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Geschichte

Tafeln verraten Kötztings Geschichte

Ein Friedhof, den es nicht mehr gibt, ein Gebäude mit komischem Namen, die Bahn mit Lücke: Blaue Tafeln wissen das alles.
Von Stefan Weber

Erich Fuchs hat die neuen blauen Tafeln wieder designt, die an Heinz und Margot Schötz (Besitzer der früheren Wuhn), Stadtpfarrer Herbert Mader (historischer Friedhof) (v.l.) gingen. Bärbl Kleindorfer-Marx (3.v.r.) als Kulturbeauftragte des Landkreises freute sich mit Heimatforscher Clemens Pongratz (2.v.r.) über die weitere Tafel zum Bahnhof Zellertal, die - wie alle anderen auch - vom Verein Stadtmarketing, vertreten durch Voristzende Carola Höchler-Neubauer (r.) finanziert wurden.  Foto: S. Weber
Erich Fuchs hat die neuen blauen Tafeln wieder designt, die an Heinz und Margot Schötz (Besitzer der früheren Wuhn), Stadtpfarrer Herbert Mader (historischer Friedhof) (v.l.) gingen. Bärbl Kleindorfer-Marx (3.v.r.) als Kulturbeauftragte des Landkreises freute sich mit Heimatforscher Clemens Pongratz (2.v.r.) über die weitere Tafel zum Bahnhof Zellertal, die - wie alle anderen auch - vom Verein Stadtmarketing, vertreten durch Voristzende Carola Höchler-Neubauer (r.) finanziert wurden. Foto: S. Weber

Bad Kötzting.In der Stadt kann sich wohl kein lebender Mensch mehr daran erinnern, als rund um die Stadtpfarrkirche noch Grabsteine standen – und was die „Wuhn“ sein soll, ist wohl auch nur den wenigsten bekannt, ebenso wie der Grund, weshalb es in einer Stadt wie Bad Kötzting zwei Bahnhöfe gibt. Alles Fragen, die ab sofort jeder vor Ort klären kann, ganz einfach mit dem Handy.

Alter Friedhof: Nach dem historischen Friedhof will Clemens Pongratz bis zum kommenden Jahr auch über den „Alten Friedhof“ und seine Geschichte schreiben. Der wird ja nicht mehr genutzt und derzeit zum Park umgeplant. Foto: S. Weber
Alter Friedhof: Nach dem historischen Friedhof will Clemens Pongratz bis zum kommenden Jahr auch über den „Alten Friedhof“ und seine Geschichte schreiben. Der wird ja nicht mehr genutzt und derzeit zum Park umgeplant. Foto: S. Weber

Denn der Verein Stadtmarketing hat es sich gemeinsam mit den Heimatforschern Clemens Pongratz und Ludwig Baumann sowie dem Wald-Verein zur Aufgabe gemacht, Licht ins Dunkel der Geschichte von bekannten Bauwerken und berühmten Persönlichkeiten der Stadt zu bringen. Seit zwei Jahren sind sie unterwegs, um Gebäude mit blauen historischen Tafeln zu versehen, die zum einen kurz über das Gebäude an sich informieren und anhand eines sogenannten QR-Codes, der über ein Smartphone eingelsen werden kann und so auf weitere Inhalte, die Pongratz in einem eigenen Blog online zusammengefasst hat verweist, tiefer in die Materie einführt. Einige Tafeln wurden in den vergangenen Jahren bereits angebracht, wie etwa an der Klinik für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) oder am ehemaligen Gefängnis (heute Finanzamt).

Wo ist der „alte Friedhof“?

Zur Präsentation der drei neuen Tafeln im Pfarrhof war sogar Bärbel Kleindorfer-Marx als Kulturbeauftragte des Landratsamtes gekommen. Sie freute sich, dass es diese Aktion gebe, um das Wissen um die Vergangenheit und die Identität des Ortes zu bewahren; besonders, weil sie wissen, wie viel Arbeit hinter den einzelnen Beiträgen stecke. Das wurde auch allen anderen schnell klar, denn gut eine Stunde dauerte es, bis Clemens Pongratz die Geschichte der drei Gebäude wenigsten in groben Zügen umrissen hatte.

Carl von Paur: Dem bekannten und für die Geschichte der Stadt bedeutenden früheren Landrichter – heute etwa Landrat – ist in der Stadt sogar eine Straße gewidmet. Dennoch wissen wohl nur wenige Bürger, was der so alles für ihre Heimatstadt getan hat, das soll sich ändern. Foto: S. Weber
Carl von Paur: Dem bekannten und für die Geschichte der Stadt bedeutenden früheren Landrichter – heute etwa Landrat – ist in der Stadt sogar eine Straße gewidmet. Dennoch wissen wohl nur wenige Bürger, was der so alles für ihre Heimatstadt getan hat, das soll sich ändern. Foto: S. Weber

So sprächen die Bad Kötztinger zwar immer vom „Alten Friedhof“, wenn sie den im Stadtnorden unweit des Torplatzes meinten. Der „historische Friedhof“ habe aber rund um die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt bestanden und sei etwa vom 12. bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert genutzt worden. Das allerdings nur bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert, da dann der heutige „Alte Friedhof“ angelegt worden sei. „Die alteingesessenen Kötzting haben aber noch lange darauf bestanden, rund um die Kirche beerdigt zu werden“, erklärte Pongratz.

