ein festes „Notfallteam“ aus 15 Lehrkräften und Mitarbeitern sei pünktlich um halb acht im Schulgebäude bereitgestanden.

Nur die Lehrer mussten zur Schule

Uwe Mißlinger, Schulleiter des Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasiums, freute sich, dass die Maßnahmen für den „sturmfreien“ Tag an seiner Schule so gut geklappt haben. Foto: Münch
Uwe Mißlinger, Schulleiter des Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasiums, freute sich, dass die Maßnahmen für den „sturmfreien“ Tag an seiner Schule so gut geklappt haben. Foto: Münch

„Am Ende ist von 836 Schülern aber kein Einziger gekommen“, sagte Mißlinger. Auch die Lehrkräfte habe er bereits am Vorabend informieren können. „Wenn die Meldung des Schulamtes in so einem Fall erst um 5.30 Uhr käme, sähe die Situation aber vielleicht anders aus“, sagte Mißlinger. „Deswegen bin ich froh, dass diesmal alles so geordnet funktioniert hat.“

Auch im Robert-Schuman-Gymnasium lief am Montag „alles perfekt“, berichtete die Schulleiterin Angela Schöllhorn. Kollegen, die in der Nähe wohnen, seien zwar schon morgens sicherheitshalber in die Schule gekommen. Die Schüler hätten aber bereits am Vorabend Bescheid gewusst und seien daher allesamt zuhause geblieben. Nur für die Lehrer des Schuman-Gymnasiums sollte es kein gänzlich schulfreier Tag bleiben: Nachdem sich der Wind bis zum Nachmittag weitgehend beruhigt hatte, fanden die ab 14 Uhr anberaumten Klassenkonferenzen dort wie geplant mit allen Lehrern statt.

Ebenfalls vor leeren Schulbänken standen am Montag die Lehrer der Johann-Brunner-Mittelschule in Cham, sagte Schulleiter Helmut Maier. Und auch bei den Eltern der Grundschüler hatte sich der Unterrichtsausfall weitgehend herumgesprochen. Zwei Schüler, die von ihrem Vater am Morgen zur Schule gebracht wurden, nutzten das Elterntaxi umgehend wieder retour nach Hause. In der Lorenz-Gradl-Grundschule Untertraubenbach betreute Rektorin Hildegard Braun zwei Schüler, deren Eltern so kurzfristig niemanden zur Beaufsichtigung ihrer Kinder auftreiben konnten. „Wir haben unter anderem gebastelt, die Zeit ging ganz schnell herum“, sagte die Rektorin am Mittag und betonte, dass Eltern sich auch im Falle von Unterrichtsausfall auf eine Notfall-Betreuung verlassen könnten. Sie verteidigte auch die frühzeitige Information durch das Schulamt, um zu verhindern, dass sich Schüler möglicherweise bereits auf dem Weg in die Schule befinden. „Das war bei einem der letzten Male der Fall, als der Schulausfall am Morgen bekannt gegeben worden ist. Unsere Schüler kommen schon um Sieben ins Haus. Da hatten wir dann die Hälfte der Schüler hier und mussten dafür sorgen, dass sie wieder nach Hause kommen, weil ja die Schulbusse nicht fuhren“, erklärte sie.

Die beiden Realschulen in Cham waren am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Im Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium in Cham blieben am Montag die Klassenzimmer leer. Foto: Münch
Im Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium in Cham blieben am Montag die Klassenzimmer leer. Foto: Münch

In den Chamer Kindergärten und -tagesstätten machte sich der Sturm ganz unterschiedlich bemerkbar. Einfluss hatte vor allem, dass ältere Geschwister nicht in die Schule mussten. So berichtete etwa Bettina Wittmann, Leiterin der Caritas Kindertagesstätte St. Elisabeth, die Eltern hätten wegen des Schulausfalls ohnehin für Betreuung zu Hause gesorgt. Daher seien am Montag nur ein Viertel der Jungen und Mädchen in die Kita gekommen. Anders in der Kinderkrippe „Kleine Wichtel“: Hier sind nur vier von 16 Kindern am Montag wegen des Sturms zu Hause geblieben. In der Großtagespflegestelle „Landkreismäuse“ gibt es laut Leiterin Petra Hastreiter viele Lehrerkinder. Wegen des Schulausfalls seien daher drei der betreuten neun Kinder nicht zur Betreuung gebracht worden.

