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Wirtschaft

Teilerfolg für Rodings Conti-Belegschaft

Sozialplan und neuer Tarifvertrag für den Standort stehen. Jedoch müssen bis Ende 2019 noch 60 Arbeitsplätze abgebaut werden.
Von Bastian Schreiner

Ein Teil der Fertigungslinien wird sukzessive von Roding nach Tschechien, China und Thailand verlagert. Foto: bs
Ein Teil der Fertigungslinien wird sukzessive von Roding nach Tschechien, China und Thailand verlagert. Foto: bs

Roding.Wer muss gehen, wer darf bleiben? Fast ein Jahr der Angst und des Zittern liegen hinter den Conti-Mitarbeitern in Roding. Nachdem die Hiobsbotschaft vom geplanten Stellenabbau das Werk am 28. Februar 2018 ereilt hat, einigten sich Betriebsrat und Geschäftsleitung vergangene Woche auf einen Interessensausgleich sowie einen Sozialplan. Auch wenn die Aussichten nicht gerade rosig waren, konnten immerhin 22 Arbeitsplätze, die von der Streichung bedroht waren, erhalten werden.

In den Vereinbarungen sicherte das Unternehmen den Erhalt des Standorts bis mindestens 2023 zu. „Das kann auf jeden Fall positiv für die Fertigung gewertet werden“, betont Olga Redda, 2. Bevollmächtigte der IG Metall aus Regensburg, im Gespräch mit unserem Medienhaus. Zukunftsprognosen, wie es in vier, fünf Jahren am Standort in Roding weitergeht, möchte sie nicht wagen. Continental kündigte an, dass Roding das weltweite Kompetenzzentrum der Produktlinie bleibt. Es sollen laut Pressemitteilung weiterhin Kraftstoffhochdruckpumpen und die entsprechenden Fertigungstechnologien entwickelt und getestet werden.

Maschinen stehen nicht still

Die Belegschaft protestierte gegen den Stellenabbau. Foto: bs
Die Belegschaft protestierte gegen den Stellenabbau. Foto: bs

Trotz des geplanten Abbaus von rund 300 Arbeitsplätzen sind die Maschinen im Werk am Eisenhart nicht stillgestanden. Im Gegenteil. Es wurde weiter sieben Tage gearbeitet. „Wir fahren noch immer Sonntagsarbeit“, ließ die Betriebsratsvorsitzende Claudia Hecht im Dezember wissen. Grund für die „strukturellen Veränderungen“ am Standort Roding ist also nicht Arbeitsmangel, sondern zu hohe Produktionskosten. Deshalb werden die Jobs zum Leidwesen der Rodinger Mitarbeiter sukzessive nach Tschechien und Fernost verlagert.

Solidarität und Unterstützung

  • Kundgebung:

    450 Teilnehmer protestieren wenige Tage nach Bekanntgabe der Unternehmenspläne gegen den geplanten Abbau. Mit Trillerpfeifen, Fahnen und Plakaten machte die Belegschaft ihren Unmut Luft. Auch die Politik sagte Unterstützung zu.

  • Kritik:

    Im Frühjahr 2018 organisierte die IG Metall Regensburg ein „Fest der Solidarität“. Am Paradeplatz demonstrieren die Conti-Mitarbeiter gegen den Stellenabbau. Die Sprecher – wie Olga Redda – sparten dabei nicht mit Kritik am Conti-Management.

„Positiv in der schwierigen Situation ist, dass 22 Stellen gerettet werden konnten“, sagt Redda. Wichtig sei auch, dass die Verhandlungen nun abgeschlossen sind und die Verträge unterzeichnet sind. Zu den Gesprächen hatte sich der Betriebsrat und die Geschäftsleitung der Continental Mechanical Components Germany GmbH, die den Standort betreibt, unter Mitwirkung der Gewerkschaft und des Verbandes der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie getroffen. „Die Kollegen hingen lange in der Schwebe. Das ist ein furchtbares Gefühl. Jetzt herrscht endlich mehr Klarheit“, so Redda. Auf Nachfrage wollte sich der Rodinger Betriebsrat noch nicht zu den erzielten Ergebnissen äußern.

Wechsel in andere Werke

Olga Redda von der IG Metall Regensburg  Foto: bs
Olga Redda von der IG Metall Regensburg Foto: bs

Wie Redda mitteilt, einigte man sich ferner auf einen Ergänzungstarifvertrag. Die Beschäftigten können zwischen tariflichem Zusatzgeld oder acht zusätzlich bezahlten freien Tagen wählen. Diese können man beispielsweise zur Betreuung der Kinder oder Pflege von Angehörige nutzen. „Für Roding gilt der Vertrag nun in abgewandelter Form“, sagt die 2. Bevollmächtigte der IG Metall. Damit wolle man bei Conti eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen den einzelnen Standorten verhindert, so Redda. Außerdem soll es hiesigen Arbeitnehmer die Chance geboten werden, in andere Conti-Werke, etwa nach Regensburg oder Nürnberg, zu wechseln.

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Pfeifkonzert gegen den Stellenabbau

Rodings Conti-Belegschaft macht bei Kundgebung ihrem Unmut Luft. Die Politik appelliert an die Verantwortung des Konzerns.

Bis Ende 2019 müssen laut Conti-Pressesprecherin Simone Geldhäuser noch 60 unbefristete Stellen abgebaut werden. Das Unternehmen will wie bisher auch auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Neben internen Versetzungsangeboten sollen dabei Umwandlungen von Vollzeit- in Teilzeitverträge oder andere Vertragsformen genutzt werden. Von der Reform seien zudem rund 140 Leiharbeitnehmer und etwa 15 befristet beschäftigte Mitarbeiter betroffen, die aufgrund von Fertigungsspitzen eingesetzt werden.

Nach dem Paukenschlag im vergangenen Jahr habe sich die Mitarbeiterfluktuation erhöht. „Aus Sorge haben sich einige Arbeitnehmer gleich selbst nach Alternativen in der Region umgesehen oder Altersteilzeit beantragt“, berichtet Redda, die die Belegschaft für ihr Engagament lobt. „Sie hat einen wichtigen Beitrag geleistet.“

Auch wenn noch einige Jobs aus der Fertigung im Feuer stehen, hoffen IG Metall und Betriebsrat, dass wieder etwas Mehr Ruhe am Standort einkehrt. Die Auslastung scheint ja hoch zu sein, sagt Redda. Die Hängepartie in den vergangenen Monaten sei „kein Zustand“ gewesen. Helfen soll dabei die angekündigte Standort-Garantie bis 2023.

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