Chamauer Tor: Auch eine kleine Besonderheit des Marktes Kötzting: Er war in früherer Zeit durch eine massive Palisade umgeben. Um hinein zu gelangen, mussten Händler am heutigen Torplatz auch ein Tor durchqueren. Pongratz hat dazu recherchiert. Foto: S. Weber
Chamauer Tor: Auch eine kleine Besonderheit des Marktes Kötzting: Er war in früherer Zeit durch eine massive Palisade umgeben. Um hinein zu gelangen, mussten Händler am heutigen Torplatz auch ein Tor durchqueren. Pongratz hat dazu recherchiert. Foto: S. Weber

Notwendig geworden war der neue Friedhof außerhalb der Mauern des Marktes, weil in diesen Jahren die Sterbezahlen aufgrund einer Pest-Epidemie stark angestiegen seien. Das endgültige Aus sei schließlich gekommen, als die Beisetzungen rund um die Kirche aus rein hygienischen Gründen nicht mehr möglich gewesen seien, ergänzte der Pfarrer.

Geschichte

Drei historische Tafeln für Kötzting

An der TCM-Klinik, dem Finanzamt und am Ludwigsberg gibt es nun neue Hinweise zur Geschichte Kötztings.

Er wisse: „Wer tiefer als 30 oder 50 Zentimeter gräbt, stößt auf Gebeine.“ Sehr viel tiefer könne meistens nicht gegraben werden, da die Kirchenburg nun einmal auf einem Fels stehe. Das und vieles Weitere mehr können die Besucher nun erfahren, wenn sie den QR-Code am Schild an der Anna-Kapelle neben der Kirche nutzen.

Geschichte der zwei Bahnhöfe

Ein weiteres Schild ging noch an Margot und Heinz Schötz für ihr Gebäude in der Unteren Marktstraße. An dieser Stelle, wo heute neben dem Wohnhaus der Familie auch ein Schmuckgeschäft und der Shop der Tafel untergebracht sind, war früher die „Wuhn“. Woher der Name stammt, das weiß auch Pongratz nicht. Fest stehe, dass das Gebäude bis zum Verkauf durch den Markt im 19. Jahrhundert eine aufregende und wechselvolle Geschichte gehabt habe. Wirtshäuser seien hier ebenso untergebracht worden wie eine Brauerei; Wenn die „Wuhn“ bewohnt wurde – an dieser Stelle endete der frühere Markt übrigens, die Untere Marktstraße gab es gar nicht – dann waren das meist uneheliche Kinder oder Mittellose; auch eine Spenglerei ist nachgewiesen, und vieles mehr. „Wuhn und wohnen“, das sei damals zur bekannten Floskel geworden, erklärte Pongratz.

Bollburg-Gasse: Sehr enge Gassen sind in der Stat heute eher die Ausnahmen, doch in früherer Zeit gab es mehrere davon. Eine davon, die „Bollburg-Gasse“, taucht öfter in Quellen auf, weil sie gerne zur Flucht vor der Polizei nach der Sperrstunde genutzt wurde. Foto: S. Weber
Bollburg-Gasse: Sehr enge Gassen sind in der Stat heute eher die Ausnahmen, doch in früherer Zeit gab es mehrere davon. Eine davon, die „Bollburg-Gasse“, taucht öfter in Quellen auf, weil sie gerne zur Flucht vor der Polizei nach der Sperrstunde genutzt wurde. Foto: S. Weber

Die letzte Tafel wird ihren Platz an der Bahnhof-Haltestelle Zellertal in Bad Kötzting finden. Als Lamer Holzbauern das Projekt einer Bahnlinie von Lam nach Kötzting und damit die Verlängerung der Linie Kötzting-Cham auf den Weg brachten, hätten sie sich neue Absatzmärkte versprochen. Aus denen wurde nichts, genauso wie für lange Zeit die durchgängige Fahrt für die Bahn. Weil ein Grundstücksbesitzer seine Flächen zwischen dem heutigen Zellertal und dem Bahnhof nahe Sinocur nicht verkaufen wollte, endeten die Züge aus Lam im Zellertal. Wie die Strecke schließlich doch fertiggestellt wurde, das und viele mehr erfahren Einheimische und Gäste am neuen blauen Schild an einer ganz besonderen Haltestelle.

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