Kindergärten entscheiden selbst

Im Evangelischen Kindergarten „Kleine Strolche“ waren sechs von 27 Kindern anwesend. Leiterin Sylvia Dietl erklärte, es gebe bei Kindergärten keine einheitliche Regelung wie durch das Schulamt. Die jeweilige Einrichtung entscheide selbst, ob sie öffne. Wegen der wenigen Kinder habe sie auch Mitarbeiter, die weiter weg wohnten, informiert, dass diese zu Hause bleiben könnten.

Sturm „Sabine“ hinterlässt Schäden im Kreis Cham

Im Katholischen Kindergarten St. Josef waren am Montagvormittag laut Leiterin Renate Siegl einige Kinder da, deren Eltern arbeiten. Etwa die Hälfte der Jungen und Mädchen sei wie sonst auch anwesend gewesen. Einen größeren Einbruch bemerkte der Katholische Kindergarten St. Jakob. Nur sieben von 72 Kindern waren am Montag in die Einrichtung nach Altenmarkt gekommen. Leiterin Andrea Niebauer berichtete von ein paar Eltern, die sich morgens nicht getraut hätten zu fahren.

Sturmtief Sabine

  • Stärke:

    Der Orkan erreichte am Montag vielerorts Rekordgeschwindigkeiten. Über den Großen Arber fegte er laut der dortigen Messstation am Morgen in einzelnen Böen mit einer Geschwindigkeit von über 160 Stundenkilometern hinweg.

  • Folgen:

    Trotz zahlreicher Stromausfälle und umgeknickter Bäume verlief der Sturm in Bayern einigermaßen glimpflich. Der Bahn- und Busverkehr stand vielerorts stundenlang still. Schulen blieben geschlossen.

Außerdem habe es die Befürchtung gegeben, dass sie ihre Kinder je nach Entwicklung des Sturms möglicherweise nicht mehr abholen könnten. „Die Kinder haben mehr Platz, mehr Spielmöglichkeiten und quasi eine Eins-zu-Eins-Betreuung“, beschrieb Niebauer die Auswirkungen des Sturms auf den Betrieb im Kindergarten.

Kaum Ausfälle in den Firmen

Für Chamer Firmen ist der Tag vergleichsweise glimpflich über die Runden gegangen: Nur drei oder vier von 450 Angestellten hätten sich abgemeldet, weil sie keine Betreuung für ihre Kinder gefunden hätten, sagte etwa Elisabeth Werner, PR-Assistentin bei der Max Schierer GmbH. „Die betroffenen Mitarbeiter konnten zuhause bleiben, das war für uns kein Thema“, sagt sie.

Notfall

Sturm Sabine hält Cham auf Trab

Der Orkan Sabine bescherte der Feuerwehr mit Böen von bis zu 145 Stundenkilometern stolze 145 Einsätze – der Polizei 52.

Auch aus der Marketing-Abteilung der Baufirma Rädlinger hieß es, der Chamer Hauptsitz des Unternehmens habe keine größeren Folgen von Sabine festgestellt.

Bei der Müller Präzision GmbH waren sogar gar keine Abwesenheiten bekannt, weder im Büro noch in der Produktion. „Und Sturmschäden am Werk haben wir auch keine bemerkt, da wurden wir früh genug gewarnt und konnten vorsorgen“, sagte Produktionsleiter Markus Wrba am Montagvormittag.

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